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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Geten (lat. Getae) hieß im Altertum eine Völkerschaft, die zu der thraz. Gruppe gehörte; sie hatte schon zu den Zeiten des Herodot zwischen Balkan und der untern Donau ihre Wohnsitze, wurde von Darius I. auf seinem Zuge gegen die Skythen heimgesucht und erregte besonders durch den Kult des Zamolxis das Interesse der Griechen. Es wird ausdrücklich berichtet, daß die G. in ihren Sitten und Gebräuchen mit den übrigen Völkern thraz. Stammes übereinstimmten. Zu den Zeiten Philipps von Macedonien und Alexanders, der sie 334 im Ror hatten die G. von ihrem Heimatlande aus im Norden der untern Donau zwischen dieser und dem Dnjestr eine Herrschaft begründet, deren später in der Geschichte des Lysimachos mehrfach gedacht wird, die aber schon in den ersten Jah zehnten des 2. Nho v. Chr. (um 180) dem Andringen der (wahrscheinlich) german. Bastarner erlegen zu sein scheint. In ihren alten Sitzen am Balkan werden bis 1 die G. kaum genannt, obgleich sie sicher in die Bewegungen und Kämpfe mit Macedoniern, Odrysen, Triballern und Kelten verflochten waren. Erst seit dem 2. Jahrh. v. Chr. taucht hier ihr Name wieder auf, wenn sie auch kaum zu rechter polit. Selbständigkeit gelangten. In der letzten Zeit der röm. Republik erscheinen sie vielfach unter den Völkern Mösiens mit inbegriffen; zur Zeit Cäsars hatte Boerebistes ein mächtiges Reich an der Donau gegründet, welches nach seinem Tode auseinanderfiel. Bekannt sind die gelegentlichen Mitteilungen, welche der 9 n. Chr. nach Tomi im Getenlande verbannte Ovid in seinen Dichtungen über dieses Volk gibt. Die G. bildeten damals einen Teil des Reichs der von Rom abhängigen Könige von Thrazien. Seit letzteres durch Vespasian zur röm. Provinz gemacht wurde, verschwindet ihr Name vollständig aus der Geschichte. Im Gedächtnisse der Gelehrten und Dichter lebte er jedoch fort und wurde zunächst vielfach (wie schon früher auch bisweilen von griech. Schriftstellern) auf die ihnen sehr nahe verwandten Daken (Dacier), später auch auf die Goten (bald nach ihrem ersten Auftreten 238 n. Chr.) übertragen. Von den Geschichtschreibern bringen erst Cassiodor und ihm folgend Jordanes in ihren Geschichtswerken über die Goten auch Nachrichten über die G. In neuerer Zeit hat J. Grimm besonders in der «Geschichte der deutschen Spraches die Identität der G. mit den Goten zu beweisen gesucht, jedoch vielfach Widerspruch gefunden, seine Ansicht ist jetzt vollständig aufgegeben. Vgl. Bessell, «De rebus Geticis o (Gött. 1854); Müllenhoff in Ersch und Grubers «Allgemeiner Encyklopädie » (Sekt. 1, Bd. 54, Lpz. 1857); Rösler, Die G. und ihre Nachbarno (Wien 1864).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 926Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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