FeedGerstäcker (Friedr.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Gerstäcker (Friedr.), beliebter Reise⸗ und Romanschriftsteller, geb. 10. Mai 1816 in Hamburg, begleitete als Kind oft seinen Vater, den Tenoristen Samuel Friedrich G. (geb. 15. Nov. 1790 zu Schmiedeberg bei Wittenberg, gest. 1. Juni 1825 10 Kassel), auf dessen Kunstreisen und kam nach des etztern Tode in das Haus eines Oheims zu Braunschweig, dann nach Kassel wider Neigung zu einem Kaufmann in die Lehre. Nachdem er 1835—-37 zu Döben bei Grimma die Landwirtschaft erlernt, chiffte er sich im Frühjahr 1837 zu Bremen nach merika ein, wo er von Neuyork aus Wanderungen durch alle Staaten der Union begann und zuletzt als Rl er in den Urwäldern des Westens ein abenteuer iches Leben führte. Im Sommer 1843 uchw er nach Deutschland zurück. Hier wandte er sich nun auf Grundlage seiner transatlantischen Erlebnisse und Anschauungen der litterarischen Thätigteit zu. Seinem ersten Werke, den interessanten Streif⸗ und Iagrsagen durch die Vereinigten Staaten Nordamerikasv» (2 Bde., Dresd. 1844; 4. Aufl., Jena 1880), folgten Die Regulatoren in Arkansas v (3 Bde., Lpz. 1845 u. öfter) und «Die Flußpiraten des Mississippiv (3 Bde., Dresd. 1848 u. öfter), sowie Mist Sammlungen ansprechender Erzählungen: „Mississippibilder v (2 Bde., Dresd. 847; 2. verm. Aufl., 3 Bde., Lpz. 1856) und „Amerik. Wald⸗ und Strombilder (2 Bde. Dresd. 1849; 2. Aufl., Lpz. 1856). Diese Romanwerke zeichnen sich durch Darttelung n Erzählertalent und Naturfrische der Darstellung und der Schilderung aus. Außerdem veröffentlichte G. mehrere auf Belehrung berechnete populäre Schriften, wie Reisen um die Welt» (6 Bde., Dresd. 1847 —48; 5. Aufl., bearbeitet von A. W. Grube, 2 Bde., Lpz. 1882) und Der deutschen Auswanderer Fahrten und Schicksalens (Lpz. 1847), die ebenfalls mit Beifall aufgenommen wurden. Im März 1849 trat er, vom damaligen Reichsministerium unterstützt, eine neue größere Reise an. Er ging über Rio de Janeiro, Buenos-Ayres und Valparaiso wihmniein Ubernu Wl von da nach den Sandwichinseln über und kreuzte bis zu den Gesellschaftsinseln. Dann wandte er sich nach Sydney und durchreiste den Südosten Australiens, das er im Sept. 1851 verließ, um über Java nach Deutschland zurückzukehren, wo er seit Juni 1852 seinen Aufenthalt in Leipzig nahm. Eine dritte Reise unternahm G. 1860, besonders in der Absicht, die deutschen Kolonien in Südamerika zu besuchen. Er überschritt die Landenge von Panama, durchwanderte Ecuador und Heru und ging von Chile um das Kap Hoorn nach Montevideo. Von dort reiste er zu Lande durch Uruguay nach Brasilien und kehrte 1861 von Rio aus über Frankreich nach Deutschland zurück. Im J. 1862 begleitete G. den Herzog Ernst von Gotha, in dessen Nähe er schon vorher einige Zeit gelebt, auf einer Reise nach Agypten und bessinien und nahm dann nach seiner Rückkehr seinen Aufenthalt in Coburg. Seit seiner zweiten größern Reise veröffentlichte G. noch eine große Anzahl von Schriften. Dahin gehören die «Reisenv (5 Bde., Stuttg. 1853—54) und »Achtzehn Monate in Südamerikap (3 Bde., Jena 1862), und eine Reihe von [Romanen, welche farbenreiche Schilderungen des Lebens und Treibens der Menschen in den von ihm durchwanderten Ländern enthalten. So bewegen ich Die beiden Sträflingev und Im Buschy in ustralien, Tahitio auf der Inselwelt des Großen Oceans, Unter dem Aquatoro auf Java, «General Francov in Ecuador, Sennor Aguila in Peru, Die Kolonier in Brasilien, die «Californ. Skizzenv und „Gold lo in Californien. Unter seinen Schriften für das Volk verdient Rach Amerikav (6 Bde., Lpz. 1855), unter seinen Jugendschriften außer Märchen und Erzählun en besonders Die Welt im klei-Inen für die kleine Welt (7 Bde., Lpz. 1857 — 61; 3. Aufl. 1882), unter seinen Humoresken namentlich Herrn Mahlhubers Reiseabenteuerv (Lpz. 1857, 6. illustrierte Aufl. 1881) hervorgehoben