FeedFranklin (Benjamin)
GeschichteBrockhaus 1882

Franklin (Benjamin), berühmter nordamerik. Staatsmann, geb. zu Boston 17. Jan. 1706 von unbemittelten Eltern, das 16. und jüngste Kind seines Vaters aus dessen zweiter Ehe, mußte von früher Jugend dem Vater, welcher Seifensieder war, im Geschäft an die Hand gehen. Zwölf Jahre alt, erlernte er bei seinem Halbbruder James F. die Buchdruckerkunst. Fortwährend widmete er dabei seine Freistunden, oft selbst einen Teil der Nacht, dem Lesen nützlicher Bücher. Schon früh versuchte er sich als Schriftsteller, und als um 1720 sein Bruder eine Kende Aursane schrieb er für dieselbe unterhaltende Aufsätze. Mißhelligkeiten jedoch, in die er mit seinem Bruder geriet, bewogen ihn, Boston ohne Erlaubnis seiner Familie zu verlassen. In Philadelphia von dem Gouverneur der Provinz, Will. Keith, aufgemuntert, eine eigene Druckerei anzulegen, ging er 1724 zum Ankauf des Nötigen nach England, nachdem er sich vorher mit Deborah Read, der Tochter seines Wirts, verlobt hatte. In seinen Erwartungen durch Keith getäuscht, arbeitete er zu London in mehrern Druckereien und ergab sich einem ziemlich unregelmäßigen Leben. Auf der Ruckreise nach Philadelphia 1726 machte er die Bekanntschaft eines Kaufmanns Denham und wurde dessen Buchhalter. Als dieser aber bald darauf starb, mußte F. aufs neue zur Buchdruckerei seine Zuflucht nehmen. Bald errichtete er jedoch, unterstützt von einigen Freunden, eine eigene Druckerei. Er trat zugleich als polit. Schriftsteller auf und fand den ungeteiltesten Beifall. Sein Geschäft, das er durch einen Papierhandel erweitert hatte sehr glücklichen Fortgang, und immer höher stieg er in der Achtung seiner Mithürger. Man erkannte in seiner Zeitung, die er herausgab, und in seinem Almanach seltene Einsicht und trug ihm 1743 auf, den Plan der Philosophischen Gesellschaft in Amerika genauer zu entwerfen. In dieser Zeit fing er auch an, sich mit der Physik, namentlich mit der Elektricität zu beschäftigen, und der glücklichste Erfolg krönte seine Bemühungen. Durch die Universität zu Oxford wurde er 1762 zum Doktor der Rechte ernannt. Als sich die amerik. Patrioten und die Anhänger des engl. Ministeriums in zwei entgegengeseßzte Parteien schieden, bemühten sich beide, inluß Mann zu gewinnen, dessen Verstand und Einfluß ihnen den größten Vorteil versprachen. F. wurde nach seiner Rückkehr von einer Reise nach London aber dieser mit ansehnlichen Einkünften verbundene Posten Datert ihn 19 zum Nachteil der Sache eines Vaterlandes. Als bei den zunehmenden in London alle Agenten der Provinzen vor seine Schranken lud, um die Beschwerden zu untersuchen, erschien 1767 auch F. für Pennsylvanien und sprach mit Freimütigkeit für die Sache der Kolonien. Seines Postens enthoben und in Gefahr, verhaftet zu werden, kehrte er 1775 nach Philadelhia zurück, wo zu jener Zeit der Kongreß verammelt war. Von jetzt an wirkte er in mit zu der Erklärung und Behauptung der Unabhängigkeit und ging 1776 als Gesandter nach Paris, wo er anfangs 5die ne unterhandelte. Als Ludwig XVI. 1778 die Unabhängigkeit der 13 Vereinigten Staaten von Amerika anerkannt hatte, erschien F. als bevollmächtigter Minister seines Vaterlandes am Hofe von Versailles und wurde der Gegenstand allgemeiner Verehrung. Am 20. Jan. 1782 unterzeichnete er mit den engl. Kommissarien zu Paris die Präliminarien des Friedens, der seinem Vaterlande die Unabhängigkeit zusicherte, und kehrte hierauf nach Philadelphia zurück, wo alles wetteiferte, ihm Beweise der Achtung und Dankbarkeit zu geben. Er bekleidete noch in einem Alter von 78 J. die Stelle eines Präsidenten des Kongresses von Pennsylvanien und starb, bis an seinen Tod für das Wohl seiner Mitbürger durch heilsame Einrichtungen ununterbrochen thätig, 17. April 1790. Ihm verdankt die Physik die Erfindung des Blitzableiters und des elekrischen Drachens, auch hat er eine Erklärung der Natur des Nordlichts versucht. Mit ruhiger Klarheit durchschaute sein scharfsinniger Geist die Verhältnisse des Lebens im großen wie im kleinen, und sein edles Herz umfaßte das Wohl der ganzen Menschheit. Unübertrefflich war er in der Kunst, die Lehren der Moral zu entwickeln und sie auf die Pflichten der Freundschaft und der Gluchderd auf die Benutzung der Zeit, auf das lück der Wohlthätigkeit, auf die notwendige Verbindung des eigenen Wohls mit dem allgemeinen, auf die Früchte der Arbeitsamkeit und den Genuß anzuwenden, den die geselligen Tugenden uns verchaffen. In dieser Beziehung sind hervorzuheben eine »Sprichwörter des alten Heinrich, oder die eisheit des guten Richardo (Philad. 1757), die durch Einkleidung und Inhalt das Muster einer Volksschrift sind. D'Alembert bewillkommnete den Erfinder des Blitzableiters und den Befreier seines BVaterlandes bei seiner Aufnahme in die Französische Akademie mit dem Hexameter: Eripuit coelo tulmen sceptrumque tyranniso (Er entriß dem Mirahe den Blitz, den Tyrannen das Scepter). Auf irabeaus Antrag legte bei seinem Tode die Nationalversammlung in Rubnin Trauer auf drei Tage an. Für seinen Grabstein bestimmte F. selbst Hater Inschrift: »Hier liegt der Leib Benjamin 8, eines Buchdruckers (gleich dem Deckel eines alten uchs, aus welchem der Inhalt Dumng Berennnn und der seiner Inschrift und Vergoldung beraubt ist), eine Speise für die Würmer; doch wird das Werk selbst rsche verloren sein, sondern (wie er glaubt) einst erscheinen in einer neuen schönern Ausgabe, durchgesehen und verbessert von dem Verfasser. Sein einziger (unehelicher) Sohn, William F., geb. in Philadelphia 1729, gest. in England 1813, Conversations-Lexiken. 13. Aufl. VII. hielt 50 Schmerze des Vaters an England fest und blieb als Gouverneur von Neujersey in dessen Diensten. Ausgaben der Werke F.s 946 William Temple F., einer seiner Enkel (3 Bde., Lond. 1806 u. 1811), und vollständiger Sparks 10 Bde., Bost. 1840; neue Aufl. 1858) be orgt. Unter den Lebensbeschreibungen sind außer seiner Autobiographie (deutsch, Stuttg. 1875, mit Vorwort von Berthold Auerbach und Einleitung von riedr. Kapp) die von W. Temple F. (2 Bde., ond. 1818—19), Sparks (Bost. 1856), Parton (2 Bde., Neuyork 1864) und Bigelow, The Life of P., written by himself (3 Bbe. Philad. 1874) hervorzuheben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 80Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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