FeedGemäsebanu
PflanzenreichBrockhaus 1882

Gemäsebanu ist die intensivste aller Pflanzenkulturen und gewinnt dem Boden den höchsten Ertrag ab, erfordert aber wegen der Ausdehnung der ihm einzuräumenden Bodenflächen die bedeutendste Kapitalanlage, die größten Düngermengen und die reichlichste Bewässerung. In einem gut bewirtschafteten Gemüsegarten darf deshalb nicht der kleinste Raum unbenutzt bleiben und müssen die Kulturen ohne Unterbrechung aufeinander folgen, solange im Laufe des Jahres noch Wachstum möglich ist, unter Benutzung von Treib⸗ und Frühbeeten sogar das ganze Jahr hindurch. Oft werden sogar mehrere Gemüsearten gleichzeitig auf einem und demselben Beete erzogen und geben ihre Ernten kurz nacheinander. Eine solche gewerbsmäßige Kultur erfordert unablässige Arbeit, da sie meistens einen ziemlich hohen Pachtzins zu bestreiten hat, mit mehr oder weniger kostspieligen Vorrichtungen und Gerätschaften arbeitet und einer Konkurrenz standhalten muß, welche den nachlässigen Wirt oft in kurzer Zeit ruiniert. Anders gestaltet sich die Sache, wenn der Privatmann G. treibt, um den Haushalt zu versorgen. Hier erfordert die Gemüsekultur ungleich geringere Anstrengungen. Immerhin aber ist eine Produktion über den Bedarf hinaus nicht zu verachten, da der Überfluß immer seinen Markt findet. Nur mit wenigen Ausnahmen sind es die gleichen Gemüsearten, die durch ganz Deutschland angebaut werden. (S. Gemüse.) Sie sind jedoch infolge einer durch viele Jahrhunderte hindurch sich ziehenden, unter den verschiedensten lokalen Verhältnissen betriebenen Kultur in eine Menge von Rassen ausgegangen, welche nach der äußern Qualität und in ihrem Nutzwerte oft erheblich voneinander abweichen und nicht alle in demselben Boden, in demselben Klima gedeihen. Diese Rassen sind meist als Lokalsormen zu betrachten, welche ihre höchste Leistungsfähigkeit in denjenigen Gegenden entwickelt haben, in denen sie entstanden und ununterbrochen in derselben Form fortgezüchtet wurden. In andern Gegenden, in denen sie die gewohnten natürlichen und wirtschaftlichen Bedingungen wiederfinden, werden sie dasselbe oder wenigstens Annäherndes leisten, während sie da, wo dies nicht der Fall ist, in der Form veränderlich werden und bisweilen auch an innerm Wert Einbuße erleiden. Der Gemüsegärtner hat somit alle Ursache, sich an das hinlänglich Bewährte, vornehmlich an die ihm nach ihren äußern und innern Eigenschaften genau bekannten Lokalformen zu halten, dagegen mit der Aufnahme von andern Kulturstätten eineführter Gemüsesorten vorsichtig zu sein und sich ür den Anfang vorerst auf eine längere Beobachtung des Verhaltens derselben in der neuen Heimat einzulassen. Die Berechnung der Rentabilität eines für G. benutzten Grundstücks ist nur für einen bestimmten H möglich, dessen wirtschaftliche Verhältnisse, wie Amortisationsquoten für Baulichkeiten und Vorrichtungen, Preis des zu beschaffenden Düngers, Arbeitslöhne, Marktkosten, Durchschnittsmarktpreis der verschiedenen Gemüse, Wert der zu gewinnenden Nebenprodukte und anderes genau bekannt sind. Die Grundbedingungen eines erfolgreichen G. sind folgende. Mit vollkommenstem Erfolg und in allen Teilen seiner Domäne kann derselbe nur in einem milden Klima betrieben werden, in welchem die Gemüse weder durch Spätfröste, noch durch zu zeitig eintretende niedrige Temperatur im Herbst leiden und wo sie zugleich die für Zwecke der Ernährung erforderliche vollkommene Ausbildung erlangen. Hierzu ist es auch erforderlich, daß das betreffende Grundstück von weitem durch Bodenerhebungen, Waldungen, Gebäude u. s. w. gegen kalte Nord⸗ und Westwinde geschützt sei. Die beste Lage ist eine südöstliche, in