FeedGlatz
ErdkundeBrockhaus 1882

Glatz, eine zum Regierungsbezirk Breslau der preuß. Provinz Schlesien gehörige Grafschaft, umfaßt die Kreise Glatz, Habelschwerdt und Neurode und zählt (1880) auf 1636 qm 178 496 E., wovon 171397 Katholiken, 6691 Protestanten und 345 Juden. Das Ländchen, ringsum von hohen Gebirgszügen umgeben und nur im Innern von niedrigen Hügeln durchzogen, bildet wie Böhmen, dem es an Gestalt sehr ähnelt, einen an Naturschönheiten reichen Gebirgskessel. Derselbe gehört zu dem mittlern Teil des Sudetengebirges und ist im N. durch den Warthapaß, im S. durch den Paß von Mittelwalde, im W. durch den Paß von Nachod mit Schlesien und beziehungsweise Böhmen verbunden. Das Glatzer Schneegebirge ist der höchste Teil der die Grafschaft umschließenden Bergketten. Dessen Spitze, der Große Schneeberg (1424 m), bildet eine berühmte Wasserscheide, auf ihm entspringt die Neisse (Ostseegebiet), die stille Adler (Rordseegebiet) und die March (Gebiet des Schwarzen Meers). Die Südwestseite der Grafschaft wird durch den Paß; von Nachod in zwei fast gleiche Teile geteilt, von z denen der südöstliche das Mense⸗ oder auch Erlitzgebirge (s. Hohe Mense), der nordwestliche das Heuscheuergebirge (s. d.) bildet. Den Nordostrand bildet das Eulengebirge (s. d.), den Südostrand das Reichensteiner Gebirge, welches an Reichenstein und dem Bad Landeck vorbei sich an der Quellengegend der Biela mit dem Schneegebirge verbindet. Das Land ist reich an Mineralquellen (Reinerz, Cudova, Langenau, Alt-Haide, Landeck). Die Bewohner sind A5hm, HDran Deutsche, nur im westl. Teil an der öhm. Grenze in Brzesowie, Schlaney, Tscherbeney, Strouseney leben etwa 4000 böhm. Slawen oder Czechen. Die Hauptbeschäftigung der Bevölkerun ist die Landwirtschaft und Viehzucht. Umfassend it auch die Leinen⸗ und Baumwollweberei in den höher Nottenhe Bergdörfern, die Tuchweberei und der nn im Kreise Neurode, die Holznägel⸗, Holzdraht⸗, Streichholz- und Zündhölzer⸗ und Apothekerschachtelfabrikation im Kreise Habelschwerdt und G., die Glaswaren⸗, Zucker⸗, Papier⸗, Cigarren⸗ und Maschinenfabrikation, die Handschuh⸗ und Gamaschenfabrikation, der Betrieb der Brett⸗ und Sägemühlen, der Kalk⸗ und Sandsteinbrüche und Cementfabrikation. Der Handel des Ländchens ist nicht unbedeutend und hat dieser durch die Eisenbahnen Breslau-Mittelwalde und Dittersbach-Glatz an Bedeutun t zugenommen. Die Heu at ihren Namen von der Kreisstadt G. (böhm. Kladsko) überkommen, welcher Ort an der ehemaligen Haupthandelsstraße von Böhmen durch Schlesien nach Polen wahrscheinlich im 10. Jahrh. durch böhm. Fürsten erbaut und mit einem festen Schlosse versehen worden ist. Zur souveränen Grafschaft G. wurde das Gebiet durch den König Podiebrad von Böhmen erhoben und verblieb als ein selbständiges Ganzes bis zum Jahre 17⁴4²2 bei dem Königreich Böhmen. Doch wurde es oft an fremde Fürsten verpfändet. Im J. 1742 wurde die Grafschaft G. zugleich mit Schlesien von Friedrich II. von Preußen erobert und wurde zuerst im Frieden zu Breslau und dann 1763 im Hubertusburger Frieden dauernd an Preußen abgetreten. Kirchlich ist das Land noch jetzt mit Böhmen verbunden und gehört zum Sprengel des Fürst-Erzbischofs von Prag. Der Kreis Glatz zählt (1880) auf 527,95 qm 64769 meist kath. E. und enthält drei Städte: G., Reinerz und Lewin. Die Hauptstadt Glatz (böhm. Kladsko) liegt 79 km im SSW. von Breslau, an der Linie Breslau-Mittelwalde der Oberschlesischen Eisenbahn, von der hier die Preußische Staatsbahn nach Dittersbach abzweigt, und auf dem linken Ufer der Neisse, zwischen den Mündungen der Biela und Steina, in einer Höhe von 294 m über dem Meere. Die Stadtbefestigung ist seit 1878 ganz aufgegeben, ebenso die Außenwerke der Festung; diese beschränkt sich somit nur noch auf die Haupt-oder alte Festung, welche sich unmittelbar über der Stadt, in die Felsen eingesprengt, erhebt mit dem die Stadt um 90 m überragenden Donjon und der Statue des lche Johannes von Nepomuk, von wo eine herriche Aussicht über den größten Teil der Grafschaft sich darbietet, und auf die kleine Festung am rechten Neisseufer, auch Schäferberg genannt. Die Festung hat ihre alte Wassent verloren und ist nur noch als befestigter Waffenplatz bestimmt, die Verkehrsstraßen und insbesondere die Eisenbahn zu beherrschen, und so den Durchbruch einer feindlichen Armee nach Schlesien durch die Grafschaft zu verhindern. Die Sunben bis sich in ihrem alten Teile mit engen Straßen bis an den Schloßberg. sich ein schön und gesund gelegener Stadtteil vor den eingeebneten Festungswerken des Grünen Thors, während das zwischen dem Böhmischen und Grünen Thor gelegene ehemalige Neil it Pon e in eine schöne Parkanlage umgewandelt ist. Von Gebäuden sind nennenswert: die kath. Pfarrkirche mit Hensicr v Geläute, großer Orgel, Gruft mehrerer erzöge von Hunstdeiß und Grafen von Glatz und dem Grabmal des heil. LMinorit Ernestus (gest. 1364), die kath. Garnison⸗(Minoriten⸗)Kirche, die evang. (Franziskaner⸗)Kirche, das Rathaus mit + Turm, das Gymnasium (früher Jesuitenollegium) und Konviktorium, die Kommandantur, das Offiziercasino, das Bürgerhospital, Stadtkrankenhaus, städtische Arbeitshaus, das Kreishaus, Land⸗ und Amtsgerichtsgebäude und die Post, die sieben Kasernen und das Proviantamt. G. zählt (1880) 13307 meist kath. E. und ist Sitz des Landerichts fei die Kreise G., Habelschwerdt, Neurode, rankenstein und Münsterberg, eines Amtsgerichts, einer Kreisbauinspektion, Betriebsbauinspektionen der Oberschlesischen und der Niederschlesischen Eisenbahnen, Landratsamt, einer Kommandantur, eines Artilleriedepöt, einer Garnison-und Lazarettverwaltung u. s. w. Von Gewerben blühen die Möbeltischlerei und Schuhfabrikation, fünf Bierbrauereien und sechs Branntweindestillationen, eine große Gamaschenfabrik, eine mpssagenuhle und und Metallgießerei, eine Dampfsägemühle und Daurdeimehetaz sowie zwei Cigarrenfabriken. G. 1 10 1807) Ischafte Vgl. Wedekind, Die Geschich „Die Grafschaft G. (Glog. 1873); «Vierteljahrs-G. v (Landeck 1882). [Sudeten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 93Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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