Garunstärkemesser, s. Garndynamometer. Garnwage, Sortierwage (frz. balance à échantillonner les fils, engl. balance for measuring the strength of yarn), eine Vorrichtung, mittels deren man die Nummer eines Garnstrangs (Schneller) von bestimmter Länge ohne Anwendung von Gewichten feststellen kann. Die G. sind entweder kleine Schnellwagen, bei welchen das verschiebbare konstante Laufgewicht auf der Einteilung des Balkens die Nummer angibt, oder Zeigerwagen, bei denen durch Anhängen des Garnstrangs an den einen Arm das konstante Gewicht des andern Arms mehr oder weniger gehoben wird und die dadurch bewegte Zunge (der Zeiger) auf der Skala eines Gradbogens die Nummer anzeigt. Die letztere Konstruktion ist die am meisten gebräuchliche. Garnwinde (frz. guindre, campane; engl. Yhisk), eine mechanische Vorrichtung, welche dazu bestimmt ist, das fertige Garn gleichmäßig aufzureihen, in sog. Strähne oder Stränge zu verwandeln, welche später zum Verkauf, resp. zur weitern Verarbeitung auf Spulen oder in Knäuel verteilt werden. Der Apparat gleicht in seiner Konstruktion dem Haspel (s. d.), mit dem Unterschied, daß nicht, wie bei diesem, eine Zählvorrichtung zum selbstthätigen Messen der aufgewundenen Fadenlänge vorhanden ist, und besteht aus einer Trommel, die von vier oder mehr oehobellen durch entsprechende Streben miteinander verbundene Latten gebildet ist und mittels Handkurbel oder Riemenscheibe um ihre Achse gedreht wird. Die Trommel hat, je nachdem ein Faden oder mehrere Fäden zugleich aufgewunden werden sollen, verschiedene Breite. Garofälo (Benvenuto), eigentlich Benvenuto Ti sio da G., ital. Maler, geb. 1481 zu Garofalo unweit Ferrara, bildete sich in seiner Vaterstadt unter Domenico Panetti, dann seit 1498 in Cremona unter Boccaccino Boccacci und begab sich dann nach Rom, wo er die Werke der besten Meister studierte. Nachdem er sich einige Zeit in Mantua aufgehalten hatte, kehrte er wieder nach Rom zurück, wo er sich ganz an Rafael anschloß, der sich oft bei seinen größern Arbeiten von ihm unterstützen ließ. Von Alfons J. von Ferrara nebst andern Malern mit vielen Arbeiten im Schlosse desselben beauftragt, wendete er sich später ganz nach seiner Vaterstadt und starb daselbst 6. Sept. 1559, nachdem er einige Jahre zuvor erblindet war. Seine Werke verraten die Einwirkung mehrerer oberital. Schulen, besonders der lombardischen und noch mehr der Schule Rafaels. Doch ist die den Ferraresen eigentümliche Richtung auf derbe, leuchtende Farbe und breite Darstellung auch in ihm nicht zu verkennen. Vor seinen ältern Schulgenossen Lorenzo Costa und Lodovico Mazzolino, die nur wenig Einfluß auf ihn übten, zeichnet er sich meist durch größere Anmut und tiefere Charakteristik der Köpfe aus, welche bisweilen so sehr an Rafael erinnern, daß mehrere Bilder bald diesem, bald G. zugeschrieben werden. Einige seiner Madonnen und Engelsgestalten sind voll Seele und von ungemeiner Anmut. Seine bedeutendsten Gemälde sind: eine Heimsuchung Mariä in der Galerie Doria in Rom, die Gefangennehmung Christi in San-Francisco zu Ferrara al fresco gemalt; eine Grablegung in der Galerie Borghese in Rom zeichnet sich durch trefflichen Ausdruck in den Köpfen der Personen aus. Garounne (Garumna), der Hauptfluß Südwestfrankreichs, entspringt auf span. Gebiet in dem Hintergrunde des zah. Kwirlen Aran (Valle de Rran) in 1872 m Höhe, zwischen der 3400 m hohen Maladetta und dem 2839 m hohen Mont-Vallier, tritt nach einem Laufe von 45 Em durch den tiefen, finstern Querspalt Pont du Roi (in 590 m Höhe), 7/4 km oberhalb St.