FeedGascogne (Vasconia)
ErdkundeBrockhaus 1882

Gascogne (Vasconia), eine ehemalige franz. Landschaft, erhielt ihren Namen von den Basken (s. d.), welche, in der Mitte des 6. Jahrh. von den Westgoten aus ihren Wohnsitzen am Südabhange der Pyrenäen verdrängt, sich in der frühern röm. Provinz Novempopulania, zwischen dem Atlantischen Ocean, der Garonne und den Westpyrenäen niederließen. Sie begriff im ethnogr. Sinne nur die armen, größtenteils sandigen und sumpfigen Ländchen Chalosse und Landes und das eigentliche Baskenland nebst Navarra und Béarn; im dynastischen Sinne aber auch die teils gebirgigen, teils ebenen und fruchtbaren Landschaften Bigorre, Comminges, Couserans, Armagnac und Condomois, also die heutigen Depart. Landes, Ober-Pyrenäen, Gers, sowie den südl. Teil von Ober-Garonne, Tarn-Garonne und Lot-Garonne. Die 26 520 qkm verteilten sich auf folgende 13 Länder: Landes fast ein Viertel des Ganzen, Armagnac, Comminges, Lomagne, Bigorre, Couserans, Astarac, Quatre-Vallées, Chalosse, Condomois, Nébouzans, Labourd, Soule. Im J. 602 unterwarfen sich die Gascogner nach artnäckiger Gegenwehr den Franken. Sie wurden nun unter Aufsicht der Herzöge von Aquitanien gestellt, die jedoch bald sich unabhängig von der Krone zu machen wußten, bis sie König Pipin und später Karl d. Gr. besiegte. Letzterer gab in Welf I. und dessen Nachfolgern der G. eigene, von dem karolingischen Teilreiche Aquitanien abhängige Herzöge, welche, den stets wieder auflebenden baskischen Freiheitssinn zu ihrem Vorteile benutzend, wiederholte Versuche machten, das fränk. Joch abzuschütteln. Durch das Aussterben dieses volkstümlichen Herrschergeschlechts verwaist, kamen die Gascogner 1054 wiederum an Guyenne (. d.) und mit diesem Lande in der Folge für immer an . Unter den Herzögen bestand das Land aus der denselben unmittelbar zugehörigen Grafschaft G., welche die Bistümer Äire, Lescar, Oléron, Dax und Bayonne oder das eigentliche Gascognerland umfaßte, und deren Hauptpunkt St.⸗Sever war, und aus mehrern mittelbaren Grafschaften. Nachher aber wurde die alte G. in verschiedene dynastische Territorien, z.B. die der Herzöge, Grafen und Herren von Albret, Armagnae, Bigorre, Beéarn und Navarra, zersplittert, welche dent und nach der franz. Krone anheimfielen oder derselben mittelbar untergeben waren und vor der Revolution, mit Ausnahme der beiden letztgenannten Herrschaften, zu dem Gouvernement Guyenne gehörten. Trotz dieser für ihre Nationalität so ungünstigen histor. Entwickelung haben doch die Gascogner in Sprache und Sitten ihre Volkstümlichkeit und ihren gutmütigen Charakter bewahrt. Wegen der Dürftigkeit des Bodens ihrer Heimat häufig genöthigt, in fremden Heeren zu dienen, wußten sie sich gleichwohl das Ansehen zu geben, als thäten sie dies bloß um des Ruhms willen. Da sie nebenbei gewöhnlich viel von ihren angeblichen Besitztümern zu sprechen pflegten, so wurde allmählich Gasconnade die Bezeichnung für eine harmlose, unschädliche Aufschneiderei. Vgl. Monlezun, „Histoire de la G.» (7 Bde., Auch 1846—50).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 571Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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