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ErdkundeBrockhaus 1882

Glasgow, dem Range nach die zweite, der Bevölkerungszahl, dem Umfange, der Industrie und der Ausdehnung des Handels nach die erste Stadt Schottlands, in der Grafschaft Lanark lein kleiner Teil der Stadt erstreckt sich in die benachbarte Grafschaft Renfrew), Municipalstadt und Parlamentsborough, auch Sitz eines kath. Erzbischofs, mit dem 71 km ostwärts entfernten Edinburgh durch einen Kanal und zwei Eisenbahnen verbunden, in einem fruchtbaren Thale am Clyde, 32,5 EKm von dessen Mündung gelegen, besteht aus der Alt- und Neustadt und mehrern Vorstädten. Bis 1866 hatte die ältere Stadt (das Centrum und der östl. Teil) s mden di Straßen und ärmliche Hütten; seitdem wurden die Straßen erweitert und besser gepflastert und viele schöne Häuser gebaut. Die neuern Stadtteile und die Vorstädte haben breite Straßen, aus Quadern erbaute Häuser und schöne Squares. Unter den öffentlichen Gebäuden verdient besondere Beachtung die prächtige Hauptkirche, 1100 — 1400 gebaut, mit schöner Krypta. Außer dieser hat G. noch 250 gottesdienstliche Gebäude, darunter 19 kath. Kirchen, von denen die 1816 erbaute St. Andrewskirche die bedeutendste ist. Ferner sind bemerkenswert: das öffentliche Gefängnis mit einer Säulenhalle, ähnlich dem Parthenon in Athen, das Magdalenenspital, die 1829 gebaute Börse mit einer korinth. Säulenhalle, die 1811 erbaute Sternwarte. Alle diese Gebäude wurden fast insgesamt von Stark nach antiken Mustern erbaut. Von neuern Gebäuden sind fünf Theater, die 1877 erbaute Neue Börse und besonders die von Scott errichteten, Nov. 1870 eröffneten Universitätsgebäude zu nennen. G. hat wei Krankenhäuser, ein Blatternhaus, ein großes dreher eine Blindenanstalt und viele andere ohlthätigkeitsanstalten. Neue Gebäude für die Stadtverwaltung werden (1883) am George nden errichtet. Auf dem George Square beinden sich viele Statuen, in der Mitte eine 20 m hohe Säule mit dem Standbilde Walter Scotts, ferner die Reiterstatuen der Königin Victoria und des Prinzen Albert (von Marochetti), Statuen von James Watt, Robert Peel, Lord Clyde, John Moore (von Flaxman), Robert Burns, Thomas Fampbell, David Livingstone u. a. Außerdem hat H. einen 43 m hohen Obelisk zum Andenken Nelons und Reiterstatuen Wellingtons und Wilhelms III. Die schönsten Kaufläden zeigt die uchananstraße. Von Kunstsammlungen ist die vichtigste die von Maclellan gestiftete Gemäldezalerie mit wertvollen Bildern von Tizian, Giorzione, Botticelli, Rubens, Rembrandt u. a. Außerdem sind zu erwähnen die von Ewing und die von Hraham-Gilbert gestifteten Gemäldesammlungen ind die 1880 eröffnete Sammlung des Kunstinstituts. Unter den Vorstädten sind Kelvin Grove, Hillhead und Dowanhill die bedeutendsten. Im [Norden liegt Port Dundas mit großen Warenhäusern am Becken des Monklandkanals, der unteralb der Stadt in den Clyde geht. Der südl. Teil der Stadt ist eben und hat meist gerade, sich rechtwinkelig schneidende Straßen, den Queenspark und die Nekropolis. Eine Wasserleitung vom Loch-Katrine, 54 km im Norden, versieht G. täglich mit über 2 Mill. Hektoliter Wasser. 171000. zage von Glasgow. Die Stadt ist für den Handel äußerst günstig gelegen. In der Nähe der reichen Steinkohlengruben und Eisenwerke von Lanarkshire und dem angrenzenden Renfrewshire steht sie durch den Clyde mit dem Atlantischen Meere und mit der Nordsee durch den Clydekanal und den Fluß Forth in Verbindung, sowie durch Eisenbahnen mit Edinburgh, Lanark, Paisley, Greenock, Perth, Dunfermline, Dundee u. s. w. Ihr lebhafter Handel mit Nordamerika und Westindien begann gleich nach der Union 1707 und bewirkte ihr rasches Emporsteigen. Seitdem hat die Einfuhr von Kolonialwaren und die Ausfuhr von