FeedGeoponiei
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Geoponiei werden mit einem griech. Worte (1οντονννε, d. h. auf den Landbau bezüglich) diejenigen Schriftsteller des Altertums genannt, welche Werke über Ackerbau und Landwirtschaft (VEονπονννα eschrieben haben. Ander Spitze der landwirtschaftl. Litteratur steht das Werk des Karthagers Mago 28 Büchern, von welchem Cassius Dionysius aus Utica eine griech. Bearbeitung in 20 Büchern und Diophanes einen Auszug in 6 Büchern herausgab und welches der röm. Senat nach der Eroberung Karthagos ins Lateinische übersetzen ließ, eine Maßregel, die in Rom einzig in ihrer Art ist. Die dem Demokrit beigelegten Geoponicas sind unecht. Aber schon Xenophon hat in einer kleinen Schrift, dem Oeconomicuso, auch die Landwirtschaft kurz behandelt, und Demokrit, Aristoteles, Theophrast und viele andere haben wenigstens episodisch Gegenstände, welche zur Landwirtschaft gehören, erörtert. Varro und nach ihm Columella, sowie auch Plinius nennen eine große Anzahl Autoren, welche teils gelegentlich landwirtschaftl. Stoffe behandelt, teils ausdrücklich über das Gesamtgebiet der Landwirtschaft oder einzelne Teile derselben geschrieben haben. Auch poetische Bearbeitungen aus alexandrin. Zeit werden genannt, welche Virgil zum Vorbild dienen konnten, darunter die 4Georgican des Menekrates aus Ephesos und die des Nikander. Außer Fragmenten landwirtschaftl. Schriften und gelegentlichen Erörterungen in erhaltenen Schriften von Prosaikern, wie Aristoteles und Theophrast, oder Dichtern, wie Aratos, gibt es auch eine um die Mitte des 10. Jahrh. auf Geheiß des Kai⸗ . Konstantinos VII. Porphyrogennetos unter em Titel GeoponicayveranstalteteExcerptensammlung aus einer großen Anzahl von Schriftstellern. Der Redacteur dieser Sammlung, Cassianus Bassus aus Bithynien, dem eine schon im 4. Jahrh. von Vindanios Anatolios in 20 Büchern veranstaltete Sammlung vorlag, welche Photius in seiner Bibliotheks rühmt suchte aus 20Büchern das Wissenswürdige aus allen Gebieten der Landwirtschaft zusammenzufassen. Die einzige brauchbare Ausgabe dieser G. ist die mit Prolegomenen, latein. übersetzung und Kommentar von Niclas (4 Bde., Lpz. 1781). Vgl. Gemoll, «Untersuchungen über die Quellen, den Verfasser und die Abfassungszeit der Geoponicas (Berl. 1883). Wenn bei den Griechen dieser Litteraturzweig im ganzen zurücktrat, so wurde er dagegen von den Römern bei ihrer eminent praktischen Richtung bevorzugt. Schon vor der vom Senat befohlenen Übersetzung von Magos Werk hatte Cato (s. d.) die noch erhaltene Schrift über den Ackerbau (De agri culturay) geschrieben, und auch nach derselben sind noch in republikan. Zeit mehrere Schriften über Landwirtschaft verfaßt worden, so von Mamilius Sura, von Saserna (Vater und Sohn), von Tremellius Scrofa; 37 v. Chr. schrieb Varro (s. d.) die erhaltenen drei BücherDe re rusticas und um dieselbe Zeit 37—30v. Chr. dichtete Virgil seine «Georgicap. Das Hauptwerk aus der ersten Hälfte des 1. Jahrh. n. Chr. ist das von Columella (s. d.), während von dem großen encyklopädischen Werke des Celsius, welches auch die Landwirtschaft enthält, nur die Bücher über die Medizin erhalten sind. Ebenso sind die hergehörigen Werke von Hyginus, einem Zeitgenossen Virgils, Julius Gracinus und Julius Atticus, Schriftstellern der ersten Kaiserzeit, verloren. Von dem großen Werke des Gargilius Martialis, der im 3. Jahrh. schrieb, sind wenigstens beträchtliche Teile erhalten. Aus dem 4. Jahrh. ist das Werk des Palladius (s. d.) erhalten. Herausgegeben sind die latein. Scriptores rei rusticaes am besten von Gesner (Lpz. 1735; neue Ausgabe von Ernesti, Lpz. 1773fg.) und von Schneider (4Bde., Lpz. 1794 -97).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 800Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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