Gartenbanu ist höher entwickelter Ackerbau, nur auf beschränkterm Raume und mit Einzelpflege der Gewächse. Er umfaßt die Kultur der Pflanzen in Gärten oder auf gartenmäßig bewirtschafteten Grundstücken, sowie die Anlegung von Gärten. Der Unterschied beruht wesentlich in der sorgfältigern, mit reichern Hilfsmitteln, oft zu rein wissenschaftlichen Zwecken betriebenen Kultur, sowie in der häufig nur von den Gesetzen der Schönheit gebotenen und geleiteten Anordnung. Das Feld des Gärtners sind nicht bloß die Gärten, sondern auch die Kulturhäuser, der Wintergarten und Blumensalon des Palastes, endlich die Landschaft selbst. Wesentlich unterscheidet sich ferner der G. durch die Fürsorge, welche der Gärtner seinen Gewächsen in Gruppen angedeihen läßt, durch die sorgfältigere Pflege meistens bloß mit Hilfe von Handgeräten und durch die ausschließliche Erzeugung von Nahrungs⸗, Arznei- oder Zierpflanzen. Der Ackerbau kann ebenfalls gartenmäßig betrieben werden und heißt dann Spatenkultur, weil der Boden mit dem Spaten bearbeitet wird, und zwar vollkommener als mit Spannwerkzeugen. übrigens werden auch die letztern bei der Gärtnerei zum Samenbau im großen vielfach angewendet. Der G. zerfällt 1) in Nutzgärtnerei oder G. zur Anzucht von Nahrungspflanzen; 2) in Ziergärtnerei oder Blumenzucht und Gartenkunst (s. d.); 3) in G. zu wissenschaftlichen Zwecken oder botanische und Versuchsgärtnerei. Die Nutzgärtnerei umfaßt den Gemüsebau, den Obstbau und die Apothekergärtnerei. Als Gemüse werden kultiviert: Kohlarten, Hülsenfrüchte, Blattsalate, Spinatpflanzen, Lauch⸗ und Zwiebelarten, gurkenartige Pflanzen, Rüben, Wurzeln und Knollen, Spargel, Rhabarber, Artischocken und Kardonen, Suppen⸗, Würz⸗ und Zuthatkräuter, Champignons. Man rechnet hierher auch noch die Kultur der Erdbeeren (auf Beeten und in Treibkästen) und der Ananas (in Treibhäusern). Der Obstbau bildet einen besondern Zweig der Nutzgärtnerei. Die Ziergärtnerei beschäftigt sich mit der Kultur und Verwendung der bloß zur Zierde dienenden Pflanzen, sowie mit der Anlegung und Unterhaltung von Ziergärten und andern gartenmäßigen Anlagen. Die Blumengärtnerei umfaßt die Blumenzucht im engern Sinne, sodann die Verwendung der Blumen zur Ausschmückung von Gärten, Gewächshäusern und Wohnräumen. Sie ist aber auch als zur Gartenkunst gehörig zu betrachten, insofern durch Benutzung von Blumen eine künstlerische Idee zur Darstellung gebracht wird. Zu der Ziergärtnerei gehört die Pflege der Kalthauspflanzen im Glashaus und im Zimmer (Zimmergärtnerei), das Treiben der Blumen im Winter, sowie Zucht und Pflege der Warmhauspflanzen. Es reiht sich ferner darunter die Anlage und Unterhaltung der Rasenplätze, der Teppichgärten und die Gehölzzucht; endlich auch die Herstellung von Wegen und Plätzen, Wasserstücken, Gebäuden und zierenden Beiwerken. Die botanische und Versuchsgärtnerei steht ausschließlich im Dienste der Wissenschaft, unterhält Pflanzungen zum botan. Studium und macht Versuche mit der Alklimatisation neuer und nützlicher Pflanzen. Im allgemeinen befolgt sie die Grundsätze der Pflanzenkultur wie in jedem andern Zweige des Gartenwesens. Da jedoch ihr Zweck ein anderer ist, so sind auch die Mittel verschieden. Unter Handelsgärtnerei versteht man ein kaufmännisches Etablissement, das sich mit dem Vertrieb der Gartenbauprodukte beschäftigt. Es gibt in allen Ländern bestimmte Emporien für diesen Erwerbszweig, so in Deutschland Erfurt, Quedlinburg, Bamberg, Ulm, Straßburg; in Osterreich Prag, Sdenburg, Wien, Pest; in Frankreich Paris, Angers, Lille; in Belgien Gent. Der G. war früher ein zünftiges Gewerbe und ist es noch in Ulm und Bamberg; letztere Stadt zählt über 700 Gärtnermeister. Die Ausbreitung und Vervollkommnung des G. wird durch Schulen (s. Gartenbauschulen), Vereine (s. Gartenbauvereine) und eine reiche Litteratur gefördert, namentlich auch durch ziemlich zahlreiche Zeitschriften. Aus der äußerst reichhaltigen Litteratur über G. sind als Haupt- und Fundamentalwerke folgende hervorzuheben: Jäger, «Illustriertes Gartenbucho (4. Aufl., Hannov. 