Ged (William), Erfinder der Stereotypie (s. d.) war Goldschmied in Edinburgh und begann 1725 seine Versuche, Schriftsatz in Gips abzuformen, um aus dieser Form Platten zu gießen. Im J. 1729 verband er sich mit dem Schriftgießer Fenner und dem Architekten James in London, und die Gesellschaft erhielt von der Universität zu Cambridge ein Patent für den Druck von Bibeln und Gebetbüchern. Die Arbeiter, welche fürchteten, daß die Stereotypie ihnen einen großen Teil der Arbeit entziehen würde, da bei den gangbarsten Büchern der periodische Reusatz entfiel, suchten das Unternehmen dadurch zu diskreditieren, daß sie beim Korrigieren möglichst adurch wur in den Satz machten, und erreichten dadurch wirklich, daß die Bücher von der Obrigkeit unterdrückt und die Platten der königl. Druckerei zum Einschmelzen überliefert wurden. Nach diesem Mißerfolge kehrte G. nach Edinburgh urück. Seine Freunde bemühten sich, eine Probe seiner Kunst zu veröffentlichen, und es gelang auf dem Wege der Jumes 0 ion die nötigen Summen u beschaffen. James G., sein Sohn, welcher die uchdruckerei erlernt hatte, setzte mit Einwilligung seines Meisters in der Nacht, wenn die übrigen Setzer nach Hause gegangen waren, die Seiten, welche sein Vater dann stereotypierte, und auf diese Weise erschien 1736 der &Sallust »5. Außerdem erschien noch 1742 The life of God in the soul of Mano, welches die Unterschrift trägt: Neweastle, printed and sold by John White, from plates made by William G., Goldsmith in Edinburgh, 17429. G. starb 19. Okt. 1749. „Gedächtnis (memoria) bezeichnet im gewöhnlichen Sprachgebrauche, dem auch die ältere Psychologie mit ihrer Lehre von den Seelenvermögen folgte, die Erinnerungskraft, vermöge deren Vorstellungen, welche aus dem Bewußtsein verschwunden waren, in dasselbe zurückkehren können: nach dem 9 Baeicht Ausdruck der neuern Psychologie ist G. die Bezeichnung für die allgemeine Thatsache, daß jede einmal im Bewußtsein vorhanden gewesene Vorstellung unter geeigneten Bedingungen in demselben wieder zu erscheinen vermag. Den Prozeß des Wiedererscheinens Kach de man als Reproduktion. Diese ist je nach der Art der mittelbar, e zunächst entweder unmittelbar oder mittelbar. Von unmittelbarer Reproduktion spricht man da, wo eine Vorstellung oder Vorstellungsmasse, ohne von andern Kraft, sobalß zu sein, nur vermöge ihrer eigenen Kraft, sobald sie relativ freien Raum im Bewußtsein findet, sich in demselben geltend macht, wie sich z. B. die Crinnerung an ein ergreifendes Ereignis oder der Gedanke an eine quälende Sorge immer wieder, auch durch Gan unverwandte Vorstellungen hindurch, in das ewußtsein drängt. Die mittelbare Reproduktion besteht in dem Vorgange, daß eine Vorstellung durch eine andere, mit der sie auf irgend eine Weise verschmolzen ist, in das Bewußtsein zurückgerufen wird: von dieser mittelbaren Reproduktion, welche im engern Sinne G. heißt, gibt es deshalb ebenso viele Arten, als es Arten der Vorstellungsverschmelzung oder Ideenassociation gibt. Was zuerst die Verschmelzung durch Gleichzeitigkeit oder unmittelbare Succession anbetrifft, so wird dabei für das G. besonders die Thatsache wichtig, daß sich dieselbe durch Wiederholung steigert: daher Vorstellungen sich um so leichter gegenseitig reproduzieren, je öfter sie gleichzeitig oder in unmittelbarer Succession aufgetreten sind. Doch wird andererseits die Association durch Gleichzeitigkeit auch dadurch verstärkt, daß diese Gleichzeitigkeit ein lebhaftes Interesse gewinnt und dieses somit als Vermittelungsglied der Association auftritt. So kommen uns bei der Erinnerung an ein wichtiges Ereignis auch die unbedeutendsten Nebenumstände, mit denen dasselbe verknüpft war, leichter wieder als sonst. Die Association durch Gedankenbeziehunben ist bei jedem Menschen ebenso reich, wie seine egriffliche Verknüpfungsthätigkeit ausgebildet ist: in dieser Rücksicht erscheint aber bei dem entwickelten Menschen jede Vorstellung in einer Fülle von Beziehungen und Associationen, und welche derselben in jedem besondern Falle für das G. maßgebend ist, brwer teils von der allgemeinen Richtung der Denkewegung in dem betreffenden Moment, teils besonders auch von dem Grade der Verschmelzung ab. (S. Ideenassociation.) Alle diese Arten der mittelbaren Reproduktion treten nun aber wieder in zwei Grundformen auf, welche man als unwillkürliche und als willkürliche Erinnerung zu bezeichnen pflegt, und welche durch den Mangel, resp. durch das Vorhandensein einer bewußten Absicht der Reproduktion charakterisiert werden. Dabei ist jedoch zu bemerken, daß auch die willkürliche Erinnerung wieder mit denjenigen Associationen operieren kann, welche unter andern „Umständen auch unwillkürlich einzutreten vermöchten. Alle Erziehung des G. läuft daher nur darauf „hinaus, diejenigen Associationen, auf welche es wesentlich ankommt, zu befestigen und ihren Eintritt ins Bewußtsein zu erleichtern. Als allgemeines Mittel wird deshalb in der Erziehung die Anknüpfung der Vorstellungen an Wwpeildt sei es der Lust oder der Unlust, verwendet, weil diese sich mit besonderer Intensität in unmittelbarer Erinnerung )erhalten: die auf Aunndete Assocl resp. unmittelbare Succession gegründete Association sucht man „durch Wiederholung zu befestigen im Auswendig⸗ „lernend oder Memorieren. Am sichersten und leichtesten wird die Association durch klar gedachte Be1ziehungsbegriffe: daher erhält sich im allgemeinen alles um so sicherer im G., je schärfer es aufgefaßt und je klarer es begriffen worden ist. Die beste Ausbildung für das G. liegt deshalb nicht im äußerlichen, mechan. Memorieren, sondern in der Erweckung einer lebhaft interessierten Aufmerksamkeit und einer eindringenden, ordnenden Auffassung der Dinge. Am stärksten entwickelt sich das G. jedes Menschen nach der Seite seines Interesses, wie es entweder in seinem Berufe oder in seiner persönlichen Neigung begründet ist: so spricht man von Orts⸗, Namen⸗, Zahlengedächtnis u. s. f. Was weder dem persönlichen Interesse wichtig ist, noch in Beziehungsverhältnissen zu anderm Vorstellungsinhaltsteht, verschwindet am leichtesten aus dem G.: daher sucht man sich Dinge, die einander reproduzieren sollen und doch keine innere Beziehung haben nn historische Ereignisse und Jahreszahlen, dur nstliche Beziehungen zu verknüpfen und so besser zu abehaltenv: diese fruher mehr als jetzt geachtete Kunst heißt Mnemonik (s. d.) oder Mnemotechnik.