Germanen (Germäni) wurden von den Römern ihre nördlichen, von Galliern, Sarmaten und Skythen unterschiedenen Nachbarn, besonders die Bewohner etwa des heutigen Deutschlands genannt. Jetzt ist es der Gesamtname der Deutschen, Niederländer, Engländer und Skandinavier. Das Wort deuteten alte Schriftsteller sicher unrichtig Verschwisterte, Verbrüderte; neuere Erklärer schwanken. Gegenwärtig wird der kelt. Ursprung desselben (worauf auch Tacitus, Germaniap 2, weist) wohl allgemein zugegeben. Leo erklärte german (garmwyn): Schreier, d. i. Krieger; Zeuß und Mahn, wie es scheint richtiger, Nachbar. Man weiß jetzt durch die Vergleichung der Sprachen, Sitten und Mythen, daß die G. in ihren heutigen Sitzen nicht urheimisch, sondern ein Teil der ursprünglich in Hochasien vereinten indoeurop. Familie sind, wozu Indier und Perser, Griechen und Römer, Kelten, Slawen und G. gehören. Wann sich die einzelnen Glieder ablösten, wissen wir nicht. Am längsten hielten die G. mit den Slawen zusammen, mit denen sie gemeinsam, aber voran wandernd, den Zug nach Westen ausführten. Im 4. Jahrh. v. Chr. waren sie, wahrscheinlich schon seit längerer Zeit, an den Ostseeküsten angesessen; im 2. Jahrh. erfolgte ihr erster geschichtlicher Stoß gegen den Süden im Zuge der Cimbern und Teutonen und bemächtigten sich des Landes bis zum Rhein und selbst über denselben hinaus. Cäsar warf german. Scharen aus Gallien und Augustus mußte auf die Sicherung der Nordmarken des Reichs gegen die G. durch Angriffskriege und Grenzschutzeinrichtunen bedacht sein. Seit Tiberius beschränkten sich die tömer auf Verteidigung. Nach längerer Ruhe begann unter Marc Aurel die nachhaltige Bewegung der G. gegen die Donau und den Rhein, welche als sog. Völkerwanderung im 5. Jahrh. zur Croberung des Römischen Reichs und zur Gründung neuer german. Staaten innerhalb desselben führte. Das Donau- und Rheinland, Gallien, Spanien, Italien und zeitweise selbst Nordafrika erhielten so eine Beimischung german. Bevölkerung. Die Römer kannten zahlreiche Namen der festländischen german. Stämme und wußten auch von größern Verbindungen unter ihnen. Als drei Hauptteile oder natürliche Stämme des Volks nennt Tacitus die Ingävonen an der See, die Istävonen in dem Westen und die Herminonen in der Mitte; er unterscheidet ferner die Svionen (Skandinavier) und die südöstlichen G. (Bastarnen, Peueini). Eine andere Einteilung ist die in Sueven und solche, welche nicht dem großen Suevenbunde angehörten, mit dem Cäsar es vornehmlich zu thun hatte und der in der ersten Kaiserzeit die Völker vom obern Main bis gegen die Oder umfaßte. Am Rhein traten die Sigambern, Usipier, Tencterer, Tubanten, Bataver, weiter ostwärts Bructerer und Marser, dann die Chatten und hinter ihnen die Hermunduren 4Rbem unt hervor. An der Nordseeküste zwischen Rhein und Elbe leisteten den fremden Eroberern Friesen und Chemes Widerstand. Ihren südl. Nachbarn, den Cheruskern, entstammte der Römerbesieger Armin, dessen Gegner Marbod die Markomannen und andere zu einem großen, aber vergänglichen Reiche vereinte. Die Ostgermanen ienseit der Oder oder Goten, zu welchen auch Burgunder, Vandalen, Lugier u. a. gehören, treten erst geschichtlich hervor, als sie sich um 200 gegen die untere Donau vorschieben; die Nordgermanen (Normannen, Skandinavier) waren dem Altertum so gut wie unbekannt. Aus den Kriegen mit den Römern hatten die Westgermanen oder Deutschen die Nachteile ihrer Zersplitterung kennen gelernt. Deshalb traten sie, als sie große Pläne auszuführen begannen, zu bleibenden Bündnissen zusammen, deren neue Namen die alten Einzelbenennungen meist verdrängten. Seit Anfang des 3. Jahrh. ist von den Alamannen oder, wie sie sich selbst nannten, Schwaben die Rede. Sie erobern das Main⸗ und Rheinland, dringen südlich bis zum Bodensee, östlich bis zum Einfluß der Günz in die Donau vor, gewinnen im 5. Jahrh. das Elsaß und das Alpenland südlich des Bodensees. Fast gleichzeitig mit dem Namen Alamannen erscheint der Name Franken, welcher sich von den Katten (Hessen) rheinabwärts ausbreitete und die drei Gruppen der kattischen, ripuarischen und salischen Franken umfaßt. Die letztern erobern unter den merovingischen Königen nach und nach das nördl. Gallien