Harnsediment, der Niederschlag, welcher sich aus dem Harn nach dessen Entleerung am Boden des Gefäßes absetzt und hinsichtlich seiner chem. und morpholog. Zusammensetzung für den Arzt betreffs der Beurteilung vieler Krankheiten von großer Bedeutung ist. Die H. bestehen entweder aus organisierten Körpern, wie Schleim, Eiter, Blutkörperchen, Tadenpitzen, Epit Samenfäden, Gärungs- und adenpilzen, Epithelzellen der Harnwegeschleimhaut u. dgl., oder aus unorganisierten Stoffen, welche im Harn gelöst waren oder sich durch Zersetzungsvorgänge in demselben gebildet haben, wie Harnsäure, harnsaure Salze, . 7 Ammoniak-Magnesia, oxalsaurer Kalk u. a. So scheidet sich häufig aus sauer reagierendem Harn, namentlich wenn er sehr konzentriert ist (bei Fieber, nach starkem Schwitzen, größern Anstrengungen) oder rasch erkaltet, ein reichliches ziegelrotes oder bräunliches Sediment, sog. Uratsediment, aus, welches aus amorphem harnsauren Natron besteht und durch Erwärmen des betreffenden Harns sich auflöst und wieder verschwindet. Bei Gicht, Magenkatarrh und andern Krankheitszuständen setzt sich oft ein ziegelrotes krystallinisches Sediment aus reiner Harnsäure ab, in andern Fällen ein Niederschlag aus oxalsaurem Kalk u. dgl. Wenn dagegen der Harn alkalisch reagiert, so setzt sich gewöhnlich ein weißes Sediment, sog. Ph osphatsediment, ab, dessen Krystalle bei mikroskopischer Betrachtung Ahnlichkeit mit Sargdeckeln haben und aus phospuegtenuur Ammoniak-Magnesia bestehen. Früher pflegte man jeden sedimentierenden Harn als einen akritischeno Harn zu bezeichnen, weil man annahm, daß durch das H. der Krankheitsstoff, die sog. Materia peccans, aus dem Körper entfernt werde, doch haben neuere Untersuchungen das Irrige und Haltlose dieser Anschauung dargethan.