Gasträatheorie, eine von Häckel aufgestellte Darwinistische Theorie. Nach den wesentlich durch Cuvier begründeten Anschauungen sind die in dem Tierreiche vorkommenden Grundformen oder «Typeno (Wirbeltiere, Arthropoden, Echinodermen 42, deren einzelne Gattungen unter sich sämtlich in inniger Verwandtschaft stehen, durch kein Vermittelungsglied miteinander verbunden, sodaß die Descendenzlehre bis dahin verschiedene Grundformen annahm, aus welchen die Träger jener Typen sich entwickelt hätten (polyphyletischer Stammbaum). Nach den Lehren Häckels liegt allen diesen Typen eine und dieselbe Grundform: «Gastraea zu Grunde (monophyletischer Stammbaum). Häckel nimmt somit an, daß alle Tiere (mit Ausnahme der Protozoen) aus dieser gemeinsamen Urform, die denselben Bau besessen, wie jene bei Tieren verschiedenster Klassen beobachtete, auf die Morulaform folgende Gastrula (s. d.), hervorgegangen seien. Bei der von Häckel angenommenen Gasträa, deren Gesamtkörper zeitlebens nur aus den primären Keimblättern bestand, vertrat das äußere Hautblatt (Ectoderm) sämtliche animalen, das innere Blatt (Entoderm) sämtliche negativen Organe und Funktionen. Der Nachweis der G. würde identisch sein mit dem Nachweise der Descendenzlehre. Die Gegner der G. bestreiten, daß wirklich bei allen Tiertypen der Körper sich aus analogen Keimblättern entwickele. Daß bei dem niedersten Typus (Protozoen) Keimblätter überhaupt nicht vorkommen, hebt Häckel hervor und unterscheidet: Protozden, d. i. Urliere ohne Dotterfurchung, ohne Keimblätter u. s. f., und Darmtiere, d. i. alle übrigen Tiere: Abkömmlinge der Gasträa.