und vollziehen nicht bloß die Vereinigung sämtlicher fränkischer, sondern auch der meisten deutschen Völkerschaften zu einem großen Staate. Zugleich wird das ehemals burgundische, dann alamannische Main⸗ und Neckarland bis gegen die Murg von den kattischen Franken kolonisiert (Ostfranken). Für die Völker um Weser und untere Elbe findet man seit Ende des 3. Jahrh. den Namen der Sachsen. Von ihnen ziehen Eroberer im 5. .l. nach Britannien. Die festländischen Sachsen (A Weser) Aaern. in Westfalen (zwischen Rhein und Weser), Angern oder Engern (um die Weser), Ostfalen (bis zur Elbe) und Nordalbinger Jnördlich der Elbe). Diese letztern grenzten an die Dänen, welche die durch die Auswanderung nach Britannien entvölkerte Halbinsel bis gegen die Eider besetzt hatten. Abgesonderte Stellung behaupteten die Friesen, welche früher als die Sachsen dem Frankenreiche verbunden waren. Aus den Markomannen ist wahrscheinlich der vierte deutsche Hauptstamm entsprungen, die in ra. (Bajovarii, Baioarii), die vom Lech bis an die Avarengrenze, vom Böhmerwald bis in das Etschthal sich ausdehnten. Die Thüringer, die unmittelbaren Fortsetzer der Hermunduren, gehörten keinem dieser Hauptbünde an. Diese an Rhein, Donau, Weser und Elbe angesessenen Stämme, die sämtlich im Frankenreiche nach und nach vereint wurden, bezeichneten sich selbst, wenn sie als politisch verbunden sich kundgeben wollten, späterhin als Franken. Erst seit dem 12. Jahrh. ward das Wort Alich he das eigentlich dem Volke Ranget volkstümlich heißt, auf Land und Volk fest angewandt. Vgl. Zeuß, Die Deutschen und die Nachbarstämmer (Münch. 1837). Ihren eigenen Weg gingen die aus der nordelbischen Halbinsel ausgewanderten Scharen von Sachsen, Aneln und ure welche Britannien erobert und eine nzahl kleiner Königreiche gestiftet hatten, welche im 9. Jahrh. vereint nach den Angeln England genannt wurden. Durch die normann. Eroberung im 11. Jahrh. kam viel franz. Blut in die vornehmen Stände und franz. Stoff in die Sprache; aber die deutsche Grundlage blieb, und durch die Engländer als erste See-und Kolonialmacht ist german. Sitte und Sprache über die ganze bekannte Erde verbreitet. Eine Reihe kräftiger Stämme ging den G. verloren, namentlich fast alle, welche sich auf dem Boden des Römischen Reichs niederließen und früh verwelschten oder in Kriegen untergingen, besonders die verschiedenen Bestandteile der Ostgermanen: Ost⸗ und Westgoten, Burgunder und Vandalen. Aber auch von den Franken romanisierte sich der westliche, nach der karolingischen Teilung vom deutschen Hauptlande getrennte Teil ziemlich rasch. Ganz für sich standen die Nordgermanen oder die Skandinavier. Sie zerfallen in zwei Hauptäste: den dänisch-gotischen und den schwedisch-norwegischen. Die in thre Heimat auf Seeland und den kleinern Inseln ihre Heimat gefunden und breiteten sich von hier über Schonen und etwas später über Jütland aus. Die Goten reichten auf der schwed. Halbinsel bis zu den Seen Wener, Wetter und Hielmar. Ostlich über ihnen saßen die Schweden, westlich die Norweger. Die Raubfahrten und Auswanderungen der Nordmänner seit dem 9. Jahrh. breiteten diese nordgerman. Elemente über die franz. Küste, England, Süditalien und Rußland aus. Die Westgermanen oder Deutschen haben sich seit dem 11. Nab w. ebenfalls bedeutend ausgedehnt, aber diesma 1 Osten und meist auf Kosten der Slawen, welche seit dem 5. und 6. Jahrh. bis an die Quellen der Drau, an die Enns, an Elbe, Saale und Main sich festgesetzt hatten. In gewaltigen Kämpfen eroberten die Deutschen zuerst mit dem Schwerte, dann mit Pflug und Spaten die früher schon einmal german. Landschaften bis zur Oder und teilweise zur Weichsel und darüber hinaus zurück. Ebenso ward vom bayer. Stamme, seit Karl d. Gr. das Avarenreich zerstört hatte, das Land östlich der Enns und an dem obern Laufe der Mur und Drau zum größten Teile germanisiert. Dagegen gelangen in Böhmen und Mähren keine großen Erwerbungen. Kolonien entstanden seit dem 12. Jahrh. auch am Südabhange der Karpaten und in Siebenbürgen. Diese letztern, die sog. sächsischen, halten mit zäher Treue an Sitte und Sprache des Mutterlandes fest. (S. Deutschland und Deutsches Reich (Geschichtel und Deutsches Volk.)