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BaukunstBau-Lexikon 1881

Judenvier tel, n., im Orient Balata, ital. Ghetto. Da man im Mittelalter die Juden meist zwang, in besonderen, durch Thore abgeschlossenen Stadtvierteln zu wohnen, so zeigten diese Viertelvielfach besondere Eigenthümlichkeiten in Disposition u. architektonischer Durchbildung der Wohnhäuser; dieselben sind gewöhnlich sehr schmal undenthalten in der überwiegend großen Mehrzahl im Erdgeschoß nur einen Trödelladen und eine enge Hausflur, von der man auf einer engen, ärmlichen Wendeltreppe in das erste Obergeschoß gelangt. Hier nimmt den ganzen Vorderflügel eine Halle ein, die, oft mit dem größten Pomp dekorirt, nach der Straße zu in eine Fensterreihe oder in einen Erker sich öffnet. Diese Fenster sind meist eng vergittert. Im zweiten Geschoß oder in einem auf dem schmalen Hof stehenden Seitengebäude liegen dann die Schlafräume. In den wenigen Städten, wo die J. noch in altem Zustand erhalten sind, bieten sie einen willkommenen Anhaltepunkt für das Studium mittelalterlicher Profanarchitektur.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 128Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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