FeedGindely (Ant.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Gindely (Ant.), Historiker, geb. 3. Sept. 1829 5 Prag, machte daselbst seine Gymnasial⸗ und niversitätsstudien und erhielt 1853 eine Anstellung als Professor für deutsche Sprache und Litteratur an der böhm. Oberrealschule in Prag. Einige Monate darauf ward er zur provisorischen übernähme des Lehrstuhls für Geschichte an die olmützer Universität berufen, als jedoch 1855 deren Aufhebung erfolgte, kehrte er in seiner frühern Eigenschaft an die Oberrealschule zurück. Im J. 1857 veranlaßte ihn der Plan zu einer größern histor. Arbeit zu einer längern archivalischen Studienreise, auf welcher er alle bedeutenden Archive in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Spanien durchforschte. Nach seiner Rückkehr wurde G. 1862 zum außerord. Professor für österr. Geschichte an der prager Universität und zugleich zum Landesarchivar des Königreichs Böhmen ernannt; 1867 erfolgte seine Ernennung zum ord. Professor. G.s erste bedeutendere histor. Arbeit ist die K&Geschichte der Böhmischen Brüder v (2 Bde., Prag 1856 — 57). Sonst bezogen sich seine archivalischen Studien hauptsächlich auf das 17. Jahrh., auf die Zeit, welche dem Dreißigjährigen Kriege voranging, und auf diesen selbst. Als Früchte dieser Studien erschienen die Werke: cRudolf II. und seine Zeit (2 Bde., Prag 1862 — 65) und «Geschichte des Dreißigjährigen Kriegso (Bd. 1—4, Prag 1869—80). Außerdem veröffentlichte G. eine übersichtliche Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs (3 Abteil., Lpz. 1882), sowie zahlreiche Aufsätze in den Abhandlungenv der wiener Akademie und mehrere geschätzte Lehrbücher der Geschichte für den Unterricht. Auch gab er Monumenta historiae bohemica (Tl. 1—4, die Zeit 1618—23 umfassend, Prag 1864—67) heraus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 44Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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