welcher die Gemüse schon in den Morgenstunden Sonne haben und in den heißen Monaten gegen das Verbrennen, im Winter gegen plötzlichen Wechsel von Gefrieren und Aufthauen sichergestellt sind. Am vorteilhaftesten ist, wenigstens für leichtern und dem Grundwasser nicht ausgesetzten Boden, eine vollkommen horizontale Lage; in nördl. Gegenden ist eine Neigung gegen Süden, in südlichen eine solche gegen Norden ein günstiger Umstand. Hat bloß ein verhältnismäßiger Teil des Grundstücks eine Neigung nach Norden, so ermöglicht dies im Sommer die Kultur mancher Gemüsearten, welche in der heißesten Zeit (wenigstens in leichterm Boden und in warmer Lage) keine Aussicht auf Erfolge haben würde. „Da rationeller G. und hochstämmige wülegetten einander ausschließen, sollte man in Gemüsegärten nur dann Obstbaumspaliere dulden, wenn Mauern oder Wände dazu Gelegenheit bieten, und für die Einfassung der Quartiere Horizontalschnurspaliere (Kordons), für die Rabatten, wenn solche vorhanden sind, höchstens eine beschränkte Anzahl von usch⸗-oder Pyramidenbäumen mit völligem Ausschluß der Blumen. Bezüglich des Bodens setzt der erfolgreiche Betrieb des G., zumal wenn man dabei Marktverkauf im Auge hat, ein gutes, tiefes, nahrhaftes Erdreich von einiger Frische voraus, und überdies einen weder zu durchlässigen (Sand, Kies), noch einen undurchlässigen äher Thon) Untergrund. Nur für schweren Boden ist ein stark durchlässiger Untergrund von Nutzen. Nach und nach läßt sich der Boden, wenn man zum billigen Erwerb geeigneter Materialien 4½½% hat, je nach seiner physik. Beschaffenheit durch Beimischung von Sand, Kalk oder Thon verbessern. Eine der wichtigsten Bedingungen eines rentabeln G. ist das Vorhandensein reichlichen und gesunden Wassers. Dasselbe muß so beschaffen sein, daß es der Gesundheit der Gemüse nicht nachteilig wird; insbesondere darf es keine zu beträchtlichen Mengen aufgelöster mineralischer Substanzen ent-Aurcge z. B. schwefelsauren oder kohlensauren Kalks. m geeignetsten ist Wasser aus Flüssen und Bächen, Am schlechtesten ist Brunnenwasser, das oft sehr hart ist, also viele gelöste Mineralstoffe enthält, und ebenso oft eine Temperatur besitzt, welche niedriger ist als die der Luft. Im zweiten Falle macht man es dadurch unschädlich, daß man es in Bassins für längere Zeit der Einwirkung der Sonne aussetzt; im ersten Falle dagegen läßt sich zur Verbesserung der chem. Konstitution des Wassers nur wenig oder ar nichts thun. Ein übelstand ist eine zu große Feuchtigkeit des Bodens, die seine rechtzeitige Bearbeitung und Bestellung verhindert, vor allem aber dem Zutritt der Luft und der Erwärmung des Erdreichs im Wege ist, infolge dessen die chem. Prozesse im Boden verzögert werden und in einer der Pflanzenernährung wenig förderlichen Weise verlaufen. Stauendes Grundwasser wirkt um so nachteiliger, je näher es nach der Oberfläche des Bodens herauftritt. Hier muß eine durchgreifende Korrektur des letztern durch Entwässerung mittels Drameo Abzugsgräben oder eines Systems von rainröhren herbeigeführt werden. Der G. erfordert, wie bereits erwähnt, größere Düngermengen, insbesondere Stallmist. Außerdem ist die reichliche Anwendung des Kompostdüngers, worunter man eine Zusammensetzung der mannigfaltigsten Wirtschaftsabfälle tierischen und pflanzlichen Ursprungs und geeigneter mineralischer Substanzen versteht, für den G. von Nutzen. Geht man bei der Bereitung von Kompost mit einiger Umsicht 1 Werke und sorgt man vor allem dafür, daß den, und dadurch der Zutritt der chem. Zersetzungen und Verbindungen einleitenden atmosphärischen Luft befördert wird, so pflegt er die wichtigsten Pflanzennährstoffe in leichtlöslicher