FeedGmünd oder Schwäbisch-Gmünd
ErdkundeBrockhaus 1882

Gmünd oder Schwäbisch-Gmünd, Stadt in Württemberg, Hauptort eines Oberamtsbezirks (264 qkm mit P1880 31741 meist kath. E.), im Jagstkreise, 51 Kmeim SO. von Stuttgart, an der Eisenbahn Cannstatt-Nördlingen, in dem reizenden und fruchtbaren Thale der von einer schönen Brücke überspannten Rems, ist Sitz eines Amtsgerichts, hat (1880) 13 774 E. und trägt mit ihren Kirchen, Türmen und einigen Bruchstücken der ehemaligen bedeutenden Ringmauer immer noch das Gepräge einer alten Reichsstadt. Unter den sechs Kirchen sind besonders merkwürdig die neuestens renovierte, im voman. Stil erbaute St. Johanniskirche und die got. Heiligkreuzkirche. Die außerhalb der Stadt auf einer Anhöhe gelegene, teilweise in Felsen gehauene Salvatorskirche ist eine sehr besuchte Wallfahrtsstätte. Von den vielen Kapellen bestehen nur noch die zu St. Joseph und Herrgottsruhe, und die Gebäude der 1803 eingezogenen Klöster werden zu andern Zwecken benutzt. Es befinden sich in G. ein Realgymnasium, eine Zeichen-, Ciselier- und eine gewerbliche Fortbildungsschule, ein kath. Schullehrerseminar, eine königliche und eine Privattaubstummenanstalt, ein Blindenasyl, eine bedeutende Irrenanstalt unter der Leitung der Barmherzigen Schwestern, zwei Hospitäler, ein musterhaftes Zuchthaus (in dem ehemaligen, 1240 erbauten Dominikanerfrauenkloster Gotteszell). Handel und Gewerbfleiß, im Mittelalter in hoher Blüte, sanken seit Anfang des 17. Jahrh. mehr und mehr, haben sich aber in neuerer Zeit wieder sehr gehoben. Neben Obstbaumzucht, Ackerbau und Borfendau herrscht eine lebhafte Gewerbsthätigkeit, besonders in Fabrikation von ciselierten und gravierten Gold⸗ und Silberwaren, von Kupfer⸗, Bronze⸗ und Messingwaren, Kinderspielzeug, Wachsarbeiten, Tabak, Mobilien, Tabletterie- und andern Hiete Mabl- und Drechslerwaren. Auch bestehen viele Mühlwerke, Gerberei und überhaupt viel Kleingewerbe. Die Stadt hat schöne Spaziergänge und Gesellschaftsgärten. Eine Stunde im Südwesten erheben sich zwischen dem Hohenstaufen und dem Stuiffen majestätisch die zwei Kuppen des Rechbergs, die eine mit einer Wallfahrtskirche, die andere mit der Ruine des ehemaligen Schlosses Rechberg oder Hohenrechberg, der Stammburg der Grafen von Rechberg, in deren Herrschaft viel Schnitz- und Drechslerarbeiten, z. B. die sog. Ulmer Pfeifenköpfe aus Maserholz, verfertigt werden. G. hieß sonst Kaisersreuth und machte sich nach dem Aussterben des hohenstaufischen Hauses reichsfrei. Ungeachtet der innern Fehden zwischen Patriciat und Zünften, die selbst noch zu Anfang des 18. Jahrh. sich erneuten, blieb es selbständig, bis es 1803 an Württemberg kam. Vgl. Kaißer, «Führer durch G. und seine Umgebungs (Gmünd 1882). Aeler (Heinr. von), Baumeister, s. unter rler. „Gmunden, Hauptort der gleichnamigen Bezirkshauptmannschaft in Oberösterreich, an der Linie G.⸗Lambach der Kaiserin-Clisabethbahn und an der Salzkammergutbahn, liegt 430 m hoch an dem Ausflusse der Traun und dem Nordende des Traun⸗ oder Gmundenersees, ziemlich gegenüber dem fast senkrecht emporsteigenden, 1691 m hohen Traunstein. Die Stadt ist Sitz der Bezirksbehörden, sowie einer Forst⸗ und Domänendirektion, zählt (1880) 6631 E. und ist bekannt als Kurort und angenehmer Sommeraufenthalt. G.s Kurmittel bestehen in See- und Solbädern, Fichtenbädern, einem Inhalationssalon, einer pneumati8.a0 Kammer und einer Kaltwasseranstalt. Unter en Gebäuden zeichnen sich aus die 1876 vollendete evang. Kirche, die kath. Pfarrkirche mit einem trefflich geschnitzten Hochaltar Schwanthalers aus Ried, das Rathaus und über 50 Villen. G. zählt zu den schönstgelegenen Städten SÖsterreichs und ist reich an schönen Spaziergängen und herrlichen Gebirgstouren. Vom Kalvarienberge und von den sehr sehenswerten Satorischen Anlagen aus hat man eine bnde Aussicht über den See und das ihn umgebende Gebirgspanorama. In der Nähe der Stadt liegen die Schlösser Ebenzweier und Orth, letzteres im See selbst und durch eine 130 m lange Brücke mit dem Lande verbunden. Dampfer setzen G. in Verbindung mit dem Dorfe Ebensee (s. d.) am Südufer. Vgl. Feuerstein, «Der Kurort G.» (5. Aufl., Gmunden 1879); Geuter, „Ischl und seine Umgebungen. Unter gleichzeitiger Berücksichtigung G.s (6. Aufl., Gmunden 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 132Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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