FeedGelenkneurose
HeilkundeBrockhaus 1882

Gelenkneurose, Gelenkneuralgie oder hysterisches Gelenkleiden (Arthroneuralgia), eine netenk vortoi besonders häufig im Hüft⸗ und Kniegelenk vorkommende Gelenkaffektion, welche das Bild einer schweren Gelenkentzündung vortäuschen kann, während sie ihrem eigentlichen Wesen nach mit einem ernsthaften Lokalleiden nichts zu thun hat und lediglich als Teilerscheinung der sterie (s. d.) aufgefaßt werden muß. Die Kran heit, welche sich vorwiegend bei blutarmen und nervösen jungen Mädchen und Frauen der höhern Gesellschaftsklassen, bisweilen aber auch bei anscheinend gesunden Männern vorfindet, äußert sich in außerordentlich heftigen, bohrenden oder reißenden Schmerzen in dem ergriffenen Gelenk, krampfartigen Zusammenziehungen der benachbarten Musteln, welche oft schon durch leises Berühren der Haut bervorgerufen werden und gewöhnlich auffallende falsche Stellungen des Gelenks zur Schdd haben, und in einer Wen lähmungsartigen chwäche in der betreffenden Hangan welche den Kranken nicht selten monatelang an das Bett fesseln. Bei alledem ergibt die objektive Untersuchung nicht die geringste anatom. Veränderung. Von auffallendem Einfluß ist die Stimmung des Kranken auf die Intensität des Leidens; Während Ablenkung und Zerstreuung, eine interessante Unterhaltung u. dgl. den eben erst unerträglichen Schmerz oft außerordentlich schnell besänftigen, pflegen eine ängstliche und verzärtelnde Umgebung, ununterbrochenes Beklagen und Bemitleiden das übel außerordentlich zu verschlimmern. Der Verlauf ist gewöhnlich ein sehr langwieriger; die Beschwerden können allmählich nachlassen und schließlich ganz verschwinden, oder andern hysterischen Erscheinungen Platz machen, aber auch plötzliche Heilungen, namentlich infolge einer mächtigen psychischen oder physischen Einwirkung, werden nicht selten beobachtet. Unter den örtlichen Heilmitteln sind energisches Massieren, kalte Begießungen und Douchen des Gelenks mit nachfolgenden Abreibungen des Gliedes, der länger fortgesetzte Gebrauch kurzer kalter Seebäder und die Anwendung der Elektricität am wirksamsten. Das Hauptgewicht bei der Behandlung ist aber auf eine zweckmäßige psychische Beeinflussung des Kranken (Erweckung des Selbstvertrauens, des Willens, der Energie) zu legen, ohne welche alle örtlichen Mittel erfolglos bleiben. elenkquarz, s. Itacolumit.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 719Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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