FeedGeoffroy Saint-Hilaire (Etienne)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Geoffroy Saint-Hilaire (Etienne), ausgezeichneter franz. Naturforscher, geb. zu Etampes 15. April 1772, wurde für den geistlichen Stand bestimmt, vertauschte aber zu Paris die Theologie mit den Naturwissenschaften. Im Alter von 21 J. erhielt er die Professur der Zoologie am pariser Jardin des plantes, der 1793 zur Centrallehranstalt der Naturwissenschaften erhoben worden war. Zum Mitgliede der ägypt. Expedition (1798) ernannt, begründete er das Institut von Kairo. Im Forschen und Sammeln entwickelte G. in Agypten die größte Thätigkeit und wußte durch Festigkeit die reichen Sammlungen seinem Vaterlande zu retten. Nach der Rückkehr trat er in Paris in sein voriges Amt und wurde 1807 zum Mitgliede des Instituts, 1809 zum Professor der Zoologie an der mediz. Fakultät ernannt. Von der Regierung 1810 mit einem wissenschaftlichen Auftrage nach Portugal gesendet, kehrte er von dort mit reichen Sammlungen zurück, die, den öffentlichen Museen entnommen, zu Streitigkeiten Veranlassung gaben. 5.8 wissenschaftliche Verdienste bestehen in seinen Forschungen in der Zoologie, der vergleichenden Anatomie und der allgemeinen Naturphilosophie. Nach der Anschauung G.s liegt der Organisation der Tiere nur Ein allgemeiner Plan zu Grunde, der sich bloß in einigen Punkten modisiziert, um die Unterschiede der Gattungen herzustellen. Diese Ansicht veranlaßte einen Streit mit Cuvier, der zu anz entgegengesetzten Ideen sich bekannte. In den etzten Lebensjahren beschäftigte sich G. mit dem Studium der organischen Mißbildungen und Mißeburten. Die Entwickelung seiner naturphilos. nsichten, die viel Streit veranlaßten, sindet sich in seiner Schrift „Sur le principe de I'unité de composition organiques (Par. 1828). G. starb 19. Juni 1844. Seine zoolog. Arbeiten sind sehr zahlreich und verdiensllich. Er schrieb außer vielen Abhandlungen in Zeitschriften mehrere wichtige Monographien über Säugetierfamilien, zwei Gefamtwerke über dieselbe Tierklasse, ein großes Werk über die Zähne der Mammiferen u. s. w. Isidore G. Saint-Hilaire, des vorigen Sohn, geb. 16. Dez. 1805, wurde 1841 Professor am Museum der Naturgeschichte, 1850 an der Fakultät der Wissenschaften, war daneben seit 1844 Generalinspektor der Studien und starb 10. Nov. 1861. Auch er hat sich durch eine Reihe trefflicher naturwissenschaftlicher Arbeiten einen Namen erworben. Dahin gehören vornehmlich: Traité de la monstruosités (Par. 1829), (Histoire des anomalies de Porganisation chez I'homme et les animauxo (3 Bde., Par. 1832—36), (Etudes 200logiquesv (Par. 1832—36), Notions synthétiques et de physiologie naturelles (Par. 1838), Essais de zoblogie générales (Par. 1840), (Histoire naturelle des insectes et des mollusqueso (2 Bde., Par. 1841), Domestication et naturalisation des animaux utileso (3. Aufl., Par. 1854), (Iistoire naturelle générale des règnes organiques (2Bde., Par. 1854—59) und Lettres sur les substances alimentaireso (Par. 1856). Auch gab er die Biographie seines Vaters (Par. 1847) heraus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 791Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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