FeedWärme
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Wärme, k., frz. Chaleur, f., calorique, m., engl. heat, caloric, lat. calor, Zustand, dessen alle Körper fähig sind; früher irrig für die Wirkung eines besonderen Wärmestoffs, frz. Calorique, m. engl. caloric, gehalten. Alle Körper dehnen sich aus, sobald man ihnen W. zuführt, und zwar im allgemeinen feste Körper am wenigsten, gasförmige am stärksten. Bei festen Körpern geschieht die Ausdehnung nahezu proportional der Wärmezuführung; hat also ein Körper bei tue die Länge l1 und bei tze die Länge 12, ist ferner d die Längenzunahme für die Wärmezunahme um wonach also der Ausdehnungskoeffizient für nicht kompressible Gase am kleinsten ist, und wächst, je leichter das Gas verdichtet werden kann. Diejenige Wärmemenge, welche nöthig ist, um die Temperatur der Gewichtseinheit Wasser von 0° auf 1e zu erhöhen, wird bei Vergleichung der Wärmemengen als Einheit angenommen und heißt Wärmeeinheit oder Calorie, frz. calorie, unité de chaleur, iglit / mothes 18845d4/0456 K Heidelberg DFC engl. Unity of heat, calory; s. d. Art. Heizkraft, bes. aber Art. Kraft zu Ende. Es sind bei verschiedenen Stoffen sehr verschiedene Wärmemengen nöthig, um ihre Temperaturen bei gleichen Gewichten um eine gleiche Anzahl Grade zu erhöhen; die Fähigkeit derselben, W. aufzunehmen, die sogen. Wärmekapazität, ist daher verschieden. Man nennt die Anzahl der Wärmeeinheiten, welche nöthig sind, um die Gewichtseinheit eines Körpers auf eine um 1 höhere Temperatur zu bringen, das Wärmeäguivalent, die spezifische . desselben. Dieselbe ist für Blei 0,,„ Eisen 0, 14, Glas Messing 0,, Platin 0,43, Schwefelsäure 0,%%„Silber 0,Hs/ Stahl 0,117, Steinkohle 0,201, Wasserdampf 0,4, Wismuth 0,21, Zink 0,56, Zinn 0,53. Vgl. auch d. Art. Schmelzpunkt, Siedepunkt, Temperatur, Thermometer, latente W., spez. W., Calorie, Hitze, Kapazität 2., Imponderabilien etc. Im Bauwesen hat man es in der Regel nur mit künstlich erzeugter W. zu thun; die Mittheilung derselben geschieht durch Wärmeansstrahlung, frz. xayonnement de la chaleur, engl. radiation of heat, oder durch Wärmeleitung, franz. Conductibilité, engl. conduction of heat; direkt durch Ausstrahlung, z. B. bei Kaminen. Man nennt die strahlende oder ausgestrahlte W., frz. chaleur rayonnante, engl. radiating oder radiant heat, auch wohl freie, ungebundene W., frz. Chaleur apparente, sensible, engl. free, uncombined heat, die geleitete aber gebundene, latente W., franz. chaleur latente, engl. latent heat, obschon das nicht ganz genau zutrifft, da ja bei der geleiteten W. immer ein Theil derselben frei wird und anderseits ein Theil der Wärmestrahlen, frz. rayon calorifique, engl. ray of heat, durch die Luft gebunden wird. Aber nicht blos das Feuer, sondern auch jeder erwärmte Körper strahlt W. aus, und zwar wird er, je lebhafter die Leitung und die Ausstrahlung geschieht, um so schneller erkalten. Die Schnelligkeit der Leitung aber hängt von der Substanz des Körpers und von dem Zustand der Oberfläche ab. Soweit das Wärmeleitungsvermögen, frz. pouvoir conducteur, engl. conducting-power, von der Substanz abhängt, nennt man die Körper gute, mittlere und schlechte Wärmeleiter. Gute Wärmeleiter sind alle Metalle, mittlere sind Stein, Ziegel, gebrannter Thon, Wasser; schlechte sind Federn, Häre, Stroh, Holz, stagnirende Luft. Ein Raum, der mit schlechten Wärmeleitern umgeben ist, wird die in ihm erzeugte Temperatur lange behalten; ein mit guten Wärmeleitern umgebener Raum wird sie schnell seiner Umgebung mittheilen, d. h. ein eiserner Ofen heizt schnell; ein hölzernes Gebäude hält sich länger warm als ein steinernes. Betr. den Zustand der Oberfläche ist zu bemerken, daß rauhe Körper besser leiten als glatte, u. dunkle besser als helle. Dadurch kann man die Wärmeleitungsfähigkeit bestimmen. Bei Anlage von Räumen u. Heizungsvorrichtungen richte man sich mit der Wahl der Materialien hiernach; s. Heizung, Ofen etc. WMärmekamin, Heiznamin, m., s. Kamin.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 446Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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