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ErdkundeBrockhaus 1882

Basken, bei den Spaniern Vascongados, in ihrer eigenen Sprache Euscaldunac, ein merkwürdiger Volksstamm, welcher um den Winkel des Golfs von Biscaya zu beiden Seiten des Westflgels der Pyrenäen, in der sudwestlichsten Ecke Frankreichs und einem Teile des nördl. Spanien wohnt und den letzten Rest des einst über die ganze Pyrenäische Halbinsel und das südl. Gallien, in vorhistor. Zeit wahrscheinlich noch viel weiter nach Norden verbreiteten Volks der Iberer (s. d.) bildet. Die Aquitanier Cäsars und der röm. Kaiserzeit im südwestl. Gallien zwischen Garonne und Pyrenäen, von denen zum Teil die französischen B. abstammen, waren nur ein mit einem besondern Namen belegter Zweig der Iberer, der seinerseits in ahl-V. b kleinere Völ erschaften zerfiel. Obgleich die elbst gern die durch ihre Kämpfe mit den Römern berühmt gewordenen Cantabrer für ihre Vor-I. erklären, so sind doch nur die Caristier, Varuler und Autrigonen, welche das Gebiet der heutigen Baskischen Provinzen, und die Vasconen, wel zur Römerzeit Navarra bewohnten, als sol u betrachten. Als später die Vasconen ihre Herrschaft auch über die verwandten Stämme in Alava, Guipuzcoa und Biscaya ausdehnten, wurde ihr Name zugleich auf diese übertragen, und als noch shaft im 6. Jahrh., die Vasconen auch die Herrchaft über einen Teil von Aquitanien erlangten, machte sich deren Name in der Form Gasconier auch nördlich der Pyrenäen heimisch. Als Spanien von den Arabern unterworfen wurde, hielten sich die B. unabhängig; auch unter den Karolingern hatten sie ihre eigenen Herzöge. Nur Navarra war von den Mauren bis 806 teilweise besetzt; nach der Eroberung durch Ludwig den Frommen wurde es um Königreich unter den Familien Bigorre und seit 1494 d'Albret. Ferdinand der Katholische eroberte den südlich von den Pyrenäen gelegenen Teil (Obernavarra), und Niedernavarra kam durch Vermählung der Erbin Jeanne d'Albret mit Anton, dem Vater Heinrichs IV., an das Haus Bourbon. Die bask. Landschaften Labourd und Soule schlossen sich an Guienne an, kamen mit demselben an England und wurden erst 1453 dauernd mit Frankreich vereinigt. Die eigentlichen bask. Provinzen Guipuzcoa, Alava, Biscaya vereinigten sich schon 1202 mit Castilien durch Vertrag mit Alfons VIII., durch welchen — sich ihre Rechte (Fueros) wahrten. In neuern Zeiten haben sie sich wiederholt gegen die konstitutionelle Regierung in Madrid und für die karlistische Partei erhoben. Das französische Baskenland [Pays Basque) erstreckt sich Depart. 908 nur noch über einen Teil des franz. Depart. Niederpyrenäen und begreift etwa 6000 akm mit 145000 E., welche sich in die drei Kantone Labourd oder das Labourdan (bask. Lapurta, bei den Römern Lapurdum) mit 66000, Soule (bask. Zuberna) mit 34000 und Niedernavarra (Cize, Ostabaret und Mixe) mit 45 000 E. verteilen. Die bedeutendsten Städte sind Bayonne, das jedoch jetzt fast ganz französiert ist, und St.⸗Jean-de-Luz, welches gegenwärtig als der Hauptort des franz. Baskenlandes gelten kann. Der 0. Mittelpunkt der bask. Bevölkerung war Ustaritz (d. i. Gerichtseiche), wo die Altesten in ihrem Bilcar (d. i. Rat der Alten) unter einer (in der Französischen Revolution zerstörten) Eiche zusammentraten und über die Angelegenheiten des Volks beratschlagten. Die Industrie der französischen B. ist unbedeutend. Getreide⸗, Obst⸗ und Weinbau, letzterer jedoch nur mittelmäßig, sowie Viehzucht, Fischerei (besonders auf Sardellen und Thunfische), auch etwas Bergbau sind die Nahrungsquellen der Bewohner. Die