Form zu enthalten. Wiewohl der Stallmist geradezu als die wertvollste Düngerart bezeichnet werden muß, so ist es doch vorteilhaft, neben demselben, um einer allmählichen Verarmung des Bodens an gewissen Bestandteilen vorzubeugen, sog. Hilfsdünger (Beidünger) anzuwenden, stickstoffhaltigen, wie Chilisal- wie es als Nebenprodukt bei der Fabrikation des Leuchtgases gewonnen wird, Hornspäne, Blutmehl u. a., ferner Phosphate, wie Mejillones⸗ oder Bater-Guano, Knochenmehl u. s. w. Eine sehr wesentliche Bedingung erfolgreichen G.s ist die Einfriedigung des Grundstücks; diese ist um so notwendiger, je zener und seltener die Gemüse sind, die man erzieht. Wo die Gemüsekultur Gegenstand des Feldbaues ist, und nur gewöhnliche Gemüsearten in Menge angebaut werden, verzichtet man auf die Einfriedigung, die sich meistens auch (der erheblichen Kosten wegen) von selbst verbietet. Sehr wichtig für einen erfolgreichen Betrieb des G. ist, wie beim Feldbau, eine rationelle Wechselwirtschaft, welche die Aufeinanderfolge der Gewächse nach dem Maße ihres Bedarfs an Nährstofsen regelt. Zu diesem Zweck wird das Areal gewöhnlich in vier Quartiere geteilt, deren erstes dem Spargel, der ein viel begehrter und meist immer gut bezahlter Marktartikel ist, dem Rhabarber, der leider nicht so häufig angebaut wird, als er verdient, und perennierenden Gewürzkräutern, wie Estragon, Schnittlauch, Beifuß, Fenchel, Pfefferkraut, Pimpinelle (Poterium Sanguisorba) u. a., zugewiesen wird, wenn man diese Gewächse in den Kreis der Kultur zieht. Ist das letztere nicht der Fall, so teilt man das Grundstück nur in drei Quartiere. Letztere werden regelmäßig alle drei Jahre einmal durchgedüngt, in jedem Jahre eins, und in der Weise bepflanzt, daß das frisch gedüngte im ersten Jahre Kohlarten, Sellerie u. s. w., also die zehrendsten Gewächse des Gemüsegartens, im zweiten Wurzelgewächse, Zwiebeln und Küchenkräuter, und im dritten Erbsen, Bohnen u. s. w. trägt. Für die Bewirtschaftung des Gemüsegartens empfiehlt sich In Sugert Turnus. Im Herbst wird auf dem ersten Quartier verrotteter oder doch guter lurzer Dünger so reich, als die Umstände es zulaässig machen, möglichst gleichmäßig ausgestreut und Da untergegraben. Ohne freigebigste Zufuhr von ungestoffen bleibt der Gemüsegarten ziemlich unergiebig. Auf dem ersten Quartier wird das Erdreich im Frühjahr fortgehackt, geebnet und in Beete abgeteilt. Hierher kommen die im Frühbeete angezogenen frühen Sorten von Blumenkohl, Kohlrabi, Wirsing, Kopfkohl, Rosenkohl u. s. w. Als Zwischenpflanzung für Blumenkohl wird Sellerie, für Wirsing u. s. w. Porrée gewählt. Für die spätern Kohlsorten, deren Pflanzzeit gegen den Johannistag fällt, läßt man nicht die Beete bis dahin brach liegen, sondern benutzt sie erst zu Frühkartoffeln, welche sehr zeitig mit etwas angetriebenen Augen dergestalt gepflanzt werden, daß der Kohl, wenn seine Zeit gekommen, dazwischen gesetzt werden kann, falls die Zeitigung der Kartoffeln um etwas sich verzögern sollte. Am besten eignet sich hierzu die weiße Sechswochen-Kartoffel. Auch das für frühe Radies und den aus dem Mistbeete ausgepflanzten Kopfsalat benutzte Land wird gleich nach der Ernte umgegraben und für späte Kohlsorten oder Porrée verwendet. Auch die Gurkenbeete erhalten ihren Platz auf dem ersten Quartier. Die Beete werden im April bei trockener Witterung nochmals gegraben und die Bepflanzung wird gleichfalls so eingerichtet, daß sie im Sommer Spätgemüse aufnehmen können, da die Gurken gegen Ende August im Wachstum nachzulassen pflegen und auf den Gurkenbeeten kleinköpfige frühe Kraut- und Wirsingsorten noch zur Ausbildung gelangen. Im nächsten Jahre wird das erste