Geldschränke, auch seuerseste oder diebessichere Schränke genannt (frz. caisses d'argent; engl. safes, money-chests), sind aus Eisen, resp. Stahl hergestellte Behälter, welche zur sichern Aufbewahrung von Geld, Wertpapieren, Dokumenten, Geschäftsbüchern, überhaupt solcher Gegenstände dienen, deren Verlust durch Feuer oder Diebstahl den Besitzer erheblich schädigen würde und für welche es eine Versicherung nicht gibt. Die wesentlichen Erfordernisse eines feuer⸗ und diebessichern Geld-Haterie sind: solide Bauart bei Verwendung bester Materialien; starke, nichtleitende Füllung der Räume zwischen den Doppelwänden; genaue und feste Zufammenfügung, Vernietung und Verschraubung der einzelnen Teile, hermetischer Schluß der Thüren, welche deshalb mit zahlreichen Feuerfalzen versehen werden; Verwendung guter, widerstandsfähiger Schlösser und Vermeidung alles dessen, wodurch bei ausbrechendem Feuer der Zutritt der Hitze in das Innere des Schranks ermöglicht wird. Die Wandungen sollen etwa 110 bis 120 mm Stärke haben; bei Schränken, die in sehr feuergefährlichen Lokalitäten aufgestellt werden, macht sich noch die Einfügung isolierter, d. h. im Innern des Schranks freistehender Wandungen notwendig, wie sie bei dem in umstehender Fig. 1 dargestellten Geldschrank der Firma Karl Kästner in Leipzig vorgesehen ist; aus der den Grundriß eines solchen Schranks darstellenden fich 2 sind die isolierten Wandungen deutlich ersichtli 9. Das geeignetste Material zur Füllung des Hohlraums zwischen den Wänden ist Holzasche, die oft noch einer besondern Präparation unterworfen wird. Die Sicherheit gegen Einbruch, welche ein Geldschrank bietet, hängt, außer von der guten Ausführung des-Bedürfnis nach besondern Vorkehrungen gegen das Einfräsen von Löchern herausstellte. Die Vervollkommnung der Diebswerkzeuge hat immer weitere Fortschritte in der Konstruktion der G. zur Folge gehabt. Während die bisher bei den Einbrechern beliebte Manier des Einfräsens von Löchern von leicht zur Entdeckung führendem Geräusch begleitet war, geht durch die in der neuesten Zeit aufgekommene Anbohrungsmethode der Einbruch in geräuschloser Weise vor sich, wenn nicht durch eine Panzerung der Eisenwandungen mit Stahlplatten demselben ein wirksames Hindernis entgegengesetzt ist. Vorzügliche Aufmerksamkeit ist bei der Anfertigung von G. auf die Anbringung eines guten Verschlusses zu richten, der ein unbefugtes Offnen des Schranks mittels Nachschlüssels u. s. w. zur Unmöglichkeit macht. In neuerer Zeit sind zahlreiche Schloßkonstruktionen zur Anwendung gelommen, unter denen die von Bramah und von Chubb die verbreitetesten sind. Die Erfindung des Bramah-Schlosses wurde zu Ende des 18. Jahrh., die des Chubb-Schlosses zu Anfang des 19. Jahrh. gemacht. Durch die lebhafte Konkurrenz, welche die genannten Systeme einander machten, wurden fortwährende Verbesserungen derselben hervorgerufen, aus denen um 1860 eine Kombination beider Systeme, das sog. Bramab-Chubb-Schloß, entstand, das noch jetzt als das beste Geldschrankschloß gilt. (S. weiter unter Schloß.)