FeedMühle
AllerleiBau-Lexikon 1881

Mühle, f. frz. moulino, ital. mulino, gr. 4⁰Nn, lat. mola. I. Geschichtliches. Das älteste Zermalmungsmittel war ein Steinmörser mit hölzernen oder steinernen Keulen. Dieser ging allmählich in die Handmühle (mola buxea) über, indem man die Mörserkeule gezahnte Felgen zu einem Rad vereinigt und mit einem Wasserrad (rota aquaria) durch ein Daumenzahnrad (ympanum dentatum) in Verbindung gesetzt, so entstand eine Wassermühle (mola aquaria), kurz vor Augustus erfunden. Bei der mola versatilis wurden die Mählsteine, resp. Schleifsteine, durch eine Kurbel in Bewegung gesetzt, deren Kurbelstange mit einem Tretbret versehen war. Die Oelmühle (mola olearia) der Römer kennen wir nicht: eine andere Art der Oelmühle (tbrapetum) bestand in einem Becken oder Mörser (mortarium), in dessen Mitte ein Kegel (miliarum) sich erhob, auf dessen Zapfen eine Buchse (eupa) sich drehte; durch diese Buchse war eine Achse gesteckt, auf der calottenförmige Räder (orbes) steckten, die bei Umdrehung der zu einer Speiche verlängerten Achse im Mörser herumrollten. Zwei andere Oelmühlen, solea oder canalis und tudioula, sind uns ebenfalls unbekannt. Oeffentliche Wassermühlen werden erst 398 n. Chr. erwähnt. 536 ließ Belisar die ersten Schiffsmühlen anlegen. Die Windmühlen sollen im Orient erfunden worden sein, aber schon um 1040 soll es deren in Frankreich und England gegeben haben, 1105 werden sie zuerst urkundlicherwähnt. 1393 wurde eine Windmühle in Spanien erbaut, 1408 wurden sie in Alkmaar zum Wasserschöpfen gebraucht. 1650 wurde die holländische Windmühle erfunden. II. Eintheilung der Mühlen. X. Aach der Ark ihrer Eunktion. 1. Zermalmungsmühle, welche die zu mahlenden Körper zermalmt. Dazu gehören Getreide⸗ od. Mehl⸗, Traß- und Gips⸗, Grütz⸗, Graupen⸗, Chokoladen⸗, Cement⸗, Farbe⸗ und Lohmühlen etc. 2. Arbeitsmühle, durch welche die Körper blos in einen andern Zustand versetzt werden. Hierher gehören Schneide⸗„Oel⸗, Bohr⸗,Schleif⸗, Polir⸗, Walk⸗, Papier⸗, Webe⸗, Spinnmühlen etc. B. ach der bewegenden Kraft. Alle genannten Arten Min können je nach der bewegenden Kraft, welche man nach Pferdekräften zu berechnen pflegt, Wasser⸗, Wind⸗, Hand⸗,Tret⸗, Roß⸗ oder Dampfmühlen sein. III. Erbauung der Mühlen. Wir können natürlich hier blos Notizen geben. A. Wassermühle, franz. moulin à eau, bydralete, m., engl. water-mill. Allgemeines. Bei Anlegung derselben schreitet man zuerst zur Aptirung, d. h. zur Passendmachung des Strombetts und zu dem Aufdämmen des Wassers bis zu der Höhe, welche das erforderliche oder zu erreichende Gefälle bedingt. Erreicht wird dies durch den Grundwerksbau. Dazu gehört die Errichtung der Wehre, welche Ueberfall, Freiwehr oder Streichwehr, Aufzieh⸗ oder Schleusenwehr sein können (I.d. Art. Wehr), ferner die Anlegung der Gerinne, s. d. Art. Ablaß 3; Freigerinne, Gerinne, Fluder, Fluter etc. Besondere Wichtigkeit haben die richtige Anordnung des Vorherdes, die tüchtige Be⸗ —— festigung des Fachbaumes (s. d.) und die zweckmäßige Verbindung der Gerinne (f. d.). Der Fachbaum kommt entweder auf eine Grundmauer und auf dieser stehende Vorschußmauer, od. auf eine Spundwand (I. d.), od. auch nur auf sog. Sturzpfähle (s. d.) zu liegen, hinter welche dann noch eine Wand von gespündeten Bohlen gestoßen wird. Die Grundmauer muß von guten, lagerhaften Steinen aufgeführt und mit fettem Thonletten verbunden werden. Bei schlechtem Baugrund kann man die Grundmauer auf Rost gründen, der aber mindestens 28 unter dem tiefsten Wasserstand liegen muß. Die Vorschußmauer, worauf der Fachbaum liegt, muß oben wenigstens 55 em. stark sein und genügende Böschung haben, durch welche sich die Breite der