Quartier zum zweiten und dient der Kultur der Wurzelgewächse, als Möhren, Pastinaken, Scorzonere, Petersilien-⸗, Hafer- und Zuckerwurzel, Rhapontika, Rettich, Salatbete, Zwiebel, Salat, Endivie, Spinat, wird aber auch, soweit der Raum noch ausreicht, zum Anbau einjähriger Küchenkräuter benutzt, wie Portulak, Bohnenkraut, Majoran u. s. w. Das mit frühen Karotten bestellt gewesene Beet kann, nachdem es gut umgegraben worden, für Herbst- und Winterrettiche verwendet werden. Für die zweite Pflanzung kann man nach frühem Radies und Gartenkresse im ersten und zweiten Quartier Endivie und späten Kopfsalat benutzen. Im dritten Jahre wird das nunmehrige dritte Quartier zum Anbau von Erbsen und Bohnen und, wenn erforderlich, auch wohl noch einmal für Wurzelgewächse und Kopfsalat benutzt. Dabei ist es vorteilhaft, die frühen Erbsensorten nebeneinander zu bringen, damit diese Beete zusammen abgeräumt, gedüngt, gegraben und mit Grünkohl oder Kohlrabi für den Winterbedarf besetzt werden können. Durch diese Einteilung des Gemüsegartens wird ein vollkommener Fruchtwechsel hergestellt, der im allgemeinen durch den Turnus: 1) Kohlarten, 2) Wurzelgewächse, 3) Hülsenfrüchte, bezeichnet ist. Dieser Wechsel wird ein noch vollkommenerer dadurch, daß man in den einzelnen Quartieren soviel wie möglich auch mit den Gemüsen unter sich wechselt, Renn die Beete im vierten 205 in anderer Weise bepflanzt sind als im ersten. Wie groß auch der Vorteil ist, der aus einem planmäßigen Fruchtwechsel im Gemüsegarten erwächst, so können doch Kohlarten erforderlichenfalls überall eingefügt werden, wenn man ihm eine starke Extradüngung gibt und auf gute Bodenbearbeitung hält. Geschichtliches. G. wurde schon von den ältesten Kulturvölkern betrieben, und um so eifriger und in um so größerm Umfange, je mehr sich Geisteskultur und Luxus entwickelten. In den Zeiten der Kindheit des Menschengeschlechts wurden zum Zwecke der Ernährung wildwachsende Kräuter gesammelt, wie noch heute von dem ärmern Teile der Landbevölkerung Brennesseln, Melden, Hasenkohl (Phyteuma. orbiculare), Schmerkraut (Ficaria ranunculoides), Taubenkropf(Silene inflata) und andere Kräuter des Feldes, der Wiese und des Waldes. So sammelte das arme Volk in Israel die Salzmelde, malluach (Atriplex Halimus). Später werden ausdrücklich Kohlgärten erwähnt und bei Dan. 1, 12, 16 Speisen aus dem Pflanzenreiche, seronim, d. h. Gesäetes, Gepflanztes, genannt, aber noch immer gingen die Armen auf das Feld, edaß sie Kraut läsend. In Agypten war der G. schon lange vor der Zeit, in der die Israeliten dort geknechtet wurden, in hoher Blute, und Bohnen, Kürbisse, Melonen, Pasteken, Zwiebeln, Knoblauch, wahrscheinlich auch mehrere Kohlarten wurden damals schon in derselben Weise und in demselben Umfange angebaut wie noch heute. Auch von den Griechen und Römern wurde der G. mit Eifer und Erfolg betrieben; der Spargel von Ravenna wurde hochgeschätzt, und Salatgewächse der Gattung Lactuca waren bei reich und arm beliebt. Manche unserer besten Gemüse sind nachweisbar früher oder später aus dem Süden nach Deutschland eingeführt worden, z. B. der Wirsing, dessen Herlunst schon in Welschkohl u. s. w. angedeutet ist, der Mangolt (Beta cicla), die Pastinake, das Radies, Melonen, nicht vor der Mitte des 17. Jahrh. der Blumenkohl u. s. w. Durch die Römer wurde der G. nach Frankreich und Deutschland getragen und fand namentlich in dem zuerst gedachten Lande einen dankbaren Boden, auf dem er sich bis in die neueste Zeit stetig fortentwickelt hat und noch heute in hoher Blüte steht. Hochberühmt ist die pariser Gemüf egärtnerei. Schon 1376 kennt man in Paris eine Gärtnerinnung, deren Statuten durch Ludwig XI., Heinrich III., Heinrich IV. und Ludwig XIV. erneuert oder abgeändert wurden. Den Innungsgenossen allein stand das Recht zu, grüne Waren zur Markthalle zu bringen, mit Ausnahme der Bettelmönche und derjenigen Bürger, welche in der Stadt oder in den Vorstädten Gärten besaßen. Alle Produkte der Gemüsegärtnerei wurden in der Halle aux Poiréêes zum Verkauf gestellt, von der Getreidehalle bis zur Straße St.