FeedGeschwindigkeitsmessung
TechnikBrockhaus 1882

Geschwindigkeitsmessung bedeutet die experimentelle Ermittelung der Geschwindigkeit (s. d.) und bezieht sich gewöhnlich auf die gleichförmige oder auf die als solche angenommene mittlere Geschwindigkeit. Man findet sowohl die gleichförmige wie mittlere Geschwindigkeit, indem man eine vom bewegten Körper zurückgelegte Strecke durch die Anzahl der dazu verbrauchten Sekunden dividiert, mithin beruht jede derartige G. auf der Bestimmung eines gewissen Wegs und der dazu gehörigen Zeit. . solcher Weise wurde die Geschwindigkeit vieler Bewegungen und auch jene des Schalls, des Lichtes, der Elektricität u. s. w. aus den beobachteten Daten (Weg und Zeit) berechnet. Da beim Licht und bei der Elektricität die Geschwindigkeit außerordentlich groß ist, so ist schon der einer Sekunde entsprechende Weg so bedeutend, daß er experimentell nicht hergestellt werden kann. Hier wurde die G. nur dadurch möglich, daß zu einer gegebenen mäßigen Strecke durch äußerst schnell rotierende Körper der zugehörige sehr kleine Zeitteil meßbar gemacht wurde (Methode von Wheatstone, Foucault und Fizeau). Die G. an der Oberfläche der Flüsse und Kanäle erfolgt, indem man einen Schwimmer (ein Holzstück, eine wasserdicht verschlossene Flascheu, dgl. m.) die Geschwindigkeit des Wassers in der Mitte des Bettes annehmen läßt und dann an einer Uhr die Selundenzahl beobachtet, die der Schwimmer braucht, um einen größern gemessenen Weg zurückzulegen. Der Quotient aus diesem Weg durch dieentsprechende in Sekunden ausgedrückte Zeit gibt dann die Geschwindigkeit in der Mitte jener Wasseroberfläche, und zwar in der Maßbenennung des Wegs. Die G. bei rotierenden Körpern erfolgt zunächst mittels Zählung der Umläufe in einer Minute, woraus dann die lineare Geschwindigkeit am Umfange berechnet wird. Bei schnellen Rotationen ist die Drehachse mit einer Schraube ohne Ende versehen, die ein Räder⸗ und Zählwerk (Tourenzähler) in Bewegung setzt, woraus dann wieder wie vorhin die Umfangsgeschwindigkeit sich ermitteln läßt. Unter den zur G. dienenden Apparaten und Vorrichtungen (Geschwindigkeitsmesser, auch Tacho- oder Tachyméter genannt) ist vorzugsweise der hervorzuheben, welcher besonders auf Eisenbahnen angewendet wird. Derselbe besteht aus einem Papierstreifen, welcher von einer Vorratstrommel auf eine andere, durch die Radbeweung des Beobachtungswagens mitgenommene Trommel gezogen wird, wobei durch einen elektrischen, mittels einer Uhr regulierten Hammerapparat Zeitmarken in den Papierstreifen geschlagen werden. Die größere oder geringere Entfernung dieser isochronen Marken it dann der Geschwindigkeit direkt proportional. Zur G. sehr kleiner Zeiträume, in welchen eine mit dem Auge nicht festzuhaltende Erscheinung vor sich geht, wie 3. B. bei abgeschossenen Geschütz- oder Gewehrkugeln, dient das Chronoskop (s. d.). Zur G. können auch die Hodom'ter oder Wegmesser (s. d.) benutzt werden. Die oben beschriebenen Apparate zur G. bei fließenden Gewässern werden Rheom'ter oder Strommesser genannt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 897Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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