Feedirische Hauten
ReligionBau-Lexikon 1881

irische Hauten, f. pl. Vor der normannischen Eroberung scheint in Irland keine in Schiffe getheilte Kirche bestanden zu haben, und eben so wenig ein Centralbau, sondern nur kleine Kapellen. Die englischen Archäologen nun wollen diese kleinen Bauten als Erzeugnisse einer besondern „keltischen“ Bauweise hinstellen; es sind aber nur theils ungeschickte, theils ärmliche Versuche, die trotzdem dem frühromanischen Stil angehören, soweit überhaupt Stilformen darin vorkommen. Diejenigen, an denen das nicht der Fall ist, gelten als die ältesten und sind allerdings durch ihre Konstruktion interessant. — Als allerältestes wird das Oratorium Gallerus betrachtet, welches dem 5. Jahrh., als der Zeit des h. Patrick zugeschrieben wird, s Fig. 1181 im Art. Dach. — In Fig. 2207 zeigt sich schon lombardischer Einfluß am Thurm etc. — Dieser Bau wird nebst einigen ähnlichen in das 7. Jahrh. datirt, darunter die Kapelle zu Kells. Dem 8. od. 9. Jahrh. schreibt man den Rundthurm in Kildare zu, dessen Portal Fig. 2208 darstellt, der aber wohl erst dem 10. Jahrh. angehört. Die etwa gleichzeitigen und wenig späteren Rundthürme, deren 118 bekannt sind, die zwischen 18 u. 40 m. Höhe variiren, sind meist etwas verjüngt u. mit einem Kegeldach, ähnlich demin Fig. 2207, bekrönt, selten mit Zinnen versehen. Die Thüre, welche in der Regel 3—7 m. vom Boden angebracht ist, hat meist gemauerte Gewände, die sich nach oben verengen, so daß ein im Rundbogen ausgearbeiteter Stein oder ein aus drei Steinen bestehender Rundbogen sie schließt; an dem Kämpferpunkte sitzt wohl ein Kopf, im Schlußstein ein Kreuz od. Kruzifix. Einige sind auch scheitrecht gedeckt (Fig. 178). — Die Fensterformen s. Fig. 177 e kg h. Als schönster unter diesen Thürmen gilt der von Ardmore (Fig. 2209) aus dem 12. Jahrh. Dem 10. Jahrh. zugeschrieben ist die Kapelle zu Killaloe (Fig. 1182 im Art. Dach), dem 11. die zu Roscrea, welche ein völlig angelsächsisches Portal hat Gleichzeitig ist vermuthlich dieKapelle auf der Insel Innis noch in dem Steindach etc. Bauten zeigt, ist die sog. welche 1134 geweiht ward. Der Chorraum f ist in der Weise von Fig. 1182 eingewölbt. Das Schiff hat ein Tonnengewölbe mit Quergurten. Aus eben derselben Zeit stammt das Kreuz zu Kells (Fig. 2212). — Von 1176 ab nahm Irland Theil an der architektonischen Entwickelung, Englands. Ueber den Sinn der Irmensäulen ist man noch nicht ganz einig. Einige halten sie für eines der Behörde des Orts zustehenden Rechts, zum Tode zu verurtheilen, gewesen seien; s. übr. d. Art. Hyrmensul.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 106Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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