Geige oder Violine (ital. Violino, frz. Violon) ist das wichtigste unter den Orchesterinstrumenten und auch, weil auf ihr alle Töne ganz rein in den mannigfaltigsten Modifikationen in Hinsicht auf Stärke und Schwäche vorgetragen werden können, eins der beliebtesten, wenn auch eins der schwersten ustrument als ein originales Erzeugnis der neuern usik anzusehen, da es dem Altertum unbekann war und erst im Mittelakter und im Abendlande auftaucht. Schon seit dem 10. Jahrh. war die G. wenn auch noch in sehr unentwickelter Form und mit zwei oder drei statt mit vier Saiten bezogen, in Frankreich beliebt, und die Trouhadours und Jong leurs bedienten sich ihrer zur Behleitung des Ge sangs. Am Ende des 15. Jahrh. war sie auch in Holland völlig eingebürgert. Die vierte Saite sowie die jetzt noch übliche Form wurde ihr indes höchst wahrscheinlich in Italien beigefügt, welches Land, nebst dem angrenzenden Tirol, die vorzüglichsten Bogeninstrumente lieferte. Dort sind die G. von Amati, Guarneri, Stradivari, hier die von Jak. Stainer, Klotz u. a. vorzüglich gerühmt. Die bei uns gebräuchliche G. ist mit vier Darmsaiten bezogen und davon die tiefste und stärkste mit Silberdraht übersponnen. Diese vier Saiten werden in die Töne g, d, a, e(Quinte, frz. chanterelle) gestimmt. Je weiter man mit dem Aufsetzen der Finger nach dem Stege zu rückt, desto höher werden die dadurch erzeugten Töne, und man spricht daher von Lagen oder Positionen. Die Noten für die G. werden in den 6-Schlüssel gesetzt, der deshalb auch vorzugsweise Violinschlüssel genannt wird. Der Umfang ihrer Töne geht vom gbis etwa zum viermal gestrichenen a; doch ist man erst in neuern Zeiten bis zu dieser schwindelnden Höhe kleiniten enhar-Alle genannten Töne, ja selbst die kleinsten enharmonischen Verhältnisse werden bloß durch das Aufsetzen der Finger hervorgebracht, daher das Instrument sowohl dadurch wie durch seinen schönen eindringenden Ton unter die vollkommensten und angenehmsten musikalischen Instrumente zu zählen ist. Das Wertzeug, wodurch die Saiten der G. klingend gemacht werden, ist der Bogen. Die Güte des Tons einer G. besteht in Klarheit und Reinheit, Kraft, Fülle und leichter Ansprache. Die bekanntesten Anweisungen zur Erlernung des Geigenspiels sind die von Francesco Geminiani, Löhlein (neu herausgegeben und vermehrt von Reichardt), Leop. Mozart, sowie die von Rode, Kreutzer und Baillot gemeinschaftlich bearbeitete und vom pariser Konservatorium angenommene Violinschule ferner von Fröhlich, Guhr, Spohr, Campagnoli, Schön u. a. Hie bedeutendsten Violinmeister der ältern Zeit als Spieler wie als Komponisten sind Corelli und Tartini; als die berühmtesten neuern Spieler sind zu erwähnen: Rode, Baillot, „Maant Lafont, Kreutzer, Viotti, Polledro, Lipinski, Mayseder, Paanini, Vieuxtemps, Ole Bull, Beriot, Ernst, David, Lauhn Wieniawski, Sivori, Bazzini, Wilhelmj, arasate u. a. Entsprechend ihrer Bedeutung, ist die G. von allen Instrumenten auch am eingehendsten beschrieben, besonders in folgenden größern Werken: Wasielewski, Die Violine und ihre Meisterd (Cpz. 1869); Hart, KThe violin, its famous makers, and their imitatorso (Lond. 1875); Vidal, Les instruments à archeto (3 Bde., Par. 1876—78); Rühlmann, „«Die Geschichte der Bogeninstrumente v mit Atlas, Braunschw. 1882). Die drei letzten )Werke enthalten auch vorzügliche Abbildungen.