Girardin, eine franz. Familie, die aus der florentin. Adelsfamilie Gherardini stammt und seit dem 18. Jahrh. mehrere im öffentlichen Leben und als Schriftsteller hervorragende Männer aufweist. René Louis, Marquis de G., geb. 25. Febr. 1735, trat frühzeitig in die franz. Armee, diente später am Hofe des entthronten polnischen Königs Stanislaus zu Nancy und erwarb sich im Siebenjährigen Kriege den Grad eines Kavallerieobersten. Nach dem Frieden führte er auf seinem Landgute Ermenonville 9 d.) im Depart. Oise den Plan einer großartigen Landesverschönerung aus. Auch gewährte er hier seinem Freunde Rousseau in den letzten Lebenstagen einen Zufluchtsort und ließ ihm später auf der Pappelinsel ein Denkmal errichten. Eine große Überschwemmung und die Verwüstung seiner Anlagen durch die revolutionären Vorfälle zwangen ihn, bis zur Rückkehr der öffentlichen Ruhe Ermenonville zu verlassen. Er starb daselbst 20. Okt. 1808. Seine Schrift De la composition des paysageso (Par. 1777) wurde fast in alle Sprachen übersetzt. Cécile Stanislas Xavier, Graf von G., ältester Sohn des vorigen, geb. zu Luneéville 19. Jan. 1768, wurde noch sehr jung Kavalleriehauptmann und genoß Rousseaus Umgang. Als die Französische Revolution ausbrach, wendete er sich derselben zu und veröffentlichte eine Lettre du vicomte d'Ermenonville à M. . . 5 Im J. 1790 wählte ihn das Depart. Oise in die Nationalversammlung, wo er sich auf der Linken bei allen Fragen lebhaft beteiligte, später aber seinen Sitz auf der Rechten, unter den Konstitutionellen, nahm. Die Bekanntschaft mit Joseph Bonaparte verschaffte ihm nach dem 18. Brumaire das Amt eines Präfekten im Depart. Oise und darauf eine Stelle im Tribunat, in welchem er für die Absichten der Familie Bonaparte sehr thätig war. Nachdem er 1804 als Hauptmann in die Armee wieder eingetreten, begleitete er Joseph Bonaparte 1806 nach Italien, später nach Spanien, wo er als Brigadegeneral am Kriege teilnahm. Nach seiner Rückkehr trat er wieder in den Gesetzgebenden Körper, und 1812 wurde er Präfekt im Depart. Niederseine. Er übenahm 1819 die Präfektur im Depart. Cöte-d'Or, und wurde gleichzeitig in die Kammer gewählt, wo er seinen Sitz auf der Linken als eifriger Verteidiger der konstitutionellen Freiheit behauptete. Er starb 27. Febr. 1827 und hinterließ Discours, journal et souvenirso (4 Bde., Par. 1828). Alexandre, Graf von G., franz. General, des vorigen Bruder, geb. 16. Jan. 1776, nahm an allen Feldzügen des Kaiserreichs teil und erhielt 1814 den Grad eines Divisionsgenerals. Später bewies er sich als entschiedener Royalis und übernahm das Amt eines Oberjägermeisters am Hofe Karl's X. Auch trat er als polit. und ökonomischer Schriftsteller auf und veröffentlichte unter anderm: „Mémoire sur la situation politique et militaire de I'Europes (Par. In il Er starb 5. Aug. 1855. Sein natürlicher Sohn ist der Publizist Emile de Girardin (s. d.). Ernest Stanislas, Graf von G., der älteste Sohn des Grafen Cécile Stanislas Xavier G. und Besitzer von Ermenonville, geb. 24. Juli 1802, saß seit 1830, wo er sich aus dem Militärstande zurückzog, zweimal als Deputierter des Depart. Charente in der Kammer, wo er mit der liberalen Minorität stimmte und auf der Linken seinen Sitz hatte. In den J. 1848 und 1849 Mitglied der Konstituane und der Legislative, gehörte er zu dem royalistischen Verein der Rue Poitiers. Nach dem 2. Dez. 1851 ernannte ihn Ludwig Napoleon zum Mitgliede der Konsultativlommission und im Jan. 1852 zum Senator. G. starb zu Paris 3. Jan. 1874.