FeedGerard (Ctienne Maurice, Graf)
GeschichteBrockhaus 1882

Gerard (Ctienne Maurice, Graf), Marschall und Pair von Diwant. M. geb. 4. April 1773 zu Danvilliers im Depart. Meuse, trat 1792 als Freiwilliger in die Nordarmee und kämpfte 1792 und 1793 unter Dumouriez und Jourdan. Sodann wurde er Kapitän und Adjutant Bernadottes, den er 1798 nach Wien begleitete und ihm dort durch seinen Mut in einem Volksaufruhr das Leben rettete. Im J. 1800 wurde G. zum Obersten ernannt und zeichnete sich als Reiterführer mehrfach aus, machte 1805 die Schlacht bei Austerlitz mit und wurde, schwer verwundet, auf dem Schlachtfelde zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt. Als Brigadegeneral wohnte er 1806 dem preuß. drps de bei und als Generalstabschef des 9. Armeekorps dem Feldzuge von 1809 unter Bernadotte: er zeichnete sich 7. Mai 1809 im Gefecht bei Urfahr, an der Brücke von Linz, abermals aus und befebligte in der Schlacht bei Wagram die sächs. Reiterei. Vom Juni 1810 bis Okt. 1811 kämpfte er in Spanien. Im russ. Feldzuge that er sich bei der Einnahme von Smolensk und 16. Aug. 1812 bei Walutina-Gora hervor. Nach der Schlacht an der Moskwa wurde er zum Divisionsgeneral ernannt und führte auf dem Rückzuge von Moskau die Nachhut; an der Beresina deckte er mit einem Teile des Neyschen Korps den übergang und führte auch auf dem weitern Rückzuge unter dem Vizekönig von Italien die Nachhut. Im Feldzuge von 1813 befehligte er eine Division des 11. Armeekorps unter Macdonald und that sich bei Lützen, Bautzen und Goldberg hervor. Am zweiten Tage der Schlacht bei Leipzig wurde er gefährlich verwundet, sodaß er die Armee verlassen mußte. Gegen Ende des Jahres hergestellt, übernahm er den Befehl über ein Reservekorps und kämpfte 1814 rühmlich bei La Rothière, Nangis und Montereau. Bei der neuen Organisation erhielt er den Befehl über das 2. Armeekorps. Nach der Abdankung Napoleons I., im Dienste Ludwigs XVIII., wurde ihm der mißliche Auftrag, die Garnison von Hamburg zurückzuführen, worauf ihm die Generalinspektion über die 5. Militärdivision und der Befehl über das Lager von Belfort anvertraut wurde. ei der Rückkehr des Kaisers 1815 wendete sich auch G. demselben sofort wieder zu und erhielt den Befehl ber die Moselarmee, sowie die Pairswürde. G. führte seine Truppen als 4. Korps zur Nordarmee und kämpfte ruhmvoll 16. Juni 1815 in der Schlacht bei Ligny, wo er den Kampf zu Gunsten der Franzosen entschied und dann unter Grouchy den abziehenden Preußen folgte. Am 18. Juni, auf dem Marsche nach Wavre, als man das Geschützfeuer von Waterloo her vernahm, schlug G. vor, unmittelbar dorthin zu marschieren; sein Rat drang aber nicht durch. G. wurde im Treffen bei Wavre schwer verwundet, folgte der Armee hinter die Loire und erhielt, als dieselbe aufgelöst wurde, die Erlaubnis, in Tours seine Heilung abzuwarten. Nach seiner Herstellung wurde er aus 145 ausgewiesen und begab sich nach Brüssel. Als er 1817 nach Frankreich zurückkehren durfte, lebte er auf seinem Landgute Villers-Creil. In den Jahren 1822 und 1827 wurde er in die Kammer gewählt, wo er mit Foy und Lamarque der Opposition anehörte. Auf der Jagd büßte er 1824 durch einen slintenschuß das linke Auge ein. Dessenungeachtet nahm er an der Julirevolution 1830 als Hauptführer des teil und übernahm dann das Kriegsministerium. Ludwig Philipp ernannte G. zum Marschall und 1832 auch zum Pair von Frankreich. Seine Anstrengungen gingen dahin, das unter der Restauration verfallene Heerwesen zu reorganisieren. Als im Okt. 1830 die polit. Faslle des drohender wurden, legte er das Portefeuille des Kriegs in die Hände des Marschalls Soult, ur die 9e jedoch im Aug. 1831 den Oberbefehl über die Nordarmee und drängte die Holländer in einem Feldzuge von 13 Tagen aus Belgien hinaus. Am 15. Nov. 1832 rückte er von neuem in Belgien ein, um die Räumung der Citadelle von Antwerpen zu erzwingen, deren Übergabe er mit General Chasse 23. Dez. unterzeichnete. Im Juli 1834 übernahm er nochmals das Kriegsministerium, das er aber schon 29. Okt. wieder niederlegte. Nach dem Tode Mortiers wurde er 1835 Großkanzler der Ehrenlegion, und 1838 erhielt er den Oberbefehl über die Nationalgarde im Seinedepartement. Infolge eines Augenleidens fast blind geworden, trat er 1842 den Oberbefehl über die Nationalgarde an den General Jacqueminot ab. Unter dem zweiten r 185 wurde er 1852 Senator. G. starb 17. April 1852 zu Paris.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 822Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6