zu werden. In den J. 1867 und 1868 unternahm er nochmals eine größere Reise, welche sich auf Nordamerika, Mexiko, Ecuador, Venezuela und Westindien erstreckte und die er in „Neuen Reiseno 3 Bde., Lpz. 1868) schilderte. Nach seiner Rückkehr ebte er zuerst in Dresden, dann in Braunschweig. Unter seinen spätern Romanen, welche sich auf heimischem Boden bewegen, sind noch zu nennen: «Eine Muttero, (Der Erbev und »Im Eckfenster v. Von seinen übrigen Romanen hat Unter den Penchuencheno seinen Schauplatz in Chile, Die Missionarer auf den Inseln der Südsee, Der Parcerie-Vertragy in Brasilien, „Die Blauen und die Gelben» in Venezuela, endlich In Mexiko in dem Lande dieses Namens. Eine seiner letzten Arbeiten ist In Amerika. Amerik. Lebensbilder aus neuer Zeite (1872) und «„Ein Plagiar. Mexik. Erzählung» (1872). Nach G.s Tode erschienen Gesamtausgaben seiner Schriften: 1. Serie in 22 Bdn. (Jena 1872— 750 und 2. Serie in 21 Bdn. (Jena 1875—78). Mit Der Wildererv (Jena 1864) hat er sich auch im Drama versucht. G.s Romane sind fab sämtlich ins Holländische und Englische, einzelne auch ins Französische übertragen worden. G. starb 31. Mai 1872 zu Braunschweig. Vgl. A. Carl, «Friedrich G., der Weitgereiste. Ein Lebensbild. Der deutschen Jugend vorgeführt (Gera 1873). n Bermn (Karl Eduard Adolf), Entomolog, eb. zu Berlin 30. Aug. 1828, studierte seit 1847 in erlin, Wien und Paris Medizin und Naturwissenschaften, promovierte 1851 in Berlin zum Doktor der Medizin, 1855 zum Doltor der Philosophie, legte 1852 die medizin. Staatsprüfung ab und wurde 1856 als Nachfolger 10 Klugs zum dirigierenden Custos der Entomologi che Sammlung der berliner Universität ernannt, welche Stellung er bis zum J. 1876 innehatte. Er habilitierte sich 1857 für Zoologie an der Universität Berlin, wurde 1873 daselbst zum Prof. extraord. ernannt und ist seit 1876 ordentl. — essor der Zoologie und Direktor des Zoologischen Museums an der Universität in Greifswald. Seine wissenschaftl. Werke sind: «Rhipiphoridum Coleopterorum familiae dispositio syste-Leistungen im Gebiete der Entomologie während der J. 1859 bis 1870 (Berl. 1855—73), Entomographien, Abhandlungen im Bereich der Gliedertiere1858), Über die Gattung Oxybeluso (Halle 1855 (Bd. 1: „Monographie der Entomychiden», Lpz. „Die Arten der Gattung Nyssonv (Halle 1867) „Die Gliedertierfauna des Sansibargebieteso (Lpz. 1873), Zur Morphologie der Orthoptera amphibiotican (Berl. 1873), Die Klassen und Ordnungen der Arthropodas (Bd. 5 von Bronns Klassen und Ordnungen des Tierreichso, Lpz. 1866 fg.), „Die Wanderheuschrecke (Oedipoda migratoria faser un u. s. w.» (Berl. 1876), „Der Coloradoäfer und sein Auftreten in Deutschlandy bpand1877). Auch schrieb er zahlreiche pezialabhandlungen in Fachzeitschriften. erste (Hordéum) ist eine der am häufigsten angebauten Getreidegattungen und von den andern den, daß auf jedem Zahne der Ahrenspindel jedesmal drei Ahrchen nebeneinander sitzen, von denen bald nur das mittelste, bald zwei, bald alle drei ruchttragend sind, wodurch in den ersten Fällen die ruchttragende Ahre zwei⸗ und vierzeilig, im letzten alle sechszeilig erscheint. Die fruchtbaren Ahrchen ind immer (mit einer einzigen Ausnahme) lang begrannt, die Blätter bei allen Arten breit, am Grunde jederseits mit einem sichelförmig gekrümmten häuti-Re Anhange versehen. Die Körner bleiben in der egel von den verhärteten Kronenspelzen umhüllt (ind 9salen seltener (nur bei wenigen Kultur-Hgge allen sie aus den Spelzen heraus, wie bei oggen und 4½%5 letztere Gerstensorten nennt man nackte. Die kultivierten Arten sind fast sämtlich einjährig, meistens Sommer-, seltener Winterfrucht. Als die vorzüglichste gilt die lange zweizeilige G. (H. distichum): etwas geringer im Range eht die kleine, zweizeilige G. (H. Ine 0 mit vieen Abarten, im letzien die sechszeilige G. (H. hexastichum). Bei leßzterer sind