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Handwerk & GewerbeBau-Lexikon 1881

Seitenmäß, Fliesen sowohl in reiner Thonmasse (sogen. Utzschneidersche), u. zwar in Sechsecken von 10em. Seitenlänge u. 25 m. Stärke, gelb, schwarz und roth, ferner in glatten Quadraten von 20 em. Seitenlänge und 25 m. Stärke; schmal diagonal gerieft zu 16 em. Seitenlänge, 33 wm. stark, u. quadrirt zu 14 cm. Seitenlänge, 40 u. 50 mm. stark, nur gelb, als auch in Klinkermasse (Steinzeug) zu 150, 159, 170 mm. Seitenlänge, resp. 30 und 456mm. Stärke, braun, gelb und rothbraun. d) Empfehlenswerth sind auch die Röhren von Nordmanu in Treben u. Haselbach, deren Prüfung ganz ähnlich günstige Resultate ergab. 4. Die feine Fanence besteht aus geschlämmtem plastischen Thon mit Zusatz v. Quarz-od. Feuersteinpulver; wird meist mit bleihaltigem, durchsichtigen Krystallglas als Glasur überzogen. — 5. Zur Fabrikation der gemeinen Fayence dienen Töpferthon, plastischer Thon, Kalkmergel u. Quarzpulver in verschiedenem Verhältnis. Die Ofenkacheln werden aus ihr gefertigt. — 6. Die Fabrikation der thönernen Pfeifen, der Kühlkrüge od Alcarazzas schließt sich derFayence eng an. Die Pfeifen werden aus einem ziemlich eisenfreien Thon, dem Pfeifenthon, dargestellt. Die Alcarazzas erhalten nach dem Brennen keine Glasur, sie bleiben porös. — 7. Das gemeine Töpferzeug wird aus plastischem Thon, Töpferthon, gemacht, aus dem man die größeren Steineausliest; dieser Thon ist in der Regel ziemlich kalkhaltig u. kann keine hohe Temperatur vertragen, ohne zu schmelzen. Den fetteren Thon, der sich nicht zu Töpfergeschirreignet, mengt man mit magerem od. mit Lehm, formt u brennt dann das Gemenge. — 8. Zur Ziegelfabrikation werden am meisten die dicht unter der Erdoberfläche sich findenden eisenhaltigen, als Ziegelerde bekannten Thonarten verwendet; s. d. Art. Ziegelfabrikation etc. — 9. Zu Thonornamenten verwendet man sowohl sehr gereinigte Ziegelerde als auch Töpferthon. Von dem Grade des Eisengehalts und anderen Beimengungen hängt die Farbe ab, welche die Masse nach dem Brennen zeigt, wo sie dann Terracotta (s. d.) genannt wird. Feinere Terracotta wird so bereitet wie Fayenee und kann auch so glasirt werden. — 10. Die Chamotte, eine Mischung aus frischer Thonmasse mit entsprechenden Mengen schon gebrannter und gepulverter Masse, meist von Porzellanmuffeln, welche zusammen gebrannt wird; dient zur Fabrikation feuerfester Bausteine. — 11. Aus ähnlichen Massen, wie die feuerfesten Steine, stellt man Tiegel dar; die hessischen Tiegel z. B. durch Vermischen von 1 Th. Almeroder feuerfestem Thon mit ¼/ Quarzsand, oder man fabrizirt sie aus 2 Th. gebrannter Chamotte u. 1 Th. ungebranntem feuerfesten Thon. Die Graphittiegel bestehen aus 1 Th. feuerfestem Thon und 3—4 Th. Graphit. Die Graphittiegel zum Schmelzen von Gußstahl werden aus gleichen Volumtheilen Stannyton⸗ und Stourbridgethon, /% gepulverter Tiegelscherben und /½% Kohks gefertigt. II. Formen der T. Hier ist natürlich das Verfahren, wie auch beim Bereiten der Masse und beim Glasiren nach den verschiedenen Arten der zu erzeugenden Körper, sehr verschieden; Thonornamente u. statuarische Arbeiten werden vielfach aus freier Hand geformt, d. h.modellirt, bossirt werden müssen. Behufs Erzeugung mehrerer gleicher Exemplare drückt man den Thon in Formen, die aus Gips, Holz, Metall, Schwefel etc. gefertigt sein können, entweder mit der Hand od mit Hülfe von Maschinen ein. Zu Formung einfacher Körper, z. B. Ziegel, Platten, Röhren etc., bedient man sich vorwiegend der Maschinen, bes. der Pressen. Näh. s.theils in der Spezialliteratur, theils in d. Art. Formen, Abdruck, Gefäße, Kacheln, Fliese, Ziegelfabrikation etc. III. Brennen der T. Auf die manchfachen Konstruktionen der Oefen etc. können wir uns hier nicht speziell einlassen. Wir verweisen daher auf das in den Art. Brennofen, Porzellan, Ziegelfabrikation etc. Gesagte u im