⸗Honoré. Die Statuten schrieben den Gemüsegärtnern vor, welcher Düngerarten sie sich bedienen sollten; Geschworene der Innung hatten die Beschaffenheit der zu Markte gebrachten Produkte zu prüfen, darüber zu wachen, daß das Ablesen der Raupen von Gemüsepflanzen und Bäumen zur rechten Zeit besorgt wurde u. s. w. Die Gärtnerinnung wurde 1776 aufgelöst. Zwar trugen die Gemüsegärtner auf ihre Wiederherstellung an, wurden aber mit ihrem Gesuche abgewiesen. Es gab damals 800 Meister und 400 Gesellen. Seitdem bemächtigte sich die Baulust aller offenen Grundstücke, doch wurde bei der spätern Erweiterung der Stadt eine Anzahl von Gärten in ihr Gebiet aufgenommen. Aus amtlichen Ermittelungen, welche 1860 angestellt wurden, geht hervor, daß in Paris damals 396 ha Landes der Gemüsekultur und 76 ha der Blumenzucht gewidmet waren. Die pariser Gemüsegärtner verwenden auf ihre Erzeugnisse eine ganz besondere Sorgfalt und haben gegenwärtig auch bedeutende Erfolge in der Gemüsetreiberei zu erringen gewußt. Die hauptsächlichsten Gemüse, welche von ihnen getrieben werden, sind Spargel, Bohnen, Kichererbsen (Petits pois), Blumenkohl, Melonen, Gurken, Bindesalat (Romaines), Endivien (Chicorées), rote Radies u. s. w. An vortrefflichem Obst ist Paris mit seiner Umgegend sehr reich. Eine große Wichtigkeit haben die Erdbeeren, sowie die Pfirsichen von Montreuil erlangt. Auch die Champignons von Montrouge und Vaugirard werden in ungeheuern Mengen in den Handel gebracht. Neuerdings hat der pariser G. nach Umfang wie nach Mannigfaltigkeit der Produktion noch erheblich zugenommen; dennoch muß man den Betrieb immer noch einen kleinen nennen, denn 364 Gärtner bewirtschaften ihr Grundstuck allein oder mit Hülfe eines einzigen Arbeiters, und 289 haben 2—10 Arbeiter. Aber die Bedeutung des pariser G. liegt nicht sowohl 3 ihrem Umfange als vielmehr in der intensiven Bewirtschaftung des beschränkten Areals. Eine solche hohe Bedeutung kann indes der G. nur in größern Städten oder in der Nähe solcher erlangen. Je weiter ab von solchen, um so unbedeutender wird der G., und selbst in Deutschland gibt es ganze große Distrikte, in denen nur der Kopfkohl auf dem Felde, höchstens noch einige Gurken und etwas Kopfsalat in kleinen Hausgärten erzogen wird. In noch weit umfangreicherer Weise als in Paris wird der G. mit Einschluß des Obstbaues um London herum betrieben. Dort werden ungefähr 1800 ha Landes mit Obst und Gemüse bepflanzt, mit denen ungefähr 35000 Menschen .—5 sind, um der Stadt einen Teil ihres Bedarfs an Obst und grüner Ware zu liefern. Außerdem kaufen Händler diese Produkte im Innern des Landes auf und mit Ausschluß der zu Schijse herbeigeführten Waren solcher Art sollen die Eisenbahnen jährlich 70000 t Obst und Gemüse nach London bringen. Üüberhaupt ist als Regel anzunehmen, daß überall, wo die Bevölkerung sich sehr verdichtet, der Feldbau allmählich in den Gartenbau übergeht und nach und nach zu den bedeutendsten Resultaten gelangt. Unter den Schriften über G. ist besonders Rümplers Illustrierte Gemüse⸗ und Obstgärtnereiv (Berl. 1879) hervorzuheben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 743Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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