die Ahrchen genau in . gleichweit entfernte Zeilen gestellt, die Ahren 0 al walzenförmig; bei H. vulgare sind zwar auch alle Ahrchen fruchtbar, dieselben jedoch in vier Reihen geordnet, weshalb die Ahre viereckig erscheint. Die zweizeiligen G. haben zusammengedrückte Ahren: unter ihnen zeichnet sich die Pfauengerste (H. zeocriton) durch weitabstehende lange Grannen aus. Eine bemerkenswerte Abart der vierzeiligen G. (H. vulgare) ist die Zinkengerste (. trifurcatum), bei welcher die Ahrchen statt in Grannen in drei auseinandergespreizte jähne auslaufen. Abten Abbildungen auf Tafel: Getreide-Arten.) Die Samen der G. dienen zur Bier⸗, Zucker⸗, Sirup⸗, Graupen⸗, Kaffeesurrogat⸗, Gerstenmilch- und nberenung 8 doch ist Gerstenmehl weniger zur Brotbereitung geeignet; nur in dem nördl. Europa und in Schottland wird Die Zuf Mischung mit Weizenmehl dazu verwendet. Die Zusammensetzung der G. ist nach . Kühn folgende: die Körner entlten im Mittel 86,2 Proz. Trockensubstanz, 11.2 roteinsto Holitaler und 65,5 stickstofffreie xtraktstoffe, 5,2 Holzfaser und 2,2 Proz. sche. Das Stro enthält 85,7 Proz. m. 94 aioß 3, Proteinstoffe und 1,4 Fettsubstanz, 34, stickstofffreie Extraktstoffe, 41,8 Holzfaser und 4½ Proz. Asche. Die G. gedeiht sowohl im heißen, trockenen Klima „B. in Arabien, als auch in kalten Zonen, 3. B. ir orwegen, wo dieselbe als einzige Getreidear noch unter 70 nördl. Br. angebaut wird. Auck sind die Samen der G., welche im Orient die aus schließliche Kraftnahrung der Pferde bilden, so- wie das Gerstenstroh ein gutes Viehfutter. Das ursprüngliche Vaterland der G. soll der Kaukasus sein, woselbst als ihre Stammformen H. spontaneum und ithaburense angesehen werden, die dort wild wachsen; auch in andern orient. und südl. Gegenden kommen wilde oder verwilderte Formen der G. vor. Nach Deutschland kam sie Buche aus Italien. Schon Moses und verschiedene Bücher des Alten Testaments erwähnen der G., ebenso griech. und röm. Schriftsteller. Die alten Römer bereiteten aus ihr verschiedene Speisen und Getränke. Den Griechen, den Agyptern und den alten Deut-W war das aus G. bereitete Bier bekannt, die ömer erhielten Kunde von dem Gerstentrant der Germanen durch Tacitus. Die G. liefert die derLehn Erträge auf einem tiefgründigen Lehm⸗ oder Lehmmergelboden, kommt aber, wenn auch nicht so gut, noch auf lehmigem Sandboden fort, wogegen stark bindiger, srenger Thonboden derselben nicht zusagt. Die G. verlangt ein unkrautfreies, nicht abgetragenes Feld, welches im Herbste die Saatfurche erhalten haben muß und im Frühjahr nur mit dem Exstirpator gelockert wird. Der Körnerertrag ist beim Anbau im zweiten und dritten Jahre nach der Düngung ein höherer, als unmittelbar nach derselben; rechtzeitige Gaben von Chilisalyeter und Superphosphat aben sich als günstig bewährt; Braugerste ist jedoch empfindlicher gegen jede Art von Düngung, als solche, welche zur Mehlbereitung oder zum Viehfutter verwandt wird. Die Ernte der G. hrfoigt⸗ wenn die ersten Pflanzen reif geworden sind. Der Ertrag Woden wischen 10 und 60 hl pro Hektar, je nach Boden, lrt der G., Klima und Wetter; das Gewicht pro Hektoliter beträgt 5886 kg; der Strohertrag beläuft sich auf 1500—3000 kg pro Hektar. Als tierische Feinde sind zu nennen: Drahtwurm (Larve von Agriotes segetum), die Larven der Hessenfliege (Ceeidomyia destructor), der Weizenmücke (C. tritici), des Getreideschänders (C. cerealis), der Fipfiege (Chlorops frit), die Raupe der Gammaeule (Plusia gammah) u. a. m.; zu den pflanzlichen Feinden gehören: der Flugbrand (. Brand des Getreides), das Mutterkorn (J. d.), der Rost (s. Getreiderost) und der Meltau (s. d.). Pgl. Krafft, Lehrbuch der Landwirtschafty (Bd. 2, 3. Aufl., Berl. 18800.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 856Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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