Haustiere nennt man die dem Menschen nützlichen und wirtschaftlich verwendbaren Tiere, welche sich, dem Leben in der Wildnis und Freiheit entzogen, unter künstlichen Verhältnissen (im Zustand der Domestikation) sich vermehren oder doch regelmäßig fortpflanzen, auch einer zielbewußten Züchtung durch den Menschen unterworfen werden können. Der Nutzen, den ein Tier durch Erzeugung von verwendbarer Kraft, von Nahrungs- und Bekleidungsstoffen oder auch als Beihilfe und zum Schutze leisten kann, ist der hauptsächlichste Beweggrund zur Zähmung desselben gewesen. Bezüglich der geogr. Verbreitung der H. sind einige wenige, wie der Hund, dem Menschen überallhin gefolgt, andere, wie Pferd, Rind, Schwein, auf den größten Teil der bewohnten Erde, während eine dritte Gruppe, wie Kamel, Lama, auf beschränkte Zonen angewiesen sind. Im ganzen sind nur äußerst wenige Tierarten von den vielen, die über die Erde verbreitet, H5. geworden. Die Nachforschungen über die Urgeschichte des Menschen geben den Aufschluß, daß das erste gezähmte H. undiHmen der Hund war, was mit dem Jäger- und Hirtenleben der Urmenschen im Einklange steht, während später erst, mit Erlangung fester Wohnsitze (Pfahlbauten), pflanzenfressende Wiederkäuer, wie Rind, Schaf, Ziege, und Dickhäuter, wie Schweine, gezähmt und gezüchtet wurden. Die mitteleuropäischen H., welche alle nach Amerika und Australien verpflanzt wurden, gehören nur den Säugetieren, den Vögeln und den Insekten an, und zwar unter den Säugetieren: den Fleischfressern (Hund, Katze), den Nagern (Kaninchen), den Dickhäutern (Schwein), den Einhufern (Pferd, Esel) und den Wiederkäuern (Rind, Büffel, Schaf, Ziege); unter den Vögeln: den Tauben, den Hühnervögeln (Huhn, Fasan, Pfau, Perlhuhn) und den Schwimmvögeln (Ente, Gans, Schwan). Die Insekten liefern als H. die Bienen unter den Hymenoptern, die Seidenspinner unter den Schmetterlingen und die Cochenillelaus unter den Halbflüglern. V südl. Gegenden kommen noch hinzu: unter den Wiederkäuern der ak, das Zebu, die Kamele und in Amerika die Lamas (Alpakas, Vicunas); in nördl. Gegenden das Renntier. In Afrika ist der Strauß als Haustier gehalten. Fische werden vielfach zu den Haustieren gerechnet, gehören aber infolge ihrer Lebensweise im Wasser, welches den Begriff des Hauses ausschließt, nicht dazu. Auch der Falke, der Jagd-Gepard und das Frettchen sind keine Haustiere, da die Bezeichnungen anützlichh und «wirtschaftlich verwendbarv nicht auf dieselben passen. Die Zucht der H. ist von höchster Bedeutung * die gesamte menschliche Okonomie, indem von derselben nicht nur die Produktion der wichtigsten Kleidungsstoffe für gemäßigte und kalte Zonen, sowie fast der gesamten animalischen Nahrung (Fleisch, Milch, Eier), sondern auch zum Teil der Transport der erzeugten Stoffe auf dem festen Lande und die Bearbeitung des Bodens abhängt. Vgl. Warburg, «Die H. und ihre Behandlunge (L. Aufl., Hamb. 1873); M. Wilckens, „(Grundzüge der Naturgeschichte der Haustierev (Dresd. 1880).