⸗Beat, auf das franz. Gebiet und wird hier flößbar. Hier wendet sie sich bei Montrejeau (400 m) gegen Nordosten, verläßt bei St.⸗Gaudens (367 m) die nördlichste Pyrenäenkette, geht über St.⸗Martory, Cazeres, Carbonne, Muret und erreicht bei Toulouse (133 m), wo der Fluß schon 150 m breit und durch den Südkanal mit dem Mittelmeere in Verbindung gesetzt ist, ein breiteres Thal zwischen Hügelrändern. Von Toulouse wendet er sich, bereits von Montrejeau ab von der Eisenbahn begleitet, gegen Nordwesten über Agen und Marmande nach Bordeaux, wo er ein halbmondförmiges Becken von 1000 m Breite und uüber 7,5 km Länge bildet, geräumig genug für 1000 Schiffe. Nach der 24 km weiter unterhalb erfolgenden Vereinigung mit der Dordogne bei dem Becr d'Ambes bildet der Fluß ein an Inseln und Bänken reiches Astuar von 4 — 13 km Breite und fließt unter dem Namen Gironde (s. d.), durch eine Reihe an beiden Ufern liegender Forts und Batterien geschützt, 48 Km weit in den Atlantischen Ocean. Vor der Mündung steht auf einer Felsbank der Leuchtturm Cordouan (s. d.). Gewaltige Springfluten, hier Mascaret oder Wasserratten (Raz de marée) genannt, steigen oft gleich Wasserbergen im Ästuar bis an und in die Dordogne aufwärts mit stundenweit hörbarem Gebrüll und unter furchtbarer Verwüstung der Ufer. Die G. nimmt auf ihrem 554 km langen Laufe egen 32 (darunter 8 schiffbare) Flüsse auf, die ihr lußgebiet auf 84811 qkm erweitern und mit ihr eine schiffbare Wasserlinie von 2370 km darstellen, größer als irgend ein anderer Strom Frankreichs. Rechts fließen ihr von den Pyrenäen zu: der Salat und die Ariége, aus dem Hochlande der Cevennen der Tarn mit dem Agout und Aveyron, der Lot, die Dordogne mit der Vezere (nebst Corröze) und Isle; links eine Menge Pyrenäengewässer oder Gaven, wie die Save, Gimone, Arrats, Gers, Baise u. a. Schiffbar ist die G. etwa 400 km weit. Seeschiffe steigen mit Hilfe der Flut bis Bordeaux, kleinere noch 54 Em weiter bis Castets. Ungeachtet der Breite und Wasserfülle im untern Laufe hat der Strom dennoch viele seichte Stellen, welche namentlich bei niedrigem Wasserstande die Schiffahrt erschweren. Zur Erleichterung und Verkürzung der Fahrt ist der Garonnekanal (Canal latéral à la G.) angelegt worden. Derselbe schließt sich bei Toulouse an den languedoeschen oder Südkanal, folgt dem rechten Ufer des Stroms, geht über Montech, wo er den Seitenzweig von Montauban aufnimmt, über Castelsarrasin, über den Tarn bei Moissac und über Valence d'Agen, führt unterhalb Agen mittels eines Viadukts von 23 Bogen über die G. und folgt deren linkem Ufer bis Castets, wo er sich mit ihr vereinigt. Er ist 193 Em lang und trägt Fahrzeuge von 75 bis 150 t. Die G. selbst durchfließt vier Departements: das der Ober-G., Tarn und G., Lot und G. und Gironde. Das Departement Ober-Garonne (Haute-G.) gehört kleinernteils (im NO.) zu der alten Provinz Languedoc, größernteils (im SW.) zur Gascogne. Es bildet die engere Diöcese des Erzbischofs von Toulouse, hat zur Hauptstadt Toulouse (s. d.), erfällt in die 4 Arrondissements Toulouse, Villefranche, Muret und St.