FeedGartensalat
PflanzenreichBrockhaus 1882

Gartensalat ist die Bezeichnung für die zahlreichen Formen und Varietäten der Lactuca sativa, des Lattichs, einer einjährigen Pflanze, die in der Urspezies wohl in Tiesed oder Mittelasien einhei-In. Ander obwohl diese daselbst nicht nachgewiesen ist. Andere nehmen an, die L. sativa sei eine durch Kultur entstandene Abart der L. Scariola, deren ursprüngliche Heimat wahrscheinlich in den Ländern am südl. Kaukasus zu suchen ist, die jetzt aber durch ganz Europa wild gefunden wird. Die Kultur des Gartenlattichs ist uralt, und Plinius nennt bereits mehrere Gartenformen, L. capitata (Kopfsalat), L. laciniata und crispa (wahrscheinlich Formen des Schnittsalats) u. a. Auch die alten Griechen kultivierten bereits mindestens zwei Abarten, und Salat war von jeher eine Lieblingsspeise des gemeinen Mannes. Von den Alten werden dem Genusse des Laktichs becheaucht Eigenschaften ugeschrieben. Galenus gebrauchte ihn zum Beschlusse der Mahlzeit und berichtet, er habe ihm adie hitzige Magengalles vertrieben und 1 von der Unruhe zum Schlafen gebracht. Karl d. Gr. empfahl seinen Gutsverwaltern den Ladducho zum Anbau, der somit eins der ältesten Kulturgewächse Deutschlands ist. Man unterscheidet drei Hauptformen des G.: Kopfsalat, Stechsalat und Römischen Salat. sich die rundlichen Blätter zu mehr oder minder festen Köpfen zusammenschließen. Hierdurch werden die innern Blätter, das sog. Herz, der Einwirkung der Luft und des Lichts entzogen und dadurch entfärbt und in ihrer Substanz zarter und milder. Der Stechsalat (Schnitt⸗, Rupf⸗, Streusalat, Latsche) bildet keine Köpfe, sondern die Blätter breiten sich dicht über dem Boden aus. Der Rö milhe Salat (var. romana oder longifolia) hat längiche, stark gerippte, aufrecht stehende Blätter, welche sich gewöhnlich nicht zu einem Kopfe, wenigstens nicht zu einem balb, zusammenschließen. Die Blätter werden deshalb, wenn sie ihre Ausbildung erlangt haben, zusammengebunden (Bindesalat), damit sie bleichen und zarter werden. Die für Deutschland weitaus wichtigste Form ist der Kopfsalat. Man kann die Spielarten desselben je nach der Zeit ihres Anbaues in folgende Gruppen bringen: 1) Winterkopfsalat: die hierzu gehörigen Spielarten sind gegen Kälte weniger empfindlich und überdauern, im Herbst in 10 em breite und 6—7 em tiefe Furchen gepflanzt, den Winter meistens ohne Nachteil, um sich zeitig im Frühjahre rasch zu entwickeln. Schon Rhagorius im «Pflanzgarten» (1682) berichtet über diese Cigenschaft. Die gebräuchlichsten Sorten sind der gelbe und der braune Wintersalat, die neuesten Madeira und Silberball. ) der frühe Kopfsalat; dieser kann schon im Frühjahre in warme Beete (Treibsalat) oder am Fuße sonnig gelegener Mauern gepflanzt werden und entwickelt sich ziemlich rasch. Die für eine solche Kultur geeignetsten Spielarten sind der frühe gelbe und frühe rüne Steinkopf, der frühe gelbe Eiersalat, der Kaisersalat, Wheelers Tom Thumb und andere. 3) Sommerkopfsalat; man säet den Samen auf ein Gartenbeet von April bis Juli alle acht bis zehn Tage in kleinen, dem Bedarfe entsprechenden Mengen und setzt die Pflanzen, wenn sie dazu stark genug geworden, mit dem nötigen Abstande und in Reihen auf recht locker bearbeitete Beete, die man im Frühiahr mit Mistbeeterde, im Sommer mit kurzem Pferdemist bedeckt. Die zahlreichen Spielarten des Kopfsalats unterscheiden sich im übrigen durch Bau, Größe und Festigkeit der Köpfe, durch Form, Farbe und die bald festere, bald zartere Substanz der Blätter, so- wie durch die Neigung der Köpfe, kürzere oder längere Zeit im Schlusse zu verharren, ohne durchzugehen, d. h. ohne den Blütenstengel zu treiben. Zu den geschätztesten Dauersorten gehören der Koblenzer (braune Harlemer), der Trotzkopf und der Perpignaner. Der Stechsalat wird schon jung vom Salatbeete weg für die Küche geerntet, gestochen, geschnitten oder gerupft. Er kommt zum Verbrauch, wenn der Kopfsalat noch selten ist. Man kultiviert von ihm mehrere Spielarten mit gelben oder grünen, flachen oder krausen Blättern. Gewissermaßen gehört hierher auch der Pflücksalat, dessen Stengel mit krausen Blättern besetzt sind, die nach und nach zum Verbrauche abgenommen werden. Der Römische Salat führt in England den Namen Cos Lettuce; dieser entspricht dem arab. Khuß oder Chaß, was Salat bedeutet. Diese Salatform wird vorzugsweise in Frankreich und England, seltener in Deutschland, in zahlreichen Spielarten je nach ihrer Eigentümlichkeit für den Verbrauch im Winter, im Frühjahr oder im Sommer angebaut. Bei einigen Sorten schließt sich der Kopf von selbst und braucht deshalb nicht gebunden zu werden. Der Samenernte vom G. geschieht durch die Made der Lattichfliege (Anthomvia lactucarum) nicht selten ein ganz erheblicher Abbruch; dieselbe lebt im August in den noch unreifen Fruchtköpfchen und frißt diese aus. Wo sich dieses Insekt einmal eingenistet hat, da bleibt nichts übrig, als die Salatkultur entweder für mehrere Jahre aufzugeben oder, wenn dies angeht, in eine entfernte Feldmark zu verlegen. Auch sollte man alle Ernteabfälle sorgfältig verbrennen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 563Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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