FeedGeßner (Konrad von)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Geßner (Konrad von), s. Gesner. Gesiner (Salomon), Idyllendichter und Kupferstecher, geb. 1. April 1730 zu Zürich als der Sohn eines Buchhändlers. Von seinen Eltern zum Buchhändler bestimmt, kam er 1749 nach Berlin in die Lehre. Doch verließ er bald wider des Vaters Willen seinen Lehrherrn und versuchte sich durch Zeichnen und Landschaftsmalerei seinen Unterhalt zu verschaffen. Die Bekanntschaft mit Ramler, dem er seine dichterischen Versuche mitteilte, übte großen Einfluß auf die Bildung seines Geschmacks. Nachdem er von Berlin aus noch Hamburg besucht, und sich dort Hagedorns Freundschaft erworben, kehrte er in seine Vaterstadt zurück. Hier trat er mit dem Lied eines Schweizers an Buu bewaffnetes Mädchenv (1751, in Bodmers und reitingers Wochenschrift Kritos) und dem poetischen Gemälde Die Nachte (1753) anonym als Dichter auf. Seinen eigentlichen Ruf begründete er mit der größern Dichtung Daphnisv (1754)/ zu der die Amiotsche Übersetzung des Longus die Idee in ihm geweckt hatte. Im J. 1756 gab er „Idylleno und Inkel und Yaricos, eine Fortsetzung der Bodmerschen Erzählung, heraus. Diesen folgte 1758 Der Tod Abelss, eine Art idyllischen Hirtengedichts in Prosa, und 1762 eine Sammlung seiner „Schrifteno (4 Bde.). Mehrere jahre beschäftigten ihn sodann die zeichnenden Künste ausschließlich. Erst 1770—72 ließ er wieder eine Sammlung seiner „Idylleno, in welcher auch sein Brief über die Landschaftsmalereis enthalten ist, und eine neue Sammlung seiner Schriften (5 Bde., Zürich) erscheinen. Später übernahm er die Buchhandlung seines Vaters. Auch wurde er Mitglied des Täglichen Rats in seiner Vaterstadt, sowie Oberaufseher über die Hoch⸗ und Fronwälder des Kantons Zürich. Er starb 2. März 1788 zu Zürich. G.s idyllische Poesie wurde von seinen Zeitgenossen in Deutschland mit Beifall, in Frankreich, wo sie durch Hubers Übertragungen bekannt und von vielen Dichtern nachgebildet wurde, mit Enthusiasmus aufgenommen. Von Frankreich aus verbreitete sich sein Ruhm über ganz Europa. Er strebte nach der edeln Einfalt seiner antiken Vorbilder; doch schon Herder setzte den Unterschied zwischen der Idyllenpoesie Theokrits und G.s schlagend auseinander. Vorzüge von G.s Idyllen sind die melodische Sprache und manches zierliche Detail in der Naturmalerei, doch fehlt es seinen Dichtungen an Gedankeninhalt und höhern Intentionen, seiner Hirtenwelt an Wahrheit und Charakteristik, seiner ganzen Weise aber an Tiefe und Energie. Indes hat er zu einer beweglichern Gestaltung der deutschen Prosa unstreitig viel beigetragen. Auch als Kupferstecher und Landschaftsmaler erwarb sich G. große Verdienste. Seine Blätter wurden teuer bezahlt, denn sie bezauberten, wie seine Gedichte, ihrerzeit durch anmutige Nachahmung der Natur. Sein Werk (zuletzt 2 Bde., Zür. 1823) umfaßt 336 Blätter. Gesamtausgaben von G.s „«Schrifteno sind wiederholt erschienen (2 Bde., Zür. 1777—78; 3 Bde., 1789 u. öfter; zuletzt 2 Bde., 1841). Daran reiht sich der «Briefwechsel mit seinem Sohne (Zür. 1801). G.s Leben hat Fe eDn (Zür. 1796) beschrieben. Vgl. Mörikofer, «Die schweiz. Litteratur des 18. Jahrh.» (Lpz. 1861).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 914Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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