Detail auf die in dieser Beziehung sehr reiche Spezialliteratur. IV. Glasuren für die verschiedenen T. 1. Das Porzellan, aus Kaolin dargestellt, würde sich zu einer undurchsichtigen, erdigen Masse brennen; um es glasglatt auf der Oberfläche erscheinen zu lassen, wird es mit einer Glasur versehen. Diese Glasur enthält dieselben Bestandtheile wie die Grundmasse, aber in solchem Verhältnis, daß sie bei niedrigerer Temperatur flüssig wird als die Grundmasse. Im allgemeinen wendet man auf 4 Th. geschlämmten Kaolin 1 Th. durch Feldspatgehalt schmelzbaren Sand an. Damit die Masse beim Brennen nicht rissig wird, setzt man gewöhnliche Kreide zu, und zwar dann auf 70 Th. Kaolin 25 Th. Sand u. 8 Th. Kreide. Diese Verhältnisse müssen aber oft abgeändert werden, da es ganz auf die Zusammensetzung des Kaolins ankommt. Wir verweisen hier auf die betreffende Literatur. — 2. Beim feinen Steinzeug ersetzt gewöhnlich die oberflächliche Schmelzung die Glasur. Will man eine künstliche Glasur haben, so überzieht man das Innere der Kapseln, in welchen die Geschirre stehen, mit einer Mischung von 60 Th. Kochsalz, 28 Th. Potasche und 5 Th. Bleioxyd. Die sich entwickelnden Dämpfe von Kochsalz und Chlorblei überziehen die Mafsfe mit einem Glas. — 3. Das Innere von Gefäßen überzieht man auch häufig mit einer Bleioxyd u. Borsäure haltenden Glasur; z. B. aus 35 Th. Feldspat, 25 Th. Quarzsand, 20 Th. Mennige, 15 Th. gebranntem Borax und 5 Th. Potasche. — 4. Die Glasur für feine Fayenee ist sehr schwierig herzustellen; sie muß hart genug sein und darf keine Neigung haben, Risse und Sprünge beim Erkalten der gebrannten Wäre zu bekommen. — 5. In England verwendet man häufig den aus Peru kommenden borsauren Kalk zu Glasur. Die Glasur des Geschirres von Creil besteht aus 40 Th. Borax, 25 Th. Feldspat, 20 Th. kohlensaurem Kalk, 20 Th. Mennige, 19 Th. Bleiglätte. Dieses Gemisch wird zu Glas geschmolzen u. 62 Th. davon mit 13 Th. Feldspat u. 25 Th. Quarzpulver gemengt und auf die Masse aufgetragen. — Die gemeine Fayence wird mit einem Glase aus Kieselerde, Bleioxyd und Alkali, welches durch Zinnoxyd u. Antimonsäure in ein undurchsichtiges Email verwandelt wird, glasirt. Man stellt Oxydgemenge von 77 Th. Bleioxyd und 23 Th. Zinnoxyd, oder 17 Th. Zinnoxyd u. 77 Th. Bleioxyd (für weichere Glasur) dar. Vom ersteren (härtere Glasur) schmilzt man 45 Th. mit eben so viel Auarz und 2 Th. Mennige, 5 Th. Kochsalz u. 3 Th. kalzinirter Soda zusammen; für die weichere Glafur werden auf 45 Th. der Oxydgemenge nur 3 Th. Soda und 7 Th. Kochsalz zugesetzt. Die gemahlenen Glasuren werden mit Wasser zu einer Schlämpe angerührt u. durch Eintauchen, Begießen oder Schwenken auf die Gefäße aufgebracht. — 7. Eine gute weiße Ofenkachelglasur kann zusammengesetzt werden aus 23 Th. Bleioxyd, 15 Th. Zinnoxyd, 43 Th. Kieselerde, 0,, Th. Eisenoxyd u. 3 Th. Kalk; durch Fritten von 25 Th. Mennige, 16 Th. Zinnoxyd, 38 Th. Quarz, 12 Th. Thon, eirca 10 Th. Kalk und Magnesia und 18 Th. Soda würde man eine ähnliche Glasur erhalten. — 8. Die Glasur für gemeines Töpferzeug wird am häufigsten aus Bleiglätte und Thon hergestellt. Je nach der Beschaffenheit des Thones, den man verarbeitet, wechselt die Menge des zusetzbaren Bleioxydes. siothek Heidelberg DFC Uebliche Verhältnisse sind: 7 Th. Glätte auf 4 Th. Lehm, oder 4 Th. Glätte auf 1 Th. Thon und 1 Th. Sand oder 2 Th. Glätte, 2 Th. Soda u.1 Th. Sand auf 4 Th. Lehm. In neuerer Zeit hat man als Ersatz der Glätte 5Th. Zinkblende, mit 22 Th. Glaubersalz u. 20 Th. Sand gemischt, vorgeschlagen. — 9. Wasserdichte Glasur für thönerne Geräthschaften. Mit Wasser besprengter und zu Pulver zerfallener Kalk wird mit konzentrirter Boraxlösung zu einem dicken Brei gemacht, und dieser auf die Wände des Gefäßes, welche verglast werden sollen, aufgetragen; dann läßt man langsam trocknen und erhitzt schließlich das Gefäß bis zum Schmelzen der Glasur. V. Fürbige Glasur: 