FeedGärtner (Heinr.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Gärtner (Heinr.), Landschaftsmaler, geb. zu Neustrelitz 22. Febr. 1828, kam mit 17 Jahren zu Schirmer nach Berlin, welchem er die erste Führung im Landschaftsfache verdankte. Bald darauf ging er nach Dresden, wo das erste öffentlich ausestellte Werk des jungen Künstlers die Aufmerkamkeit Ludwig Richters erregte, der G. in sein Atelier aufnahm. Drei Jahre später lernte er in München Genelli kennen, mit dem er dauernde Freundschaft schloß. Von München trat er seine Romfahrt an, die ihn mit Cornelius zusammen-Daren ein zehnjähriger Studienaufenthalt folgte aselbst. Es begann auch eine Periode eifrigen Schaffens, als deren erstes Ergebnis die mit dem zweiten Preis gekrönten Konkurrenzentwürfe zur Dekoration der Loggia im Städtischen Museum zu — an den Tag kamen. Nach Deutschland zurückgekehrt, versuchte sich G. 1865 in der Temperatechnik und außerdem an einem der Mythe entnommenen Stoffe, der Geschichte des Amor und der Psyche, für eine Villa bei Leipzig, wobei er in großgedachten, stilvollen Landschaftsbildern die Vorgänge der Dichtung staffageartig behandelte. In ähnlichem Geiste, aber noch freier, bewegt sich der Künstler in seinen 1871 für Ritter von Lanna in dessen Villa bei Prag ausgeführten Freskobildern, deren Gegenstand der Inhalt der dem Homer zugeschriebenen Götterhymnen ist. Für Lanna schmückte G. dann eine zweite Villa am Gmundnersee in Oberösterreich, wobei er nochmals die Psychefabel zum Stoffe nahm, aber diesmal Freskotechnik anwendete. Es folgte die Beteiligung des Künstlers an der malerischen Auszierung des neuen dresdener Theaters, für dessen Foyer er in enkaustischer Technik Antigone, Medea, Alceste, Joseph und seine Brüder und Telemach in fünf Lünetten entwarf. Auch das Museum in Leipzig erhielt einen neuen Schmuck von seiner Hand, indem er in dem Saal der Skulpturen die landschaftlichen Ansichten jener Orte anbrachte, welche die Hauptblütestätten der plastischen Kunstthätigkeit waren. Eine Suite von Wandgemälden, italienische Landschaften darstellend, welche G. für ein Wohnhaus in Leipzig auszuführen hatte, führte ihn wieder nach Italien, um die Studien dafür zu machen. Seitdem weilt der Künstler in Berlin, wohin ihn der Auftrag des preuß. Kultusministeriums, das Treppenhaus des Landwirtschaftlichen Museums daselbst mit Malereien zu dekorieren, berief. G. hatte diese Arbeit als Sieger in der Konkurrenz erhalten; Repzucnt der Gemälde sind der Ackerbau, die Viehzucht, Fischerei und Jagd.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 564Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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