1882); Vilmorins «Illustrierte Blumengärtnerei» (2. Aufl., bearbeitet von Rümpler, Berl. 1883); Jühlke, «Gartenbuch für Damen) (3. Aufl., Berl. 1874); Courtin, «Der deutsche Haus⸗ und Nutzgarten » (2. Aufl., Stuttg. 1874); Jäger, «Die neuen schönsten Pflanzen des Blumen- und Landschaftsgartens, der Gewächshäuser und Wohnungen»(Hannov. 1881); Schmidlins «Gar4 (4. Aufl., bearbeitet von Nietner und Rümpler, Berl. 1883); Hartwig und Rümpler, „Illustriertes Gehölzbuchv (Berl. 1875); Schmidlins Blumenzucht im Zimmer» (4. Aufl., herausg. von Jühlke, Berl. 1880); Wörmann, Der Garteningenieury (1.—9. Abteil., Berl. 1864 —74); Teichert, 4Geschichte der Ziergärten und der Ziergärtnerei in Deutschland (Berl. 1865); Dietrich,‚ „(Geschichte des G.v (Lpz. 1863); Neumann, Anleitung zu Gartenanlagen am Hause und der städtischen Villa v(Berl. 1873); Sorauer, Handbuch der Pflanzenkrankheiten »(Berl. 1874); Goethe, (Der Weingarteno (Wien 1873); Nobbe, «Handbuch der Samenkunde » (Berl. 1876); Lauche, Deutsche Pomologie» (4 Bde., Berl. 1879—82); Rümpler, (Gartenbaulexikony (Berl. 1881); G. Meyer, Lehrbuch der schönen Gartenkunste (2. Aufl., Berl. 1873) u. a. m. Unter dem Titel der «Thaer-Bibliotheko ist seit 1874 zu Berlin eine lange, in jedem Jahre wachsende Reihe kleinerer Schriften für G. und Landwirtschaft erschienen, welche eine immer größere Verbreitung finden. In der periodischen Gartenbaulitteratur nehmen zur Zeit folgende Zeitschriften eine geachtete Stellung ein: «Hamburger Garten⸗ und Blumenzeitunge(Redacteur Eduard Otto, 1. bis 39. Jahrg., Hamb. 1845—83); „Deutsches Magazin für Garten⸗ und Blumenkunder (Redacteur Neubert, 1. bis 34. Jahrg., Stuttg. 1848—81); „Gartenflora, allgemeine Monatsschrift für deutsche, russ. und schweiz. Garten⸗ und Blumenkunde und Organ des kaiserl. russ. Gartenbauvereins in Petersburg (Redacteur Ed. Regel, 1. bis 32. Jahrg., Stuttg., ehemals Erlangen 1852—83); (Pomologische Monatsheftev, Organ des Pomologischen Instituts in Reutlingen (Neue Folge der «Monatsschrift für Pomologie und praktischen Obstbau » [1. bis 10. Jahrg., Stuttg. 1855—64] und der «Illustrierten Monatshefte für Obst⸗ und Weinbauv [1. bis 10. Jahrg., Stuttg. 1865 — 74]), herausgegeben von Lucas (1. bis 9. Jahrg., 21. bis 29. Jahrg. seit Beginn der Zeitschrift, Stuttg. 1875 83); „Illustrierte Gartenzeitungo, Organ des Württembergischen Gartenbauvereins und der Gesellschaft Flora in Stuttgart (herausg. von Lebl, 1. bis 27. Jahrg., Stuttg. 1856—83); Wereinigte Frauendorfer Blättero (fursprünglich unter dem Titel «Allgemeine deutsche Gartenzeitung, 1. bis 21. Jahrg., Passau 1823— 43), herausgegeben von Alb. Fürst (Frauendorf 1844 fg.); „Wiener Illustrierte Gartenzeitungo, Organ der k. k. Gartenbaugesellschaft in Wien (herausg. von Rosenthal und Bermann, 1. bis 8. Jahrg., Wien 1876—83); (Gartenzeitungs, Organ des Vereins zur Beförderung des G. in den königl. preuß. Staaten (herausg. von Wittmack, 1. u. 2. Jahrg., Berl. 1882—83); (Deutsche Gärtnerzeitungo, Organ des Deutschen Gärtnerverbandes (Redacteur Möller, 1.bis 7. Jahrg., Lpz.1877—83). Außer diesen Journalen wirken noch manche andere in gleichem Sinne, wenn auch in kleinern Kreisen. Neben ihnen haben auch französische (ERevue englische (EGardeners' Chronicleo) vornehmlich in handelsgärtnerischen Kreisen Bedeutung erlangt.