1. Bereitung des Flußmittels: 30 Th. Harz werden in eine Kapsel gethan und in ein nach und nach erwärmtes Sandbad gestellt; dann setzt man in Eisenoxyd und 18 Th. Lavendelöl portionenweise unter beständigem Umrühren zu; ist Alles gleichmäßig, so läßt man es erkalten u. fügt noch 20 Th. Lavendelöl zu. Dies giebt nach dem Brennen, je nach der angewendeten Menge des Flußmittels, von welchem /5— , zugesetzt wird, eine rothe, Orangen⸗ oder Nankinfarbe oder beliebige Mitteltöne. e) Polirtes Gold; entsteht durch Vermischung von 2 oder 3 Th. Uraniumpräparat mit 1 Th. Eisenpräparat. d) Regenbogenfarben. Hierzu nimmt man entweder Ammoniakgold od. blausaures Gold u. Quecksilber, Goldjodüre od. Goldtinktur. Eine dieser Massen wird auf einer Palette mit Terpentinöl zu einem Teig gerieben, den man trocknet, um ihn mit Lavendelöl zu verreiben; dann setzt man zu 1 Th. dieser Masse 1, 2, 3 oder 4—10 Th. des obigen Flußmittels zu. Nach erfolgtem Ueberzug über- und 2, m. Höhe. Bei Tien, die überbaut werden, u. meist Thorweg, Einfahrtsthor, Unterfahrt etc. genannt werden, kann man die Seitengewände, Thorgewände, aufmauern oder aus Werkstücken zusammensetzen; sie können dann scheitrechten Sturz, gedrückten oder vollen Bogen erhalten. Zu Seiten des Tes bringe man, wo es der Raum gestattet, Thüren für die Fußgänger an. Man fertigt die Thorflügel aus Eisengitter, aus Eisenrahmen mit Blechbeschlag, aus starken Bohlen oder Bretern, endlich auch und zwar am elegantesten aus Rahmen mit eingestemmten oder überschobenen Füllungen, je nach dem Stil des Gebäudes. Das Beschläge, Thorbeschläge, besteht entweder aus Angeln, Zapfen und Pfannen, oder aus langen eisernen Bändern, die in Haspen hängen, welche in der Wand oder in dem Thürgewände befestigt sind. Noch besser ist es, die eisernen Bünder, statt in Oehre, in überspringende Zapfen endigen zu lassen u. Pfannen statt der Haspen zu gebrauchen. Für das Hängen in Angeln eignet sich die Konstruktion in Füllungen weniger gut als die ältere, noch jetzt für Scheunenthore gewöhnliche: jeder Flügel erhält eine Drehspille u. eine schräge Strebe, vom unteren Theil der Drehspille nach dem oberen Ende des Flügels, sowie einige Querriegel, und dieses Gerüst wird mit Bretern belegt, die am häufigsten lothrecht oder schräg stehen. Der Verschluß geschieht dann mittels eines drehbaren Querriegels, der sich in Haken an beiden Flügeln einlegt. Bei weiten, bes. nicht überbauten Ten, also bei Hofthoren, Gartenthoren etc., bringt man gern unten am vorderen Ende des Flügels eiserne Rollen an, da die Thorflügel viel Uebergewicht haben; doch sind sie nur da anwendbar, wo der Fußboden hart u. eben ist. Trotzdem müssen die Pfeiler solcher Tie, Thorpfeiler, sehr viel Wuchtung aushalten, und es ist daher kaum anzurathen, sie aus Ziegeln aufzumauern. Bei solchen nicht überbauten Ten sindeingegrabene Chorsänlen von Holz nicht unzweckmäßig, obgleich nicht so dauerhaft wie monolithe Thorsänlen aus Stein, die aber mindestens 0¾% M. im Boden stehen müssen. Bei überbauten T.en ist von monolithen Gewänden ebenso abzurathen als von hölzernen Thorsäulen. Zu Erreichung größeren Haltes. bei nicht überbauten Ten mit gemauerten Pfeilern überlegt man gern die Thoröffnung zwischen den Pfeilern mit einem kleinen Dach (holländisches T.). Vergl. übr. d. Art. Stall, Scheune, Hofthoretc. — 2. T. als selbständiges Bauwerk, meist wohl Stadtthor, frz. Porte de ville, engl. towngate. Vergl. zunächst d. Art. Stadtthor, Festungsbau, Burg, Ortsanlagen, Radstößer, Fallgatter, flämische Pforte etc. Bei Festungen nach bastionirtem System sind die T.e in der Courtine, in der Mitte einer der Facen des ausspringenden Winkels aber beim tenaillirten System angebracht und das Hauptthor gewöhnlich überwölbt.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 336Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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