FeedGenitschi oder Genitschesk
ErdkundeBrockhaus 1882

Genitschi oder Genitschesk, auch Tonkaja oder Ust-Asowsk tgenannt, Flecken im russ. Gouvernement Taurien, im Kreis Melitopol, 93 km südwestlich von Melitopol, am nördl. Ufer der gleichnamigen Meerenge G., die zwischen der Landzunge von Arabat und dem Festlande gelegen ist und in das Faule Meer oder Siwasch führt, zählt 1227 C., ist ein vortrefflicher Landungsplatz für Kabotagefahrzeuge und bildet einen Stapelplatz für das in der Umgegend reichlich gewonnene Seesalz. G. hat einen täglichen Bazar und drei Jahrmärkte, leidet aber Mangel an Trinkwasser, welches aus den in der Steppe gegrabenen Brunnen. 5 Em weit von G. bezogen wird. Geuins, s. unter Genien. Geulis (Stéphanie Felicité Ducrest de Saint-Aubin, Marquise von Sillery, Gräfin von), franz. Schriftstellerin, geb. zu Champeeri bei Autun in Bourgogne 25. Jan. 1746, stammte aus einer vornehmen, aber herabgekommenen Familie und war schon als Mädchen ihrer Schönheit, sowie auch ihres ausgezeichneten Harfenspiels wegen in die vornehmsten pariser Familien eingeführt. Der Graf Bruslart de Genlis heiratete sie in ihrem 16. Jahre. Als Nichte der Frau von Montesson, welche mit dem Herzog von Orléans heimlich vermählt war, erhielt die nunmehrige Gräfin auch Zutritt in dem Orléans'schen Hause, wo der Herzog von Chartres, der nachmalige Egalité, sie zur eim Publi seiner Kinder machte. Um diefe Wahl beim Publikum zu rechtfertigen, schrieb die Gräfin G. für ihre Zöglinge unter anderm das Théatre à l'usage des jeunes personnes, ou théàtre d'éducationo (4 Bde., Par. 1779—80), Adèle et Théodore, ou lettres sur l'éducationo (3 Bde., Par. 1782) und Les veillées du chàteau, ou cours de morale, à l'usage des enfantso (3 Bde., Par. 1784 u. öfter). Als die Revolution ausbrach, gewann die Gräfin G. durch ihre enge Verbindung mit dem Hause Orléans eine polit. Bedeutung. Sie wohnte eine Zeit lang den Sitzungen des Jakobinerklubs bei und stand mit Pétion im besten Vernehmen, der sie auch 1791 ihrer Sicherheit wegen nach England begleitete. Von dem Herzog von Orléans (Bürger Egalité) zurückberufen, kam sie während der Septembertage 1792 wieder in Paris an. Aufs neue für ihre Sicherheit besorgt, ging sie nach Tournay in Belgien, wo sie ihre (angeblich mit dem Herzog von Orléans erzeugte) Adoptivtochter Pamela mit Lord Fitzgerald vermählte. Hier lernte sie auch Dumouriez, bei dessen Armee die jungen Prinzen von Orléans sich befanden, kennen und folgte ihm nach St.Amand. Mit diesem zerfallen, ging sie im April 1793 nach der Schweiz und lebte eine Zeit lang im Kloster zu Bremgarten bei Zürich. Als aber die Prinzessin Adelaide von Orléans, die bis dahin bei ihr gewesen, sich zu ihrer Tante, der Prinzessin von Conti, nach Freiburg begab, verließ auch die Gräfin G. mit ihrer einzigen ihr noch gebliebenen Pflegetochter Henriette Sercey, 1793 die Schweiz und zog na Altona, wo sie letztere mit dem hamburger Kaufmann Mathiessen vermählte. Um diese Zeit schrieb sie den Roman Les chevaliers du cygne, ou la cour de Charlemagne, conte historique et moral (3 Bde., Hamb. 1795; neue, sehr veränderte Aufl., Par. 1805), der ungeachtet der empfindsamen Sittenpredigten voller Frivolitäten ist, und zu ihrer Verteidigung den Précis de ma conduite pendant la révolutiono (Hamb. 1796). Als Bonaparte zum