FeedGerard (Francois Pascal, Baron)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Gerard (Francois Pascal, Baron), berühmter franz. Historien⸗ und Porträtmaler der Davidschen Schule, geb. 11. März 1770 zu Rom, kam jung nach Frankreich, wo er bei dem Bildhauer Pajou in Paris, dann bei dem Maler Brenet lernte. In seinem 18. Jahre wurde er Davids Schüler, durch die Revolution aber auf mehrere Jahre wieder aus seiner Künstlerlaufbahn herausgerissen. Nach des Vaters Tode die einzige Stütze der Familie, begleitete er seine Mutter nach Italien zurück, bis er sich genötigt sah, seines Erwerbs halber wieder nach Frankreich zu gehen. Als G. 1793 konskribiert und zum Adjutanten beim Ingenieurkorps bestimmt war, nahm sich David seiner an und ließ ihn ohne sein Wissen zum Juré du tribunal révolutionnaire ernennen, wodurch er vom Kriegsdienste frei wurde. Da er aber den größten Widerwillen gegen diese Gerichtshöfe hegte, so stellte er sich fortwährend krank und ging meist an Krücken, sodaß er bald seine Entlassung erhielt. G. brachte 1795 sein erstes Gemälde, den Belisar, zur Ausstellung, der von Desnoyers gestochen wurde; einige Zeit nachher malte er Amor und Psuyche (gestochen von Godefroy). Durch her mein Erfolge aufgemuntert, wendete er sich nachher mehr dem Porträt zu. Da er Napoleons I. Gunst sich erworben, wurde er [r mit Ehren überhäuft und unter anderm beauftragt, ein Bild der Schlacht bei Austerlitz zu malen. Obschon er diesen Auftrag ungern vollzog, so ist doch he dieses Bild (das größte unter allen seinen Bildern, gm lang, 5 m hoch, gestochen von Godefroy), welches den Moment darstellt, wo der General Rapp dem Kaiser die Nachricht vom Siege überbringt, vielleicht die gelungenste unter seinen Arbeiten. Seit dieser Zeit unterbrach ein Augenübel zuweilen seine kunstlerische Thätigkeit. Von Ludwig XVIII. wurde G., nachdem er sein großes Gemälde, den Einzug Heinrichs IV. (gestochen von Toschi), in Paris ausgestellt hatte, zum ersten Hofmaler und Baron ernannt. G. starb zu Paris 11. Jan. 1837. Die Zahl der von ihm gelieferten Porträts beläuft sich 2 mehr als 250, darunter wenigstens 100 ganze Figuren. Am berühmtesten sind seine Porträts der Familie Napoleons, namentlich Napoleon im Senabtrn des (estochen von Desnoyers), das der Gemahlin des Königs Murat und ihrer Kinder, des Fürsten Talleyrand, Talmas, der Demoiselle Mars und der Madame Recamier, welches letztere er c1824 für den Prinzen August von Preußen malte. In Wien befindet sich das Familienporträt des Grafen Fries, und ein interessantes Bildnis Napoleons als Konsul von 1802 im Privatbesitz. Vgl. Adam, Oeuvre du Baron Frangois G., 1789 — 1836, gravé à P'eau-fortes (3 Bde., ar. 1852—57); Henri Gerard, «Correspondance e François G.v (Par. 1867).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 822Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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