Höhen sind mit dichten Waldungen von Eichen und Kastanien bedeckt. ö Das spanische Baskenland begreift einesteils das Königreich (Provinz) Navarra, welches auf 10478 qkm (1877) 304 184 C. zählt, die größtenteils besonders in den nördlichern und gebir-Verst Teilen B. sind, andernteils die drei sog. askischen Dila9⸗ Gut oder Vascongadas (Biscaya oder Bilbao, Guipuzcoa und Alava oder Vittoria), welche zusammen auf 7204 qkm (1877) 450352 CE. zählen. Die Gesamtsumme der B. in Spanien mag etwa 600000 betragen. Die spanischen B. haben mehr noch als die französischen ihre Nationalität bewahrt. Sie sind glühende Patrioten, stolz auf die Vorrechte ihres Landes, auf das Alter und den Ruhm ihrer Nation. Ihre Sitten sind einfach, ihr ganzes Leben hat noch einen patriarchalischen Anstrich. Alles, was die B. Aufälliges und Eigentümliches haben, stammt aus alter iber. Zeit. Es ist noch dieselbe Unerschrocken⸗ — Abhärtung und Ausdauer, dieselbe Freiheitsiebe und Tapferkeit, aber auch Leidenschaftlichkeit und Rachsucht, wie sie schon Hannibal zu schätzen wußte. Ihr Körperbau ist schön und stark, die Sitten sind einfach, die Trachten der Landbewohner mabig webreuer Ein gewisser Wohlstand ist gleichmäßig verbreitet. Von feudalem enW. hat das Land nie etwas gekannt; die zahlreichen Wohlhabendern hausen zum großen Teil noch in halbzerfallenen Burgen und viereckigen Türmen, Casas solas genannt. Die B. sind verschmitzte Schmuggler, tüchtige Soldaten, fleißige Ackerbauer, industriöse Werkleute, kühne Matrosen und Jäger. Mit den ubrigen Bewohnern der Iberischen Halbinsel teilen sie den Hang zu ausgelassener Fröhlichkeit und die leichte Erregbarkeit, doch kommt es bei ihnen fa nie zu blutigen Excessen. Sie sind fleißige und gewissenhaste Arbeiter; besonders zeichnen sich die bask. auen vor den übrigen Spanierinnen durch Häusichkeit und Thätigkeit vorteilhaft aus. Ihre alten bürgerlichen und polit. Gesetze, Rechte und Freiheiten wußten die B. Jahrhunderte hindurch gegen den königl. Absolutismus zu behaupten, und ebenso hartnäckig widersetzten sie sich später dem modernen Konstitutionalismus. Nach dem Tode Ferdinands VII. schlossen sie sich Don Carlos an, weil sie in diesem den Beschützer ihrer alten Volksfreidaen erblickten, und Navarra und die drei Basischen Aünepenss bildeten den eigentlichen Herd des karlistischen Aufstandes. eih mit dem Vertrage zu Vergara (1839) erfolgte ihre Unterwerfung unter die konstitutionelle Regierung und im Juli 1876 wurden die letzten der in den Baskischen Provinzen bisher noch geltenden Sonderrechte (s. Fueros) aufgehoben. Neuerdings waren die Baskischen Provinzen mit Navarra wiederum der Hauptherd und Vgl. W. von Humboldt, «Prüfung der Untersuchunen über die Urbewohner Hispanienso (Berl. 1821); azure, Histoire du Béarn et du Pays Basque (Pau 1839); Iztueta, Guipuzcoaco Provinciaren condaira edo historiao (San-Sebast. 1847); Michel, Le Pays Basquer (Par. 1857); Garat, «Origine des Basques de France et d'Espagney (Par. 1869); Bladé, Etudes sur l'origine des Basqueso (Toulouse 1869); Cénac Moncaut, (Mistoire des peuples Pyrénéenso (3. Aufl., 4 Bde., er 1874). Die Sprache, welche das Volk der B. spricht, wird von ihnen selbst Euscara, Eskuara oder Esquera genannt. Sie ist nach W. von Humboldts «Untersuchungen über die Urbewohner Hispaniensv, abgesehen von den Veränderungen, welche dieselbe im Laufe der Jahrhunderte erfahren, im allgemeinen die der alten iber. Bewohner Spaniens und Aquitaniens. Die Turdetaner in Bätica, die Lusitanier, die Cantabrer, Autrigonen, Varduler, Vasconen und Aquitanier