Grundmauer bedingt. Kommt der Fachbaum auf eine Spundwand, so muß der Boden vorher gehörig untersucht werden, damit man die Länge der Pfähle bestimmen kann; s. übr. Pfahlrost u. Spundwand. Der Fachbaum erhält auf der Unterseite eine Nuth, welche genau auf die Zapfen der eingeschlagenen Pfähle gebracht wird, nachdem man die Zapfen der Spundpfähle mit feinem Werg überlegt und dasselbe mit heißem Pech über.I gossen. Hinter die J Spundwand bringt man der größeren Vorsicht halber noch eine 28—45em. starke Schicht von fettem Thon, welche sich aber etwa 1m. in die beiderseitigen Ufer hineinziehen muß. Ist der Fachbaum aufgebracht, so wird der Vorherd od. die Vorflut angelegt u. mit Bohlenbelegen versehen; s.d. Art. Herd, Vorherd etc. Erhöhung des Fachbaumes u. Veränderung des Sicherpfahls darf nur unter Aufsicht der Behörde vorgenommen werden. Auch ist es nicht erlaubt, die Mühlgräben zu erweitern, die Dämme zu erhöhen u. das Wasser darin aufzuhalten. Das eben Beschriebene ist allen Wassermühlen gemeinschaftlich. Man theilt dieselben folgendermaßen ein: 1. Oberschlächtige M., frz. m. & auges, 2 pots, engl. oVershot-mill. Hier ist der Gerinnboden oberhalb der höchsten Stelle des Rades u. die Einschußschaufel oberhalb der Wellenachse. Die Räder bestehen aus zwei NRadkränzen, mit schief dazwischen gestellten Schaufeln, die durch den am Innenrad der Felgen befestigten Radboden zu Sackschaufeln werden. Das Mäß der Schräge der Schauseln heißt Dockung od. Duckung, bei unbedeutenden Gefällen macht man die Räder sehr breit bei geringem Durchmesser (Walzenräder). 2. Mittelschlächtige M., ibliothek Heidelberg DFC der um die Ziehwelle gelegten Panfterkeite od., beim Stockpanster, mittels der Verschiebung des Welllagerriegels zwischen zwei Säulen. Die Pansterräder sind meist sehr breit; s. d. Art. Gang. Zu Regulirung des Wasserzulaufs dienen noch Schutzbreter oder Schützen, das Abwerk etc.;, s. dar. d. betr. Art. B. Schiffmühle, frz. m. à nef, sur bäteau, engl. shipmill. Dieselben werden auf großen Strömen, in welchen der Wasserstand sehr veränderlich u. man durch Umstände gehindert ist, das Aufschlagwasser durch Dämme od. Wehre zu reguliren, auf zwei Schiffen erbaut, wovon das eine, breitere und näher am Lande liegende, das Hausschiff, das andere das Wellschiff heißt. Auf ersterem befindet sich das ganze umgehende Mahlwerk, letzteres trägt nur das zweite Wellenlager u. ist durch Seile, Ketten u. übergelegte Balken mit ersterem verbunden. Beide sind durch Alühlanker u. Seile am Ufer und Flußbett befestigt. Das Rad hat keinen Kranz, sondern nur 10—12 Schaufeln, deren jede durch 4 Arme von 1½ —2,% m. Länge an der Welle befestigt ist. Zwischen Schaufeln und Armen sind Riegel, Sperrstöcke, eingesetzt. O. Windmühle, frz. m. 2 vent, engl. wind-mill Bei diesen geschieht die Umdrehung durch das Vorbeidrängen des Windes an den schiefen Flächen der Windmühlenflügel oder Ruthen; diese Flächen müssen daher eine dem ge-IBLIOTHEK EIDELBERG O Universitatsbiblio rades, d. h. eines Rades, an dessen Kranz Querhölzer, Spillen befestigt sind, an denen der Treibende weitergreift. Man läßt wohl auch Treträder durch Menschen treten. F. Dampfmühlen, frz. m. vapeur, engl. steam-mill, gleichen den anderen in der Konstruktion, nur sind die eigentlichen arbeitenden Organe miteiner Dampfmaschine (. d.) in Verbindung gesetzt. IV. Mühlwerke. Dieselben richten sich nach der Bestimmung der M.n. 1. Getreide-oder Mahlmühlen. Das arbeitende Organ besteht aus zwei cylindrischen Steinen, wovon der eine fest liegt (Bodenstein, f. d.), der andere sich dagegen mitseiner unteren Fläche auf der oberen Fläche des Bodensteins bewegt (Läuferstein, s. Läufer 1.). Durch eine