Garnier-Pages (Louis Antoine), Stiefbruder des vorigen, gleichfalls republikanischer Politiker, geb. 16. Juli 1803 zu Marseille, war anfangs Handelsagent zu Paris und nahm ebenfalls lebhaften Anteil an der Julirevolution. Nach dem Tode seines Bruders wurde er in die Kammer gewählt, wo er auf der äußersten Linken saß und bedeutende Wirksamkeit in finanziellen Fragen entwickelte. Als einen der eifrigsten Agitatoren bei den Reformbanketten rief man ihn in der Februarrevolution von 1848 zum Maire von Paris aus und machte ihn zum Mitgliede der Provisorischen Regierung. Am 5. März übernahm er sodann an Goudchaux' Stelle das Portefeuille der Finanzen, das er unter den schwierigsten Verhältnissen bis zur Juni-Insurrektion führte. Zugleich war er Abgeordneter in der Constituante, wo er zur gemäßigten Demokratie gehörte und mit Geschick seine hart angegriffenen Finanzmaßregeln verteidigte. In die Legislative nicht wieder gewählt, trat er seitdem ins Privatleben zurück, um sich industriellen Unternehmungen und litterarischen Studien zu widmen. Eine Frucht der letztern ist das umfangreiche histor. Werk 4Histoire de la révolution de 18485 (10 Bde., Par. 1861— 72). Im J. 1864 trat er wieder auf den polit. Schauplatz, indem er von einem pariser Wahlbezirk in den Gesetzgebenden Körper gewählt wurde, wo er zu der republikanischen Opposition Jules Simon, Jules Favre, Picard u. s. w. hielt. Nach dem Sturze des Kaiserreichs wurde G. 4. Sept. 1870 in die provisorische Regierung gewählt. Er gehörte nebst Pelletan und Arago zu derjenigen Regierungsdeputation, welche, nachdem wegen der Gambettaschen Dekrete vom 31. Jan. 1871 zwischen den Regierungsmitgliedern zu Paris und der Delegation zu Bordeaux ein Konflikt ausgebrochen war, nach Bordeaux gesandt wurde, um Gambetta zum Rücktritte zu veranlassen, was ihm auch gelang. Später zog er sich vom polit. Leben zurück. Er starb 31. Okt. 1878 zu Paris. Außer dem genannten Werke verfaßte er eine Histoire de la commission exécutive (1869) und «L'opposition et l'empire (2 Bde., 1872).