Zopfstil, m., Härbeutelstil, Rococostil, Jesuiter frz. style Louis XV., style Pompadour, rocaille, C00, blühte circa 1710— 1780; vgl. hierzu d. Art. Roc Da man im gewöhnlichen Leben den Ausdruck Zopf alles Geschmacklose, Widersinnige, einem überwunder Standpunkt Angehörige anzuwenden pflegt, so könnte m eigentlich den Verfall jedes Baustils mit dem Namen Z bezeichnen, also von einem Zopf der Gothik etc. reden; d wird der Ausdruck in der Regel nur auf die äußerste V fallstufe der Renaissance (s. d.) angewendet. Nachdem d selbe bereits in den Barockstil (s. d.) ausgeartet war u.! dort zu Ende des Artikels beschriebenen Gang einschl kam an dem nun fast von aller der reichen Bekleidung: Ornamenten entblößten Gerippe der Architektur um so a fälliger der vorher eben durch die reiche Ornamentirr IOTHEK ELBERG O Universitäts Konstruktionstheile in widerlichster Weise 3614. Jedenfalls infolge der unangenehmen Wirkung solcher Architektur ließ man Phantasie jener üppigen Zeit nüchterne Architekturgerippe Gegentheil über, d. h. man löste allem organischen Zusamab, behandelte sie als durchbaulichen Organismus sowohl Materials. Am Aeußern großer repräsentativer Gebäude konnte man dies freilich nicht gar zu weit treiben, weil hier die Anbringung von Säulen, Gesimsen re. fast unumgänglich war; doch that man auch hier sein Möglichstes, s. z. B. Figur 3615. Charakteristische Beispiele sind ferner Fig. 3616, die katholische Kirchezu Dresden, 1736 von Gaetano Chiaveri begonnen, in Vergleichung mit dem 1711 von Pöpelmann begonnenen, noch dem Barockstil angehörigen Zwinger, s. Fig. 435. Eines der frühesten Beispiele in Deutschland ist das Lustschloß Solitude bei Stuttgart, Fig. 3617; dieser Stil wurde auch in Rußland von Peter dem Großen eingeführt, s. Fig. 3618, der Palast von Zarskoje-Selo. An den in der Hauptsache der Gruppirung entbehrenden, in ihren Grundlagen als glatte Fläche erscheinenden Fagaden der Privathäuser fand diese Richtung aber den raum. Alle Flächen bedeckte oder umfaßte man mit bunten, willkürlichen Ornamenten, die Fenstergewände z. B. glichen Broscheneinfassungen, Muscheln oder Blumengestellen, kurzum allem, nur keinen Fenstergewänden, und ebenso erging es allen anderen Bautheilen. Die in ihrem Profil den trawichen auch insofern von ihrer häufig auf ihren Flächen plastische Darstellung Platzfand, ruhenden Figur od. dgl. in ein der plastischen Darstellung immer mehr Platz. Fig. 3621 von Bahel, einem damals renommirten Künstler. Aehnlich wie aktiven Bauverzierungen die willkürlich vor-u. zurück⸗, auf undabwärts gekröpft und gebogen, zu Schneckenlinien un gewickelt, alle Bautheile, ohne Rücksicht auf ihre eigentlick Bestimmung u. den ihnen demgemäß zukommenden Che rakter, auf das üppigste mit Muscheln, Laubgewinder Blumen, Draperien etc. besetzt; dabei bewegt sich jede Lin in einem beständigen, höchst capriciösen, oft ganz une: warteten Wechsel der Richtung, und so wie die gegliederten Linien, architravirte Streifen, große Wülste, mit Hohlkehlen flankirt etc., sich in den launenhaftesten, aller ruhigen Ueberlegung u. organischem Zusammenhang Hohn sprechenden Schwingungen, Knicken, Verschlingungen etc. tummeln, so geht plötzlich ein Laubwerk oder Füllhorn in eine Muschel über, s. Fig. 3619 und 3621, oder es endet ein Blatt in eine Fratze, eine Blume in einen Flügel, eine gegliederte Leiste in einen Palmenbüschel, den man eben so gut für zerknicktes Gras halten könnte, s. Fig. 3622. Selbst Wasser, welches aus Schalen und Muscheln überströmt und herabträufelt, wird plastisch dargestellt und ähnelt dann meist Eiszapfen, daher sich auch der französische Name congélation für diese Darstellung schreibt; hier u. da findet man unmittelbar unter oder neben diesem Wasser Feuerflammen plastisch dargestellt, so daß das u⸗ Ernichterung verhütet wird. Lange konnte sich dieser Stil he natürlichnichthalten. Nachdem man noch unter LouisXVI. a-versucht hatte, ihn durch Einführung einzelner reiner Forn, men zu modifiziren, die sich natürlich mit der Haupttendenz des Stils ganz schlecht vertrugen und den sogen ernüchterten Zopf-oder Härbeutelstreit entstehen ließen, fiel er mit