Konsulat gelangt war, kehrte sie nach Paris zurück und erhielt eine Pension von 6000 Frs. und freie Wohnung. Seitdem lebte sie in Paris, wo sie 31. Dez. 1830 starb. Ihre Schriften, die sich auf 90 Bände belaufen und unter denen der Roman Mademoiselle de Clermont“** (Par. 1802) die gelungenste Arbeit ist, enthalten meist Schilderungen von Begebenheiten im konventionellen Welt- und gesellschaftichen Leben, das sie genau kannte. Ihre Observations critiques pour servir à I'histoire littéraire du 192siècles (Par. 1811), sowie das Dictionnaire critique et raisonné des étiquettes de la cour, des usages du monde, etc.v (2 Bde., Par. 1818), ein Werk voller Irrtümer, und ihre Diners du Baron d'Holbache (Par. 1822), in denen sie die geachtetsten franz. Schriftsteller angriff, zogen ihr manche Zurechtweisung zu. Viel P enthalten ihre Mémoireso (10 Bde., Par. 1825; deutsch von Auguste von Faurax, 8 Bde., Lpz. 1826). ennadios, erster Patriarch von Konstantinopel unter türk. Herrschaft (1453—59), hieß als Laie Georgios Scholarios. Von seinem frühern Leben ist wenig bekannt. Um 1400 in Dmageniae Di geboren, erhielt er eine gründliche und vielseitige Bildung. Im Gefolge des Kaisers nahm er 1439 am Konzil u Florenz teil. In drei der Synode überreichten eden und in einer an seine Landsleute gerichteten Ansprache trat er mit Entschiedenheit für die Union der griech. und röm. Kirche ein. Als aber nach dem Abschluß der Verhandlungen die Vereinigung bei dem griech. Volk und Klerus wenig Anklang fand, trat 90 G. auf die Seite der Gegner. Er W si vom Hofe zurück und lebte längere Zeit als Mön im Kloster des Pantokrator seinen wissenschaftlichen Studien. Als Konstantinopel (1453) von den Türken eingenommen wurde und Sultan Muhamed II. die Wiederbesetzung des erledigten Patriarchenstuhls verlangte, fiel die Wahl auf G., welcher damals noch nicht die Weihen erhalten 946 Er gab dem Hernnteg der Synode nach, wurde vom Bischof von Heraklea geweiht, vom Sultan belehnt. enige Tage später besuchte ihn der Sultan in der Marienkirche und begann mit ihm ein religiöses Gespräch. Furchtlos eröffnete G. ihm die Wahrheit des christl. Glaubens und schrieb diese Antwort später nieder. Der Sultan aber war davon so sehr befriedigt, daß er den Christen Duldung gewährte. So berichtet die Tradition über die Entstehung eines Glaubensbekenntnisses, welches auf G. wird und in der griech. Kirche symbolisches Ansehen genießt. Dasselbe gibt in 12 Kapiteln eine Darlegung derjenigen Punkte der christl. Lehre, welche im Gegensatz zum Islam besonders wichtig sind, vor allem der Trinität und der Gottmenschheit Christi. Die letzten 8 Kapitel, sowie eine dialogische Umschreibung des Bekenntnisses, bekannt unter dem Titel De via salutiso, sind später untergeschoben. G. legte 1459 sein Amt nieder und zog sch in das Kloster Johannes des Täufers bei Serrä in Macedonien zurück. Das Todesjahr des G. ist unbekannt. Die Zahl seiner Schriften beträgt etwa hundert, doch sind nicht alle gedruckt. Erwähnt seien die philos. Schriften, in welchen G. dem Platoniker Gemistos Plethon gegenüber die Philosophie des Aristoteles verteidigte. Vgl. Gaß, „G. und Plethor (Bresl. 1844).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 774Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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