in den Bodenstein eingelassene Buchse von hartem Holz geht des Läufersteines vertikale eiferne Welle, das Mühleifen, welches unten in einer Pfanne auf dem Steg steht und mit demselben gehoben und gesenkt werden kann. Oben wird ein anderes, mit zwei schwalbenschwanzförmigen Ansätzen in den Läuferstein eingelegtes, viereckig durchlöchertes Eisenstück, die Haue oder Haube, an das Mühleisen angesteckt, wodurch die Drehung des Mühleisens dem Läuferstein mitgetheilt wird. Dem Bodenstein eine feste Stellung zu geben, dient das Mühlgerüst (s. d.). Dem Mühleisen wird die Bewegung von der Radwelle mittels eines an dieser Welle sitzenden Kammrades und der auf der othek Heidelberg DFC Spindel oder dem Mühleisen sitzenden Laterne (Drilling) mitgetheilt. An der unteren Scheibe der Laterne sitzen zwei Daumen, die an einen immer wiederkehrenden hölzernen Arm schlagen und so das Beutelwerk bewegen, zugleich aber das unangenehme Klappern erzeugen. Neuerdings geschieht die Uebertragung dieser Bewegung meist nach Fig. 2644 und 2645. An der Welle A des Walzenrades sitzt ein konisches Rad, welches das konische Getriebe an dem Schaft B umtreibt. Bei eingängiger M., Fig. 2644, ist B zugleich das Mühleisen; bei zwei Gängen aber, Fig. 2645, trägt das Stirnrad O die Bewegung auf die Stirngetriebe Du. Eüber, deren Wellen Falso die-Mühleisen sind. Die Pfanne, in der das Mühleisen sitzt, kann mittels Schneckenrädern gehoben und gesenkt werden, um so den Zwischenraum zwischen beiden Steinen nach den Getreidesorten etc. zu regeln; es kann aber auch das Getriebe gesenkt und dadurch ausgerückt werden, wie bei E in Fig. 2645 angenommen. Aus derselben Figur sieht man, daß das Mühleisen durch die Buchse des Bodensteins geht. Diese Buchse ist von Gußeisen mit messingenem Futter, welches zugleich eine Schmiervorrichtung enthält. In dem runden Loch des Läufersteins, dem Läuferauge, steckt statt der festen Haue eine schwebende, d. h. das Mühleisen ist oben abgerundet, die Haue aber hat eine entsprechende Pfanne und zwei Einschnitte, an denen sie die an der Spindel sitzenden Mitnehmer packen und herumführen; oder, noch besser, der Stein ist durch zwei ins Kreuz gestellte Zapfenpäre an den Kopf des Mühleisens angehangen. Vin unserer Figur ist der Rumpf, in den das Getreide geschüttet wird; unter ihm hängt der etwas geneigte Rüttelschuh L, der durch die Daumen oder den Staffelring K des auf der Haue sitzenden Stäbchens, des Rührnagels, gerüttelt wird und so kleine Partien des Getreides in das durch die Haue nicht ganz ausgefüllte Läuferauge, da hindurch aber auf den Bodenstein fallen läßt. Das Klötzchen p hängt an einer Schnur, an deren anderem Ende, im Rumpf unter den Körnern, ein noch kleineres Klötzchen liegt; ist der Rumpf beinahe leer, so lasten die Körner nicht mehr genug, b sinkt bis a herab. Der Daum a sitzt auf dem Rührnagel, dreht sich mit demselben und dadurch wird die Klingel o bewegt, das Zeichen, daß neu aufgeschüttet werden muß. Die neuen Kunstmühlen, meistens Dampfmühlen, gewöhnlich amerikanische Min genannt, sind sehr verschieden eingerichtet, und man unterscheidet bes. das englische und französische System. Wir geben, da schon die bloße Erwähnung aller Arten zu weit führen würde, nur in Fig. 2646 eine M. nach Fairbairns System. Die Maschine 8 hat ein gezahntes Schwungrad 9, welches mittels des Getriebes 10 die Betriebswelle 11 umtreibt, die wiederum mittels der konischen Räder 12 die Mühleisen bewegt, deren jedes ein konisches Getriebe hat. In den Gehäusen 13 stecken die Steine. Das Getreide kommt links oben aus den Reinigungsmaschinen und wird durch die Mehlschraube 14 in die Rümpfe 1 5vertheilt, aus denen es durch Blechröhren