Heraldik, f. (Wappenkunde), frz. blason, m., science f. béraldique, engl. blasoury, heraldry, lehrt alte Wappen gehörig verstehen u. erklären (blasonniren), neue ontwerfen und verfertigen. Hier können wir nur das Allerunentbehrlichste geben und müssen im übrigen auf M. M. d. W. verweisen. Hauptbestandtheil des Wappens ist der Schild, frz. eu, écusson, cartel, engl. escutcheon, coat, lat. scutum. Man unterscheidet verschiedene Formen der Schilder. J. Antike Schilder; darunter: a) Scutum, quadralisch, in der Regel halbeylindrisch gebogen, der größte. b)CIpeus(s. d.). e) Parma, rund. d) Pelta, auch Amahnenscnnd (f. d.). e) Oetra, rautenförmig, ziemlich klein. H) Ancile (s. d.). g) Gerra, langgezogenes Sechseck. II. Altgermanische waren in der Regel sehr groß, länglich-viereckig; sie hießen, wenn sie geflochten waren, Hürden; waren sie von Leder, Tartschen. III. Mittelalterliche Schilder. 1. Banner⸗ oder Panierschild, éeu en bannière, écu lozangé, quadratförmig. — 2. Frauenschild, écu des dames, rautenförmig. — 3. Spanischer Schild, éeu espagnol, oben viereckig, unten halbkreisförmig (s. Fig. 2098). — 4. Deutscher Schild, écu allemand, richtiger Tartsche, gleich dem spanischen, aber auf der rechten Seite mit kleinem halbkreisförmigen Ausschnitt (s. Fig. 2099). — 5. Normannischer Schild, oben viereckig, unten im Spitzbogen geschlossen (s. Fig. 2100). — 6. Französischer Schild, oben viereckig, unten im gedrückten Eselsrücken geschlossen (s. Fig. 2101). — 7. Englischer Schild, gleich dem französischen, aber am Obertheil zwei nach den Seiten heraustretende Spitzen befindlich (s. Fig. 2102). — 8. Italienischer Schild, éou italien, in Form eines gestreckten Ovals, besonders von Geistlichen gebraucht. IV. Moderne Schilder. In der Renaissancezeit u. später gestaltete man die Schilder entweder oval, mit und ohne cartouches (Zieraten), dreieckig, herzförmig, kreisförmig oder in sonstigen ziemlich regellosen, oft sehr eleganten, oft aber abenteuerlichen, ja selbst geschmacklosen Formen; einige davon s. Fig. 2103, 2104, 2105. Wenn bei einem Schild von rechts (frz. dextre) oder von links (frz. sinistre) die Rede ist, so ist dies so aufzufassen, als ob jemand den Schild am Arm trüge. In der Regel steht das Schild aufrecht, doch auch gelehnt (frz. Couché). Ein gestürzter Schild (frz. renversé), d. h. ein auf dem Kopf stehender, bedeutet den im letzten Sprossen erloschenen oder durch Verbrechen verlorenen Adel. V. Schildestheilungen (franz. partitions d'éecu). Die Fläche getheilter Schilder ist einfarbig od. mit mehreren Farben, Tinkturen, bemalt. Sie heißen dann, je nach Stellung der Theilungslinie, gespalten, parti, auch Hauptschnitt gen., bei senkrechter Linie; Coupé, getheilt, richtiger gequert, auch Querschnitt gen. bei wägrechter; rechts durchschnitten, tranché, schräg rechts getheilt, auch Schulterschnitt genannt, wenn die Theilungslinie nach rechts aufsteigt; links durchschnitten, taillé, auch Eckschnitt genannt, bei nach links aufsteigender. Steht die senkrechte Theilungslinie der rechten Seite näher, so heißt der Schild rechts getheilt (frz. adextré); steht sie der linken näher, so heißt der Schild links getheilt (frz. sinistré); beginnt die schräge Theilungslinie nicht im rechten oder linken Oberwinkel, sondern mehr nach der Mitte zu, so heißt der Schild ein. rechter oder linker Schrägfeiteschild (frz. éen tranché oder taillé en pointe). Die vier erstgenannten Hauptschildestheilungen dienen wieder zu manchen Neben⸗ oder Unterabtheilungen (frz. repartitions); so hat man den dreigetheilten Schild (frz. éeu tiersé) mit 2 lothrechten Theilungslinien; den viergetheilten Schild (frz. Ecu écartelé) mit einer Theilungs⸗ u. einer Spaltungslinie; den schräg viergetheilten Schild (frz. 6eu écartelé en sautoir) Zusammenstellung des Schulter⸗ und des Eckschnittes; den oliothe Heidelberg DFC geständerten Schild (frz. écu gironné), Verbindung aller vier Theilungen. Theilung und Spaltung lassen sich beliebig wiederholen; dadurch erhält z. B. ein einmal getheilter und zweimal