FeedGeflügelzucht
TierreichBrockhaus 1882

Geflügelzucht befaßt sich mit der Zucht und Aufzucht derjenigen Vögel, welche der Mensch an sein Haus gefesselt und dienstbar gemacht, hat, und die man in dieser Form als Geflügel bezeichnet. Als Gegenstände dieser Zucht kommen insbesondere in Betracht: Huhn, Gans, Ente, Trutduhn Taube. (S. die betreffenden Artikel und die Tafel: Geflügel, welche die Hrenddin . us. Rassen dieser Arten darstellt.) Wä rend die G. insbesondere in Frankreich, auch in Italien seit langer Zeit, namentlich von den kleinen Landwirten und Häuslern schwunghaft und eifrigst betrieben wurde, hat man sie, wie überhaupt die Tierzucht, in andern Staaten Europas, insbesondere auch in Deutschland, weniger beachtet. Mit dem Erscheinen des Cochinhuhns in Europa, das durch seine eigenartigen Formen und seine ungewöhnliche Größe Staunen erregte, entstand auf dem Gebiete der G. eine große Bewegung. In England sprach man von einer Poultry-Mania, einem Hen-fever (Hühnerfieber) etc., einer Erscheinung, ähnlich der Tulpomanie im 17. Jahrh. Jeder wollte in den Besitz der fabelhaften Tiere gelangen, und ungeheuere Summen wurden dafür aufgewendet. Die Raserei wich bald einer ruhigern Begeisterung und vernünftigen Bestrebungen. Es begann die Bildung von Geflügelzuchtvereinen, die bis dahin kaum vorhanden waren. Den ersten derartigen Verein in Deutschland gründete der Altmeister in der Geflügelzucht Rob. Ottel in Görlitz 1852 unter dem Namen Hühnerologischer Verein. Seitdem sind eine große Zahl solcher Vereine entstanden und fortwährend mehrt sich dieselbe. Diese Vereine haben sich wieder nach den Provinzen und Staaten zu Verbänden und Centralvereinen zusammengethan. Außerdem haben sich Klubs von Spezialzüchtern gebildet, der Langshan-, Laflecheklub u. s. w. Zu nennen sind dann noch der Klub Deutscher und Ssterreichisch-Ungarischer Geflügelzüchter und der Deutsche Geflügelzüchter— Sportklub. Ferner existieren eine Anzahl Tauben- und Brieftaubenzuchtvereine. In dem Vereinswesen sind zwei Richtungen erkennbar, die Liebhaberei-(Fancy-) und die Nutzgeflügelzucht. Die erstere hat die Vereine geschaffen, es waren zunächst Leute, die sich vereinigten, welche Freude an der Zucht schöner Tiere fanden und sich an der Vielgestaltigkeit edler bisher nicht gesehener Rassen ergötzten. Diese ästhetische Seite wird an ihrem Teil noch in den Vereinen kultiviert, außerdem aber daselbst die Nutzgeflügelzucht eifrigst gefördert. Der große Dänische Verein in Aarhuus will nach seiner Firma die G. und den Eierhandel fördern, ein kopenhagener Verein will allen Sport ausschließen. Jedenfalls wird in den Vereinen die Aufgabe, die wirtschaftliche Seite der G. zu fördern, mehr und mehr nach ihrer vollen Bedeutung erkannt und zu erfüllen getrachtet. In neuester Zeit haben einzelne Vereine den Tierschutz ausdrücklich in ihr Programm aufgenommen, alle aber den Vo gelschutz. In der Landwirtschaft gab es eine Zeit, wo das Federvieh als notwendiges übel betrachtet wurde. „Willst du verderben und weißt nicht wie, so halte recht viel Federviehly so lautet ein alter Bauernspruch. In diesen Kreisen wird jetzt anders über die Sache gedacht, Fleisch, Eier und