Steinkohlen und eigenen Fabrikaten immer größere Verhältnisse angenommen, sodaß G. mit Recht für den Haupthandelsplatz Schottlands gilt, während in England nur London und Liverpool ihm den Rang streitig machen können. Mit allen wichtigen Seehäfen der Erde steht G. in regelmäßiger Dampfschiffverbindung. Die zum Hafen gehörigen Schiffe haben zusammen (1882) 827 435 t 47 Di e konnten die größten Schiffe nicht bis an die Kais der Stadt gelangen, sondern mußten wegen der Untiefen des Clyde bei der zur Grafschaft Renfrew gehörigen Stadt Port Glasgow, 26 Km im WNW., löschen. Jetzt ist der Clyde für Schiffe von 7em Tiefgang fahrbar. Das Queensdock ist 13,5 ha groß und bei niederm Wasserstande 6 metief; ein noch größeres Dock ist (1883) im Bau begriffen. Die großartige Industrie, welche G. seit Mitte des 18. Jahrh. entwickelt hat, Überbietet an Mannigfaltigkeit die aller andern brit. Städte. G. vereinigt die Baumwollspinnerei und Weberei von Manchester, die gedruckten Kalikos von Lancashire, die Wollstoffe von Norwich, die Shawls und Musseline von Frankreich, die Seidenfabriken und Spinnereien von Macclesfield, die Flachsspinnereien von Irland, die Teppiche von Kidderminster, die Eisen⸗ und Maschinenfabriken von Wolverhampton und Birmingham, die Steingut⸗ und Glasfabriken von Staffordshire und Neweastle und den Schiffbau von London. Am wichtigsten ist der Schiffbau; 1882 wurden in G. 261 Schiffe von 391934 t vom Stapel gelassen. Ferner sind hier bedeutende Branntweinbrennereien und Bierbrauereien, große chem. Fabriken (darunter die St.⸗Rollor-Works, die größten der Welt), Töpfereien, Zuckersiedereien, Färbereien, Gerbereien, Papierfabriken, Messingwerke, Fabriken für Segeltuch, Seilerwaren, Lederwaren etc. In G. wurde 1793 der erste Versuch mit dem Cartwrightschen Dampfwebestuhl gemacht. Die Einwohnerzahl, die 1801 noch 77385 betrug, war 1861 auf 394 864 gestiegen und betrug 1881 fur das Parlamentsborough 487 985, mit den Vorstädten 674095. G. hat auch bedeutende wissenschaftliche Anstalten aufzuweisen. Die Universität, welche 1881¼/82 von 2320 Studenten besucht wurde, ist 1450 von König Jakob II. und dem Bischof Turnbull gestiftet und besitzt, wie die andern schott. Universitäten, eine den deutschen ähnliche Einrichtung. Die Universitätsbibliothek zählt 110000 Bände. Zur Universität gehören eine Sternwarte und das Hunterian Museum, 1783 von William Hunter gegründet, welches anatom. und naturhistor. Sammlungen enthält, außerdem 12000 Bände seltener Bücher und Handschriften, eine große Münzensammlung und eine Anzahl wertvoller Gemälde. Anderson's-College, gegründet 1796, ist ein Institut zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. Außerdem hat G. ein Schullehrerseminar, eine Arzneischule, eine Lateinschule, eine Kunstakademie, eine große Bibeldruckerei, seit 1819 einen herrlichen botan. Garten, verschiedene gelehrte Gesellschaften, 18 litterarischwissenschaftliche Institute u. s. w. Auch für die Verschönerung und wohnliche Verbesserung der Stadt ist in jüngster Zeit viel geschehen. Bis in die neueste Zeit war G. eine der ungesundesten Städte des Vereinigten Königreichs (Sterblichkeit in einem Jahre 31: 1000). Die Herstellung eines umfassenden Systems von Abzugskanälen jedoch, der Umbau enger und schmutziger Stadtteile und die Errichtung von Musterwohnungen für die Arbeiter haben in dieser Hinsicht bereits viel gebessert, sodaß jetzt (1883) die Sterblichkeit 23: 1000 beträgt. Bei den Verhandlungen über die Schottische Reformbill 1868 wurde die Zahl der Vertreter G.s im Parlament von zwei auf drei vermehrt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 86Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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