Gefäll im absoluten Sinne ist die 3amd um welche irgend ein Punkt tiefer liegt als ein anderer Relativ mißt man das G. durch den Quotienten aus dem Höhenunterschied durch die Länge, auf welche derselbe in Betracht kommt. Dieser Quotient wird in Form eines gemeinen oder eines Decimalbruchs in Prozenten oder in Promille angegeben. Wenn z. B. eine Straße auf 25 m Län um Im fällt, so sagt man die Straße besitze oder 0,1 oder 4 Proz. oder 40 Promille G. Insbesondere wendet man die Bezeichnung G. auf Gewässer an und bezeichnet damit die Abweichung der Wasserfläche von der Horizontalen. Das relative G. der Wasseroberfläche unserer Flüsse nimmt meist von der Quelle gegen die Mündung hin ab und ist von dem Stande der Ans chwellungen etwas abhängig. So beträgt z. B. das G. der Elbe in Böhmen 1:2670, in Sachsen 1:3760, im Mündungsbezirke 1:5630. Das G. der Flußsohle und das der Oberfläche sind nicht identisch. Das G. ist Ursache der Wasserbewegung; Wasser, das kein G. hat, ist ein stehendes und seine Oberfläche horizontal. Je größer unter sonst gleichen Umständen das G. ist, desto schneller bewegt sich das Wasser, es wird reißend, wenn das G. mehr als 1:60 beträgt. Durch die Schlangenlinien, welche ein Strom macht, wird sein relatives G. und damit seine Schnelligkeit vermindert; daher kann man durch Flußregulierungen, wo diese Schlangenlinien coupiert werden, das eigentliche G. konzentrieren, wie dies bei Schiffbarmachung von Strömen geschieht. Ebenso kann man durch Einbau eines Wehrs in einen Fluß das G. oberhalb des Wehrs vermindern und dasselbe an einer passenden Stelle ansammeln, wo es zum Betriebe von Mühlen und andern Werken nutzbar gemacht werden kann. Bei Strom⸗ und Mühlenbauten kommt es stets darauf an, das G. genau kennen zu lernen, indem man dasselbe mißt. Dies geschieht durch Nivellieren (s. d.) entweder am Ufer des Stroms Rn oder noch besser auf dem Wasserspiegel an einer teihe von Pfählen hin, die in das Flußbett eingeschlagen werden. Wenn von Natur oder durch künstliche Anlagen ein Wasserlauf nicht allmählich, sondern plötzlich von einem Punkte auf einen beträchtlich niedriger liegenden Punkt übergeht, so wird die Größe des G. durch den vertikalen Höhenunterschied des obern und des untern Wasserspiegels (Ober⸗ und Unterwasser) ausgedrückt. In diesem Sinne spricht man von dem G. einer Schiffahrtskammerschleuse, eines Wehrs u. s. w. Dergleichen G. sind eine notwendige Bedingung für die Anlage der meisten Arten von Wasserrädern. Flüsse von geringem G. lagern Sand und Schlamm ab und verflachen sich allmählich.