in die Regulirungstrichter 2 und weiter in die Steine fällt, von wo das Mehl durch die Rohre 4 nach einer Rinne geht, in der es wiederum durch eine Mehlschraube einem Paternosterwerk (Elevator) zugeführt und von diesem in die Beutelmaschinen gehoben wird, denen die Maschinenkraft durch die Vorrichtung 5, 6,7 zugeführt wird. — 2. Graupenmühle. Diese unterscheidet sich von der Mahlmühle hauptsächlich durch die etwas weitere Stellung der Steine, sowie durch die Anbringung des Schälwerks, Sortirwerks re. — 3. Oelmühle. Zur Oelmühle sind erforderlich: die Reinigungsmaschine, das Quetschwerk, der Wärmer und die Presse. Früher bestand das Quetschwerk nur aus Stampfen, jetzt jedoch meist aus dem Walzwerk, dem Stampfwerk und den Oelgängen. Die Quetschwalzen sind meist , 0%6 m. lang und haben 0, 0 —0,35 Durchmesser. Sie sind von Gußeisen und 0,3 0, im Guß stark, so daß man sie einigemal durch Abdrehen neu glätten kann. Sie machen in der Minute 33—40 Umdrehungen. Der sich anhängende zerquetschte Samen wird durch Abstreichen von den Walzen entfernt. Das Stampfwerk besteht aus Stampfen, die, durch die Daumen einer Welle gehoben, in die Grube des Grubenstocks niederfallen. Sie bestehen meist aus hartem Holz und stehen zwischen Riegeln, Scheiden, die in Gerüstsäulen eingelegt sind. Der Oelgang endlich besteht aus einem Herd⸗ oder Bodenstein, in dessen Mitte der Ständer, eine vertikale Welle, steht; in einem Schlitz des Ständers liegt die Achse, an welcher Läufersteine stecken, die bei Drehung der Welle auf dem Bodenstein herumrollen. Die Läufersteine sind cylindrisch od. konisch, haben 10—15em. Durchmesser und 40em. Länge, machen per Minute 6 bis 8 Umdrehungen und mahlen bei 1½¼ Pferdekraft in einer Stunde einen Scheffel Raps. Eine Oelmühle mit einem Walzenquetschwerk, zwei Mahlgängen und einer Presse mahlt bei 4—5 Pferdekraft 3 Wispel Samen in 24 Stunden. — 4. Lohmühle (f. d.), besteht meist aus Stampfwerk und Mahlgang. Ersteres ist dem der Oelmühle ähnlich, letzterer wie bei Getreidemühlen eingerichtet. Ein Läuferstein, bei etwa 1,½m. Durchmesser u. 35 em. Höhe, mahlt per Stunde 450 Pfund gehackte Rinde, macht 100 Umdrehungen per Minute und fordert 4 Pferdekräfte. — 5. Traß⸗ und Gipsmühle. Ein Mahlgang mit zwei im Durchmesser u. 23 Umdrehungen per Minute machend, liefert bei 5—6 Pferdekräften in einer Stunde 6—800 Pfund feingekörnten Traß, aber nur 4—500 Pfund Gips, welchen man zum Feinmahlen noch unter einen besonderen Stein bringen muß. — 6. Hirsemühle. Die Stampfen der Hirsemühle sind ein halbmal schwerer als die der Oelmühle. Ihr Fuß wird nach unten etwas mehr abgeschrägt und der Schuh, möglichst glatt, darf nie den Boden der Grube erreichen. — 7. Walkmühle. Die Stampfen der Walknrühlen sind eigentlich Hämmer, der Grubenstock wird hier Walk⸗ oder Waschstock genannt. In jeder Grube. arbeiten zwei Hämmer. Die Gruben sind nur vorn und hinten gewölbt, die Stirnseiten sind vertikal. Die Hämmer sind nach einem Bogenstück gearbeitet, dessen Mittelpunkt der Drehpunkt der Schwingen (Stiele) ist. — 8. Säge- oder Schneidemühle. Die hauptsächlichsten Vorrichtungen bestehen in dem Sägegatter und in dem S chlitten, auf welchem das zu trennende Holz liegt und der gleichzeitig durch die Maschine horizontal vorgeschoben wird. Weiteres s. in d. Art. Sägemühle. — 9. Cementmühlez fast wie die gewöhnliche Getreidemühle eingerichtet; dient zu Zerreibung der zu Bereitung des Cements nöthigen Materialien, nachdem dieselben in einer Stampfe zu kleinen Stücken zerstoßen sind.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 414Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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