Feedtreppen vor
BaukunstBau-Lexikon 1881

treppen vor, die außerhalb des Gebäudes liegen, d. h. an einer Ecke od. Seite des Thurmes, od. auch rings um den Thurm außen angehängt oder herausgekragt sind. C. Lage, Breite und Steigung der Treppe. Was zunächst die Lage betrifft, so lege man die Haupttreppe stets so, daß sie in möglichst guter, bequemer und freier Verbindung mit den Haupträumen stehe, für den Fremden leicht zu finden sei und dennoch keinen für andere Zwecke kostbaren Raum wegnehme; sehr zu empfehlen ist für nicht zu hohe Gebäude, namentlich wenn sie frei stehen, die T. ganz in die Mitte zu legen, und samt dem an sie sich anschließenden Vorplatz von oben durch ein im Dach angebrachtes Oberlicht zu beleuchten. Dies gewährt den Vortheil, daß man Zugluft auf der X. vermeiden und dennoch die T. als Ventilator für das ganze Haus gebrauchen kann; daß man ferner die mit direktem Licht versehbaren Räume alle für Zimmer benutzen kann u. daß man durch die Podeste etc. nicht in der Fensteranlage gestört wird. Will man bei hohen Gebänden solche Oberlichttreppen anwenden, so hüte man sich sehr, die Oberlichtöffnung und den entsprechenden Raum zwischen den Treppenarmen nicht zu klein zu machen. Die Breite einer T. muß nach der Anzahl der dieselbe passirenden Personen bemessen werden, wobei man als Minimum 60 em. anzunehmen hat für Nebentreppen, für Haupttreppen bei Wohngebäuden 1 W., bei Theatern, Ballhäusern, Fabrikgebäuden etc. 1½ W. Was die Steigung der Ten anbetrifft, so hat man lei Angaben gemacht, um Bequemlichkeit des Aufsteigens zu erzielen. Wenn z. B. o die Breite, h die Höhe einer Stufe bedeutet, so soll die L. sich bequem steigen lassen, wenn nach einer Lehre die eine, nach einer andern die andere der folgenden Formeln benutzt wird: 13, die sächsische Baupolizeiordnung bestimmt sogar, daß b+h ⸗= 0% m. sein soll, wobei empfohlen wird, h zu 15—17 em. zu nehmen, so daß also 15 zu 32, 16 zu 31 u. 17 zu 30 empfohlen sind, aber auch 13 zu 34 und 20 zu 27 dem Gesetz enisprechen würde! Alle diese Regeln kommen der Wahrheit ziemlich nahe, lassen aber doch sehr unbegueme Anlagen zu. Folgende auf Erfahrung gegründete Tabelle giebt nähere Auskunft. (Die Maße in Centimeter.) Steig. Auftr. 744 verlangt zu lange Schritte, ebenso 8, 43 u. 9, 42, 7 43 aufwärts bequem, abwärts ermüdend, äußerst 7 38 verlangtzu kurze Schritte, ebenso 9, 36 u. 10, 33; 8 40 ziemlich bequem bei langsam gehen, ebenso 9,39; 10 43 ermüdet durch zu lange Schritte; 10 38 auf-u. abwärts ziemlich bequem, sehr vornehm; 10 33 verlangt zu kurze Schritte; 12 483 ermüdet die Kniee und Schenkel; 12 38 ermüdet die Schenkel; 12 36 ermüdet etwas weniger; 12 38 steigt sich beguem, vornehm; 12 31 verlangt zu kurze Schritte; 14 33 ermüdet die Kniee nur wenig: 14 31 steigt sich gut, ermüdet aber bei großer Stufen14 30 hat diesen Fehler in minderem Mäße; 14 209 verlangt zu kurze Schritte, schlecht für kleine 15 383 verlangt zu lange Schritte, auch für mittlere 15 32 ist ziemlich beguem strengtaber kleine Personen 15 31 steigt sich bequem für mittlere Personengrößen, 15 30 steigt sich für kleine Personen sehr bequem; 16 32 ein wenig bequemer wie 15, 33; 16 31 etwas bequemer wie 15, 32; 16 30 beinahe so gut wie 15, 31, 16 209 verlangt zu kurze Schritte für große Personen, 17 31 steigt sich bequem, anständig für Wohnhäuser; 17 30 steigt sich sehr gut; 17 29 steigt sich gut, wenn man schnell geht; paßt für 17 28 etwas zu kurze Schritte, für Kinder sehr gut; 18 29 steigt sich gut; 18 28 steigt sich sehr gut; 18 26 verlangt zu kurze Schritte; 19 26 steigt sich noch ziemlich bequem; 19 24 unbequem, ermüdet die Fersengelenke; 19 22 ziemlich unbequem; 22 22 sehr ermüdend; 24 22 kaum noch anzuwenden, nur für Bodentreppen. Dabei sei noch bemerkt, daß man die sehr flachen Ten, frz. à giron rampant, engl. flat-stairs, z. B. vor Kirchen u. sonst da, wo sie zu Prozessionen etc. benutzt werden, auch in Parks etc. anwenden kann. Die romanischen T.n, frz. . Vis u. St. Gilles, findet man hier u. da in Schloßthürmen, ja auch in Kirchthürmen, die dann Eselsthürme heißen. D. Anordnung und Führung der Treppen. Außer der Stockwerkshöhe hat auch der vorhandene Raum, nebst noch manchen sonst einschlagenden Anforderungen, Einfluß auf die Anordnung der Ten; besonders ist gewöhnlich die Lage für Antritt u. Austritt fest bestimmt. Bei beiden, also vor der Ansangsstufe und hinter der Austrittsstufe, muß für einen hinreichend geräumigen Podeft gesorgt werden. Ferner muß, von der Vorderkante irgend einer Stufe bis zur Hinterkante der lothrecht darüber liegenden, eine Lichtenhöhe, frz. 6cbappée, von mindestens 2,% m. bleiben, sonst bekommt man einen Kopfstoß, frz briss-Cou. Unẽnter Rücksicht auf alles das wird nun die T.konstruirt u. die Stufen eingetheilt. Dabei darf man nicht zu viele Stufen in ununterbrochener Reihenfolge, in einer Treppenflucht, einem Treppenzweig, Treppenarm, Treppenast, Treppenlauf, franz. branche, rampe, volée d'escalier, engl. flight of steps, annehmen, nur bei sehr bequemer Steigung oder wenig benutzten Tin sollte man mehr als 12 Stusen ohne Ruheplatz, Podest, Flötzen,

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 367Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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