FeedGebirgsknoten
ErdkundeBrockhaus 1882

Gebirgsknoten, s. unter Gebirge. Gebirgskrieg. Hoch- und Mittelgebirge behindern die Operationen größerer Heeresabteilungen und müssen deshalb in möglichst kurzer Zeit, der Kamm womöglich in einem Tage, durchzogen werden. Hochgebirge von über 2000 meragen in die Eisregion hinauf und sind schon wegen ihrer klimatischen und Witterungsverhältnisse den Truppenbewegungen sehr hinderlich, bilden deshalb starke strategische Barrièren. Schroff abfallende, oft felsige Bergspitzen, zwischen denen zerklüftete, scharf eingeschnittene Schluchten liegen, beschränken die Gangbarkeit auf wenige wegsame Thäler und die über die Kämme führenden Straßen. Diese Straßen sind dort, wo sie Pässe überschreiten, in der Regel leicht zu sperren und mit geringen Streitkräften nachhaltig zu verteidigen. Reißende Gewässer, über welche selten Brücken führen, durchströmen die Hochthäler und steigern in Verbindung mit Seen und Wasserfällen die Ungangbarkeit des Geländes, in welchem marschierende Truppen lediglich auf die Straßenzüge beschränkt sind und sich nicht seitlich zu entwickeln vermögen. Unterhalb der Schneeregion werden diese Bewegungshindernisse noch durch die felsige Bodenbeschaffenheit, dichtes Gestrüpp und Knieholz vermehrt. Die wenigen bewohnten Ortschaften und der spärliche Anbau der Hochthäler erschweren zudem die Unterbringung und Verpflegung der Truppen, deren Feldartillerie und Fahrzeuge nur auf den wenigen Kunststraßen folgen können. Nur für den Volkskrieg bieten die Hochgebirge wesentliche Vorteile, und haben mehrfach verhältnismäßig schwache Aufgebote von Bergvölkern (3. B. in Tirol, Spanien, im Kaukasus, in Afghanistan) Jahre Bewaffn zum Widerstande gegen ihnen an —10 ewaffnung und militärischer Ausbildung weit überlegene Heere befähigt. Für die großen Operationen kommen die Hochgebirge dagegen nur als Durchzugsland in Betracht, dessen Überschreitung mit großen Heeren schwierig und ruhmvoll ist (überschreitung der Alpen durch die Heere Hannibals, Suworows und Napoleons I.). Mittelgebirge von 1—2000 m bilden zwar ein geringeres Operationshindernis als die Hochflimalif sind jedoch Wetterscheiden und durch ihre limatischen Verhältnisse zum Biwakieren wenig geeignet; ihre Gangbarkeit ist in den höhern Teilen durch Felshänge, Schluchten, Knieholz und schwer passierbare Wasserläufe ebenfalls beschränkt, doch führen verhältnismäßig mehr auch für schweres Fuhrwerk brauchbare Straßen über die Kämme. Auch Seitenstraßen, welche benachbarte Thäler verbinden, finden sich vor und bieten Gelegenheit, die Pässe von verschiedenen Seiten her, also in breiterer Front anzugreifen. Für die Operationen großer Heere kommen auch die Mittelgebirge vorzugsweise als Durchzugsland in Betracht, welches die Marschkolonnen möglichst rasch zu durchziehen haben, da ihre Unterbringung und Verpflegung schwierig ist. Die Hauptkämpfe pflegen hierbei nicht in den Pässen, sondern beim Eintritt und Austritt aus dem Gebirge stattzufinden. Die Verteidigung wird bestrebt sein, die aus den Engwegen des Gebirges herkommenden Marschkolonnen einzeln zu schlagen, und dieselben noch innerhalb des Gebirges, bevor sie Raum zum Aufmarsch gewonnen haben, angreifen. Für den Volkskrieg bieten auch die Mittelgebirge manche Vorteile, welche allerdings in neuerer Zeit infolge der vermehrten Straßenzüge nicht mehr von der Bedeutung wie früherhin (Spanien 1807—14, sowie in den Karlistenkriegen, Elsässer im Wasgau 1814) sind. Die preuß. Heere überschritten 1866 die Sudeten ohne Schwierigkeit und wurden erst angegriffen, als sie Raum zur Entwickelung gefunden hatten. Im J.1870 durchzog das vom Kronprinzen von Preußen geführte deutsche Heer in drei Tagemärschen die Vogesen, ohne auf Widerstand zu stoßen, ebenso unter außerordentlich schwierigen Verhältnissen im Winter 1871 die deutsche Südarmee unter General von Manteuffel das Juragebirge; dagegen hatte das nach der Eroberung der Festung Straßburg errichtete Korps des Genera der beim Durchziehen des südl. Teils wiederholt ernstere Kämpfe gegen garden und Francs-Tireurs zu bestehe 1878, sowie 1882 wurde den österr.⸗ung die Niederwerfung der Aufständischen und der Herzegowina durch die rauhe jener allerdings noch wenig von brauch ßen durchzogenen Länder außerordentli In den Heeren einiger europ. Mä besondere Vorkehrungen für den G. welche durch die Art ihres Ersatzes, rüstung und Ausbildung für den G. k eignet sind, besitzen Italien in den Alper ( d.) und Ssterreich-Ungarn im tit Jägerregiment (s. d.), sowie den Landet Tirol und Vorarlberg, ferner Rußland i Linienbataillonen und kaukas. Fußdruse dem sind im Deutschen Reiche, sowie Osterreich-Ungarn, der Schweiz und penteile der Infanterie und Jäger vor Ersatz fast durchweg aus Gebirgsbew und deshalb für die Verwendung im beanlagt ist. In Ssterreich-Ungar Schweiz werden auch besondere Au- und Fuhrwesensabteilungen (Gebir Tragtierabteilungen) für im G. ver pen bereit gehalten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 616Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6