⸗Gaudens, in 39 Kantone und 587 Gemeinden und zählt auf 6289,8 qkm (1882) 478 009 E. (gegen 477730 im J. 1876 Abnahme 0,6 Proz.), sodaß deren 76 auf 1 qkm kommen. Etwa der zwölfte Teil von dem Areal ist völliges Hochgebirgsland der Norhuen das übrige verteilt sich auf die nördl. Vorstufen derselben und auf das Hügel-⸗ und Flachland von Languedoc und Gascogne. Im erstern sind die höchsten Punkte der Perdiguere (3220m), der Pie de Crabioules (3119m), sowie der 15 Kmim SW. von Bagneres de Luchon aufsteigende Col de Portillon, 3044 m, neben dem 3104 muhohen Portillon, mit dem Gletschersee Portillon in 2650 m Höhe, dessen Abfluß mit der Cascade Michot hinabstürzt in den See Espingo (1874 m), sowie dieser mit einem über 260 m hohen Wasserfalle in den Séculéjo (1430 m), den reizendsten aller Pyrenäenseen. Der besuchteste aller Pässe ist der 2417 m hohe Vort de Venasque, mit einem Hospital, auf dem Wege von Bagndres de Luchon nach Benasque. überhaupt ist der Süden reich an den großartigsten Naturschönheiten, wie namentlich die Cirken von Gavarnie und von Troumouse, die prachtvollen Thäler des Flusses Pique, vor allen das des Lys, die 14 km lange Reihe der herrlichen Gletscher Gours, Blancaur, Graoues, und die 16 km lange in der Region der Cirken, vom Taillon bis zum Mont-Perdu u. s. w. Auch ist das Departement reich an verschiedenen Mineralien, von denen nur das Eisen hinlänglich ausgebeutet wird. Man bricht an mehrern Stellen Marmor, außerdem Granit, Schiefer u. s. w. Goldblättchen führt die G. und der Salat. Unter den zahlreichen Heilquellen haben die von Bagneres-de-Luchon (s. d.) und die von Encausse den meisten Ruf. Bewässert wird das Departement von der obern G., der untern Ariége, von 14 andern Flüssen, sowie von dem Süd⸗, dem Seiten- und andern Kanälen. Die Wälder (900 qkm) gewähren Schiffbauholz. Der üppig-fruchtbare und im Norden gut kultivierte Boden (3730 qkm Ackerland) liefert Getreide weit über den Bedarf, die Rebenpflanzungen (650 qkm) einen meist mittelmäßigen Wein, von dem zwei Drittel in den Handel kommen. Die Wiesen (400 qkm) und ausgedehnten fetten Weiden fördern die Zucht vortrefflicher Schafe und Rinder. Auch zieht man viele Schweine und Ziegen, weniger Pferde, außerdem eine große Menge Geflügel (Truthühner, gemästete Gänse, Tauben). Im J. 1876 gewann man Wolle fast für 1 Mill. Frs. und aus 12000 Bienenstöcken 42000 kg Honig und 18000 kg Wachs. Das Klima ist, außer in dem rauhern Süden, mild und gesund, solange sich nicht der für Tiere und Feldfrüchte schädliche Westwind (Sers) erhebt. In industrieller Beziehung steht das Departement gegen andere Teile Frankreichs noch zurück; doch hat sich hierin in neuerer Zeit vieles gebessert. Toulouse ist das Entrepöt des Handels mit Naturprodukten des Nordens für Spanien. Der Handel mit Mehl, Wein, Branntwein, fettem Geflügel, eingesalzenen Gänsen, Trüffeln etc. ist bedeutend. Vgl. Joanne, «Géographie du déêpartement de la Haute-Garonnep (Par. 1880).