Genitib (Genetiv) ist die der lat. Grammatik entnommene Bezeichnung eines Kasus der indogerm. Sprachen. Dieser Casus wird im Singular durch Suffixe gebildet, als deren Grundelement man -as (os, -es) oder -8 ansehen kann, z. B. lateinisch nomin-is, ped-is (des Namens, des Fußes), sanskritisch pad-as, gotisch namin-s (lateinisch nomin-is), litauisch dukter-s (der Tochter). Bei gewissen Stämmen, die ursprünglich auf kurzes a (o) ausgehen, z. B. sanskritisch vrka-(Wolf), ist die Endung des G. Sja, vrka-sja (-sjo), daher griechisch Iykoio, welches für likosjo steht, und gotisch vulfis, das für vulfissa eingetreten ist; das s in unserm „Wolfes v ist der letzte Rest des Suffixes. Die allgemeine Endung des G. im Plural ist ursprünglich in den indogerm. Sprachen àm (-m), z. B. sanskritisch pad-àm (der Füße), griechisch pod-ön, daneben am (-om), daher der slawische G. des Plurals, z. B. Kamen-u (der Steine). Im gotischen namn-é6 ist das -E der Rest der Endung, im heutigen Deutsch haben wir die alte Endung noch in Fällen, wie z. B. 4der Wölfe », oft ist sie aber ganz verloren, z. B. «der Mütter, der Namenv. Eine erschöpfende Definition der Bedeutung des G. läßt sich nicht geben, er drückt sehr allgemein die Beziehung eines Begriffs auf einen andern aus; so wird durch den G. ausgedrückt der Besitzer (eder Herr des Hauseso), daher die Bezeichnung genitivus possessivus, das Ganze im Verhältnis zu einem Teile (edie Hälfte des dunch ein genitivus partitivus, das Objekt einer durch ein Abstraktum ausgedrückten Thätigkeit (4die Furcht Gotteso, d. h. «die Furcht vor Gotty), genitivus objectivus, u. s. w. Alle diese Einteilungen sind in sich schwankend, . — höchstens den Gebrauch einer Sprache und erschöpfen auch diesen nicht.