FeedGessius Florus
GeschichteBrockhaus 1882

Gessius Florus, aus Klazomenä in Kleinasien, war als Nachfolger des Albinus Prokurator von Judäa 64—66 n. Chr., übertraf aber alle seine Vorgänger an Habsucht, Härte und Grausamkeit, und nötigte durch die ärgste Mißregierung die zur Verzweiflung gebrachten Juden zum Kriege gegen die Römer. Als ihn die Juden bei dem syr. Statthalter Cestius Gallus verklagt hatten, suchte er zu seiner eigenen Sicherstellung eine Empörung derselben hervorzurufen, um eine Untersuchung seiner Verwaltung zu verhindern. Während zwar die aristokratische Partei der Friedensfreunde mit Agrippa II. unterscheiden wollte zwischen Florus, dem man sich widersetzen, und dem röm. Volke, dem man gehorchen müsse, erregte die demagogische Revolutionspartei den Volksunwillen, sodaß die Steuern zurückbehalten, die Opfer für den Kaiser eingestellt wurden, und so der letzte jüd. Krieg ausbrach (66 n. Chr.), welcher mit der Einnahme und Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch Titus endigte (70 n. Chr.). Gesiler (Herm.) von Bruneck soll nach Agidius Tschudis «Schweizerchroniko als Landvogt der Länder Uri und Schwyz ein großer Tyrann gewesen und deshalb von Tell 1308 in der Hohlen Gasse bei Küßnacht erschossen worden sein. Nach den Urkunden lebte er ein Vahrh, aumt später. Sein Geschlecht war im 13. Jahrh. allmählich aus dem Stande der Leibeigenen emporgestiegen und gehörte im 14. Jahrh. zu den hervorragendsten Adelsgeschlechtern im Aargau. Es leistete den österr. Herzögen treffliche Dienste, verlor aber, als die Eidgenossen 1415 sich des Aargaues bemächtigten, alle seine Güter, wanderte nach Deutschland aus und belästigte lange Zeit die Grenzen der Eidenossenschaft mit räuberischen Überfällen. Der Friede von 1474 zwischen Osterreich und den Eidgenossen machte auch den G.schen Ansprüchen ein Ende. Aber das Andenken an die G. lebte im Schweizervolke fort und die Sage schuf aus dem letzten hervorragenden Mann dieses Geschlechts den Typus eines Tyrannen. Vgl. Rochholz, «Tell und G. in Sage und Geschichtes (Heilbr. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 914Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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