sprachen nur Dialekte ein und derselben Sprache, welche ebenso wie das heutige Baskische mit den Sprachen der benachbarten kelt Völker in ihrem ganzen Organismus nicht die eringste Verwandtschaft zeigt. Es werden drei Dialette unterschieden: der labortanische, Pon Diten nische und vizcaische, in dieser Ordnung von Osten nach Westen im bask. Sprachgebiete Botsm Doch ist überall das Baskische zu einer Volksmundart herabgesunken. Die Gebildeten sprechen seit langer Zeit im Norden der Pyrenäen französisch und in den Baskischen Provinzen spanisch. Ein eigenes Schriftentum hat sich in dieser Sprache nie entwickelt. Nur aus älterer Zeit kennt man einige Bruchstücke von Volksliedern, deren angebliches hohes Alter aber zweifelhaft ist. Doch singt noch jetzt das Volk zu seinen Nationaltänzen Lieder in Euscara, welch Iztueta in den „Guipuzcoaco dantza gogoangarrien condairas (San-⸗Sebast. 1824) aufgezeichnet hat. Andere bask. Lieder sind gesammelt in Euscaldun anciüaco ta ara ledabicico étorquien (San-Sebast. 1826) und einiges in deutscher Übersetzung in Ellisens Versuch einer In der wua der europ. Poesies (Tl. 1, Lpz. 1846). n der franz. Soule finden von alters her an gewissen Festtagen dramatische Vorstellungen statt, welche ihre Stoffe, * den Mysterien, teils der Bibel oder Heiligenlegende, teils den mittelalterlichen epischen Sagenkreisen, teils wohl auch alten nationalen überlieferungen entlehnen. Eine Analyse von 34 solchen Stücken gibt Michel in Le Pays Basque, sa population, sa langue, ses mœurs, sa littérature et sa musiques (Par. 1857), der auch in Le Romancero du Pays Basques (Par. 1859) eine Anzahl volkstümlicher Erzählungen mitgeteilt hat. Was sonst in bask. Sprache gedruckt ist, besteht fast nur in Religionsbüchern, mit wenigen Ausnahmen nur übersetzungen. Originalwerke sind jedoch Iztuetas Geschichte von Guipuzcoa und Hiribarrens Geschichte der B., beide der neuern Zeit angehörig. Unter den ebenfalls erst seit dem 18. Jahrh. von patriotischen B. unternommenen, wenn auch noch unkritischen Versuchen, die Sprache grammatisch zu konstruieren und etymologisch-lexikalisch zu verzeichnen, sind zu nennen: die Grammatik des Jesuiten Larramendi El imposible vencidor (Salamanca 1729); dessen Dicionario trilingue castellano, bascuence y latino (2 Bde., San-Sebast. 1745; neue Aufl. 1853); Astarloa, Apologia de la lengua bascongadas (Madr. 1803); Erroey Aspiroz, Alfabeto de la lengua primitiva de Espana (Madr. 1806) und dessen „El mondo primitivor (Madr. 1815). Vgl. Leeluse, «Erammaire basquer (Toulouse 1826); Abbadie und Chaho, Utudes grammaticales de la langue euskariennes (Par. 1836); Adelung im 2. Bande (Berl. 1809) und W. von Humboldt im 4. Bande (Berl. 1817) des Mithridatesv. In neuerer Zeit haben sich namentlich Chaho, der auch ein großes HDictionnaire basquen (Lief. 1 u. 2, Bayonne 1856) begonnen, Prinz Louis Lucian Bonaparte (La langue basque et langues finnoisesv, Lond. 1862) und in Deutschland Mahn (Bask. Sprachdenkmälerv, Berl. 1857) um das Baskische verdient gemacht. Zu nennen ist noch aus neuester Zeit: J. Vinson, Documents pour servir à L'étude historique de la langue Basquer (Bayonne 1874); van Eys, Essai de grammaire de la langue basque (Amsterd. 1867); derselbe, Dictionnaire basquefrançaiso (Par. 1873); derselbe, éGrammaireè comparée des dialectes Basquesv (Par. 1879); Ribary, „Essai sur la langue Basquen (aus dem Ungarischen, Par. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 538Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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