gespaltener Schild 6, ein dreimal getheilter und zweimal gespaltener Schild 12, ein siebenmal getheilter und dreimal gespaltener 32 Quartiere oder Plätze. Bei so vielfacher Theilung steht meist im Mittelpunkt der Schild des Hauptstammes, als Hauptfeld oder Herzschild (frz. sur le tout). VI. Die Theilungslinien sind nicht immer geradlinig, sie heißen dann je nach ihrer Gestalt: Zinnenschnitt, frz. crénelés (Fig. 2098 a). Stufen⸗ oder Treppenschnitt, vivrs oder pignonné (Fig. 2098 bp). Zahnschnitt, groß, denché (Fig. 20986c), oder klein, denté, endenté, dentelé(Fig. 2098 d). Narben⸗ od. Kerbenschnitt. Sind bei letzterem die Kerben nach auswärts konvex, so heißt er ausgeschuppt, ausgebogen, frz rudenté (Fig. 2099), im andern Fall ausgebogt, eingeschuppt, frz. engréls (Fig. 2100). Wellenschnitt, frz. ondé (Fig. 21014), in sanften Wellenlinien. Wolkenschnitt, in schwach gebogenen, frz. ents (Fig. 2101 b), od. in starkgebogenen Wellenlinien, frz. nebulé (Fig. 21016), Astschnitt, frz. écots oder Cclaveté (Fig. 2101 d), Mondschnitt oder Zirkelschnitt, frz. arrondé (Fig. 2102a), Pfropfschnitt (geradliniger Querschnitt mit angesetztem Dreiviertelskreis),frz. ents d'une pièce; ist der Kreis nach unten gekehrt, so heißt der Pfropfschnitt ein rechter (Fig. 2102 b); ist der Kreis nach oben gekehrt, ein verkehrter od. Jochschnitt (Fig. 21026), Schlangenschnitt, tortillé (Fig. 2102d); Sichelschnitt, kaucillé (Fig. 21083); Spitzenschnitt, emmanché (Fig. 2104); Kreuzschnitt, coupé de eroix, croisette. Minder wichtig sind Herzblattschnitt, coupé arrondi en feuille od. feuil16e; Kleeblattschnitt, fleuronné, treflé, Krücken-Fig. 2102. Fig. 2103. Fig. 2104. Fig. 2106. Fig. 2107. 2106), so heißen die Abtheilungen von oben nach unten: 4) Hauptreihe, ) Ehreureihe, e) Band⸗„Mittel⸗ od. Herzreihe, d) Nabelreihe, e) Fußreihe. Bei Eintheilung in neun Quartiere (Fig. 2107) ist A D G die vechte, OFI die linke Seite, BE die Pfahlstelle, ürz. pal, A der rechte Oberwinkel od. die rechte Hauptseite, frz. Canton lestre de chef, B des Hauptes Mitte, point du chef, C linke Hauptseite, canton sinistre du chef, D rechte Herzseite, flanc dextre, H Herz, centre oder ooαeur, F linke Herzseite, tlanc sinistre, G. rechte Fußseite, canton dextre de la pointe, HFußes Mitte, pointe de la pointe, I linte Fußseite, canton sinistre de la pointe. Nimmt der Fuß weniger als ein Drittel des Schildes ein, so nennt man ihn Fläche (frz. plaine). VII. Die Felder sind meist von verschiedener Farbe, mit Tinktur, Pigment od. Schmelzwerk (frz. émail) überzogen, u. zwar wird angedeutet: Gold (frz. or), G., A, O, durch kleine Punkte, Fig. 2099 oben; Silber (frz. argent), 8, a, D, durch Freilassung, Fig. 2100 oben; Roth (frz. gueules), Rod. G, durch senkrechte Schraffirung, Fig. 2098 bei a etc., Blau (frz. azur) durch wägrechte Schraffirung, Fig. 2098 bei b, auch durch die Zeichen B, C, A.; Grün I(frz. sinople) durch die Zeichen Gr., Woder Ooder durch schräge Schraffirung von rechts oben nach links unten, Fig. 2098 bei e; Schwarz (sable) durch die Zeichen Schw., Soder 5, durch wägrechte u. senkrechte Kreuzschraffirung, Fig. 2099 unten; Purpur (pourpre) durch Schraffirung von links oben nach rechts unten, Fig. 2098 bei d; Violett (Violet) kommt selten vor u. hat keine besondere Bezeichnung; Grau (gris) ebenfalls; Orange (orange) durch senkrechte, von schräg nach rechts herabsteigender durchkreuzte Schraffirung, Braun (tanné) hat keine besondere Bezeichnung; Aschfarbe (cendre) ebenfalls nicht. Metall darf nie auf Metall, Farbe nie auf Farbe erscheinen; ausgenommen davon sind Figuren in natürlichen Farben und mancherlei Nebenwerk. VIII. Die Felder (frz. Champs, sols) selbst sind nun entweder ledig (frz. plein), od. mit iguren (auch Möbels genannt) besetzt. Einkleineres Feld neben einem größeren gilt als Figur. Ein Warteschild ist ein solches, dessen eines Feld leer ist. Redende od. Namenwappen (Rebuswappen) sind solche, deren Figuren sich auf den Namen des Besitzers des Schildes beziehen. Ueber die Figuren selbst s. d. Art.