FeedDativ
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Dativ ist der Name des dritten Casus nach der von den alten Grammatikern angenommenen Ordnung. Die charakteristische Endung desselben ist für die indogerman. Sprachen ai. Den alten D. haben aber die europ. Sprachen in vielen Fällen durch den Lokativ ersetzt, dessen Endung ursprünglich i ist, so ist z. B. im Griechischen der D. chördi ((op dem Lande) ein wirklicher D., dotéri (dem Geber) ein Lokativ, im Sanskrit ist daher dätari Lokativ, während der D. datré, für datrai, heißt, der im Griechischen verloren ist. Auch im ältesten Deutsch ist der ogenannte D. ein Gemisch von D. und Lokativ, so ist z. B. gotisch sunau (dem Sohne) eine Verkürzung von dem Lokativ sunav-i (so im Sanskrit). Da also dieser spätere D. die Bedeutung des alten D. und Lokativs zusammen vertritt und in mehrern Sprachen auch die des Instrumentalis angenommen hat, so läßt sich eine allgemeine Grundbedeutung für denselben nicht aufstellen. Der Name ist hergenommen von dem häufigen Gebrauche dieses Casus bei dem Begriffe des Gebens (lat. dare) und verwandten Begriffen, wobei er das entferntere Objekt der Handlung bezeichnet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 901Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 7

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6