Huhn (Gallus), die typische Gattung der Hühnervögel (s. d.), unterscheidet sich von seinen nächsten Verwandten, wie z. B. den Fasanen, durch nackte, schlaffe Hautlappen, die am Kinn herabhängen, einen Fleischkamm oder Federbüschel auf dem Kopfe, schmale Spitzfedern am Halse, Sporen beim Männchen an den starken Füßen, deren Hinterzehe den Boden nur mit dem Nagel berührt. Die wilden Arten dieser Gattung, die den Naturforschern erst seit dem Ende des 18. Jahrh. bekannt wurden, leben alle in Ostindien und auf den Sunda-Inseln in den Wäldern, an deren Saume sie sich namentlich gern aufhalten. Wie unser Haushuhn bilden sie Familien, aus einem Hahne, zwanzig und mehr Hennen und den Küchlein derselben bestehend, und sind sehr scheu und flüchtig, indem der durch Größe und Federschmuck ausgezeichnete Hahn die Wacht hält, während die Familienglieder fressen. Im übrigen scheint die Lebensweise dieser wilden Hühner ganz derjenigen unserer Haushühner ähnlich, auch lassen sich die meisten derselben leicht zähmen, wenn sie als Küchlein weggefangen werden. Von Bedeutung für die Geschichte des Haushuhns scheinen besonders vier Arten: 1) das Jagohuhn (G. giganteus) in den Wäldern des südl. Sumatra und östl. Java, von den Curopäern Kulmhuhn genannt, die größte Art, mit doppeltem, kronenförmigem Kamme: 2) das Bankivahuhn (G. ferrugineus, s. Tafel: Hühnervögel, Fig. 12) von Java und Sumatra, von der Größe unsers gewöhnlichen Haushuhns, mit langen, zerschlissenen Federn am Halse, Kamm und Lappen wie unser H.; 3) das Sonnerathuhn (G. Son— nerati), dessen untere Halsfedern in eine glänzende runde Platte enden, kommt in Indien vor, wird dort zu Hahnenkämpfen gezüchtet und hat weder Kamm noch Lappen; als Leschenault es zuerst entdeckte, hielt man es fälschlich für die Urart unsers datus) in den Wäldern Ceylons, ohne Schwanz, durchaus braun-goldglänzend. Das Haushuhn (G. domesticus) ist in unzähligen Rassen und Spielarten über die ganze bewohnte Erde verbreitet, mit Ausnahme der hohen Gebirge und der Polargegenden, wo es unfruchtbar und deshalb nicht mehr gezüchtet wird. Es verrät überall seine südl. Abstammung durch seine Vorliebe für warme, sonnige Plätze, die Scheu vor Kälte und die Schwierigkeit der Züchtung in kältern Gegenden. Die Nachforschungen in den Pfahlbauten beweisen, daß es in der Urzeit in Europa nicht existierte, sondern offenbar mit andern Arten erst zur Zeit der Metalle dort einge— führt und wahrscheinlich vom Mittelmeere aus verbreitet wurde. Nach den Philippinen und Oceanien wurde es von den Malaien, nach den übrigen Weltteilen, wo es ursprünglich nicht existierte,‚ von den Europäern eingeführt. Die gegenwärtigen Rassen sind höchst wahrscheinlich durch Züchtung der wilden Arten und durch Kreuzung derselben nach und nach entstanden. So schreibt man die großen Rassen, wie das Sarsevese-⸗oder Padua-Ime das persische, das Astrachan-und Peguhuhn, owie das Hollen-oder Haubenhuhn, dem wilden Jagohuhne zu, während der europ. Kampfhahn, das gewöhnliche Haushuhn, das hamburgische und ähnliche Rassen dem Bankiva, das Kluthuhn oder virginische H. dem Wallikili zugeteilt werden. Außer diesen Rassen hat man noch in neuerer Zeit die Rassen von Cochinchina und Brahmaputra eingeführt, welche ebenfalls wilden Arten zu entsprechen scheinen. Die Zwerghühner mit nackten oder befiederten Füßen (Bantamhuhn), das friesländ. Strupphuhn mit zerschlissenen, aufgesträubten Federn, das Negerhuhn mit schwarzer Haut und schwarzen Kielen und einige andere Rassen scheinen hingegen aus der Züchtung von abnormen Individuen hervorgegangen zu sein. Die Züchtung des Haushuhns kann nach verschiedenen Richtungen hin ausgebildet werden. In Indien, Spanien und England werden noch jetzt besondere Rassen zu Hahnenkämpfen gezüchtet, wozu eine spezielle Nahrung, mit vielem Fleisch vermischt, und Pflege gehören. Für den ökonomischen Gebrauch können zwei Richtungen der Zucht besonders in das Auge gefaßt werden: die Cier⸗ und die Fleischproduktion. Für erstere werden die mittlern und kleinen Rassen vorgezogen, da sie weit mehr Eier legen, während man die großen Rassen mehr zur Mästung verwendet. In beiden Zweigen sind die Franzosen und Briten Meister. Frankreich schickt jährlich für viele Millionen Eier nach England und gemästete 7½½ Kapaunen und Poularden in die ganze Welt. Gut und zweckmäßig gefütterte Hühner legen von Februar bis Oktober täglich ein Ei; die Fruchtbarkeit währt bis zum 10. Jahre. Zu besserer Mästung werden Hähne wie Hühner verschnitten; erstere heißen Kapaunen, letztere Poularden. Hauptbedingungen der Zucht sind: warme, sonnige Plätze und Schlafstellen; Sand, in welchem die Hühner sich einscharren und den sie aufpicken können; Kalk, der ihnen zum Bau der Cierschalen notwendig ist; gutes Trinkwasser. Die hühnerologischen Vereine, die für Poultromanie, die zoolog. Gärten haben in neuester Zeit viel zur Züchtung reiner Rassen und deren Verbreitung beigetragen. Vgl. auch Artikel Geflügelzucht und Tafel: Geflügel, Bd. VII, S. 645.