Federn, die Erzeugnisse aus der G., sind in der That auch so wertvolle Artikel, daß sich im Ernst kaum mit Geringschätzung von diesem Zweige der Tierzucht sprechen läßt. Es haben denn auch in letzterer Zeit die landwirtschaftlichen Vereine ihr Interesse an der Sache durch Herrichtung einer Geflügelabteilung auf ihren Tierschauen öfter bekundet. Der Landwirtschaftliche Verein in Quarnbek (Schleswig-Holstein) war der erste, der eine wirkliche alleinige Geflügelausstellung veranstaltete; dieselbe wurde im Sept. 1883 mit Erfolg abgehalten. Nach den Aufzeichnungen des Statistischen Amts in Berlin (Heft 1882) sind in den freien Verkehr des Deutschen Zollgebiets in 1881 gegen 200 Mill. Eier mehr eingeführt als aus demselben ausgeführt; die Landwirte werden zu erwägen haben, ob es vorteilhaft ist, diese Anzahl von Eiern mehr zu produzieren und der Ausfuhr andere Millionen hinzuzufügen. In Dänemark sind im Finanzjahr 1865— 66 nur 32847 Stieg Eier mehr ausgeführt als eingeführt, im Kalenderjahr 1882 dagegen 1775529 Stieg, mithin gegen 54 mal soviel. Litteratur. a) Bücher: Lewis Wright, «The Illustrated Book of Poultryo (Lond. 1873); derselbe, The Practical Poultry-Keepero (Lond. 1883); G. St. Bricka, Illustreret Haandbog i Fjerkrœavlo (Aalborg 1883); Baldamus, «Illustriertes Handbuch der Federviehzuchty (2 Bde., Dresd. 1876 —78; 2. Aufl., 1. Bd., 1881); Sttel, «Der Hühner- oder Geflügelhof' (6. Aufl., Weim. 1879); Pribyl, „Die G.v (Berl. 1877); Huperz, Die Geflügel⸗ und Kaninchenzuchto (Bonn 1881); Prütz, «Die Arten der Haustaube » (3. Aufl., Lpz. 1878); Dietz und Prütz, Die Tümmler⸗ und Purzlertauben» (Stett. 1883); derselbe, Illustriertes Taubenbuchs (Hamb. 1884); Römer, «Die Zucht und Pflege des landwirtschaftlichen Nutzgeflügelso (Stuttg. 1880); Völschau, Die Hühnerzuchto (2. Aufl., Hamb. 1881); Zürn, «Die Krankheiten des Hausgeflügelso (Weim. 1882); Treskow, «Krankheiten des Hausgeflügelso (Kaiserslaut. 1882). b) Zeitschriften: Illustrierte Geflügel-Zeitungo (Redacteur Engelhard; 1. bis 3. Jahrg., Nürnb. 1880—82), «Schleswig-Holstein. Blätter für G.y (Redacteur Heinr. Kähler in Kiel; 1. bis 5. Jahrg., Dresd. 1878—83), «Allgemeine Geflügel-Zeitungo (früher: «Osterr.⸗Ungar. Blätter für Geflügel- und Kaninchenzuchtv, Herausgeber Rud. Engelhard; 1. bis 6. Jahrg., Wien 1878 -83), „Süddeutsche Blätter für G.» (Redacteur F. von Ginkel; 1. bis 8. Jahrg., Münch. 1876 -83), 4Zeitschrift für Geflügel- und Singvögelzucht » (Redacteur Louis Meyer; 1. bis 13. Jahrg., Hannov. 1871 —83), «Der praktische Geflügelzüchtern (Redacteure Ehlers und Rode; Hannov. u. Hameln 1881—83), „Pfälz. Geflügel-Zeitunge (Herausg. Kayser; 1. bis 7. Jahrg., Kaiserslaut. 1877—83), Die gefiederte Welt (Redacteur Ruß; 1. bis 12. Jahrg., Berl. 1872—83), «Tidsskrift for Fjerkrcavl af G. St. Bricka (1. bis 5. Jahrg., Aarhuus 1879—83), «Hönsegaarden » (1. bis 3. Jahrg., Kopenhagen 1881—83), The Poultry-Worldo (I. bis 12. Bd., Hartford, Conn., 1872—83), American Poultry-Journal (1. bis 12. Bd., Chicago 1872—83).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 645Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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