FeedGolt (von der)
BaukunstBrockhaus 1882

Golt (von der), ein gegenwärtig in sämtlichen Provinzen des preuß. Staats und mit einem Zweige auch in den Niederlanden blühendes, teils freiherrliches, teils gräfl. Geschlecht, welches seinen Ursprung auf den Grafen Andreas von Dienheim zurückführt. Letzterer kam 1123 nach Polen, wo er unter anderm auch die Herrschaft Golczewo erheiratete, die auf seinen Sohn Johann vererbte. Gegen Ende des 13. Jahrh. ließ sich Arnold von der G. in Pommern und den Marken nieder und stiftete durch seine beiden Söhne die beiden Hauptlinien des Geschlechts, die ältere (weiße) von Reppow und die jüngere (schwarze) von Wuhrow. Von ersterer zweigten sich zu Anfang des 15. Jahrh. das nunmehr erloschene Haus Nisczyk, um 1550 das Haus Giesen, gegen Ende des 16. Jahrh. das Haus Brotzen und zu Anfang des 17. Jahrh. die Häuser Heinrichsdorf und Sortlack ab. Zweige der Hauptlinie Wuhrow sind die beiden Häuser Curtow (seit Mitte des 15. Jahrh.) und Clausdorf (seit Ende des 16. Jahrh.). In der zweiten Hälfte des 17. und den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrh. erlangten sämtliche damals blühende Linien die Freiherrenwürde. Von König Friedrich Wilhelm II. von Preußen wurden 19. Sept. 1786 zwei Zweige der elausdorfer und zwei der heinrichsdorfer, 18. Jan. 1787 und im Mai 1789 zwei Glieder des sortlacker Hauses in den Grafenstand erhoben. Aus dem Geschlecht sind viele bedeutende Männer, namentlich Militärs, hervorgegangen. Freiherr Günther von der G. war kaiserl. Generalissimus und Statthalter von Böhmen zur Zeit Kaiser Ferdinands II. — Freiherr Joachim Rüdiger von der G. (geb. 1623, gest. 1683) war Dend Marechal de Camp, kurbrandenb. General der Infanterie, dän. Feldmarschalllieutenant, kursachs. Generalfeldmarschall u. s. w. und beteiligte sich beinahe an allen Kriegen seiner Zeit, unter anderm auch bei der Entsetzung von Wien gegen die Türken. — Freiherr Konrad von der G., geb. 1705 zu Parrow in Pommern, zeichnete sich als Diplomat und Militär, besonders nach dem Regierungsantritt Friedrichs d. Gr. aus. Als Generalmajor trug er wesentlich zum Siege des Königs bei Soor bei, und im Nov. 1745 schlug er an der Spitze einer Kavalleriebrigade bei Hennersdorf vier sächs. Reiterregimenter in die Flucht. Er starb 4. Aug. 1747. Er war einer der Vertrauten Friedrichs d. Gr., der seine Kenntnisse hochschätzte und ein eigenes „Elogen auf ihn verfaßte, das in der Akademie vorgelesen wurde. Auf Rauchs Denkmal des großen Königs zu Berlin ist G. in ganzer Figur dargestellt. — Ppreub. Karl Franz von der G., gest. 1804, preuß. Generallieutenant der Kavallerie und Geh. Staats- und Kriegsminister, zeichnete sich als Militär sowohl im Siebenjährigen Kriege, namentlich bei Zorndorf, als auch später in den Revolutionskriegen aus. Gegenwärtig blüht das Haus in sechs Linien, von denen die Linie zu Heinrichsdorf hraftich die Linien Brotzen, Giesen und Curtow freiherrlich sind, während sich die Linie Sortlack in sechs Zweige, einen gräflichen (Sortlack) und fünf freiherrliche (Leissinen, Fingatten, Domnau, vormals Mertensdorf, Großauth), die Linie Clausdorf aber in zwei Aste, einen ältern freiherrlichen (mit den Unterabteilungen Schellin, Consbruch und Pagdanzig [Kopricwe]) und einen jüngern gräflichen teilt. Der niederländ.lältere) Zweig der gräfl. Linie Heinrichsdorf ist im Mannsstamme seit Dez. 1863 mit dem Ableben des 6. Okt. 1798 geborenen niederländ. Oberstlieutenants Grafen Wilhelm ie Heinn von der G. erloschen. — Der jüngern Linie Heinrichsdorf gehörte an Graf Karl Alexander von der G., geb. 1747 in Südpreußen, gest. 1817 als preuß. Generallieutenant. Derselbe hatte sich zu den Zeiten Friedrichs d. Gr. im Siebenjährigen und Bayrischen Erbfolgekriege, unter dessen Nachfolger als Diplomat ausgezeichnet. Er hinterließ einen Sohn, den Grafen Heinrich von der G., geb. 8. Juni 1775, gest. 13. Okt. 1822 als Generallieutenant und preuß. Gesandter zu Paris, welcher Vater des gegenwärtigen Hauptes der heinrichsdorfer Linie war, des Grafen Karl Friedrich von der Goltz (s. d.). — Der Bruder dieses letztern, Graf Robert Heinrich Ludwig von der G., geb. 6. Juni 1817 zu Paris, widmete sich der diplomatischen Laufbahn, wurde Legationsrat und 1855 als Ministerresident, 1857 als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister zu Athen verwendet. Im Febr. 1859 siedelte er in gleicher Eigenschaft nach Konstantinopel über, wo er Gelegenheit fand, zu Gunsten der von den Drusen 1860 verfolgten Christen zu wirken; 1862 wurde er an Stelle Bismarcks nach Petersburg und 17. Jan. 1863 als preußischer, vom 1. Jan. 1868 ab als norddeutscher Bundesbotschafter nach Paris versetzt. Er war am franz. anchendi sehr beliebt und vertrat mit großem Geschick und unter, namentlich seit Anfang 1867, sehr schwierigen Verhältnissen die deutschen Interessen bis zu seinem Tode. Er starb 21. Juni 1869 zu Charlottenburg am Zungenkrebs. Dem gräfl. Zweige des Hauses Sortlack entsprang Graf August Friedrich Ferdinand von der G., namhafter preuß. Staatsmann, geb. 20. Juli 1765 zu Dresden. Nachdem er in Leipzig und Frankfurt a. O. studiert, trat er 1787 in preuß. Staatsdienst und wurde 1788 Geh. Legationsrat in Warschau, 1791 Gesandter in Kopenhagen, 1793 in Mainz. Nach seiner Abberufung von da erhielt er 1797 eine Sendung nach Stockholm. Seit 1802 Gesandter in Petersburg, folgte er 1807 dem Kaiser von Rußland in das Hauptquartier und übernahm hierauf, da Napoleon bei den Friedensunterhandlungen zu Tilsit die Zuziehung des Ministers von Hardenberg verweigerte, die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten, worauf er gemeinschaftlich mit dem Grafen von Kalckreuth den Frieden zu Tilsit abschloß und 1808 Preußen auf dem Kongreß zu Erfurt vertrat. Infolge der neuen Organisation des preuß. Ministeriums wurde er sodann Geh. Staats⸗ und Konferenzminister und beteiligte sich an der Feststellung der Verhältnisse zwischen Preußen und Frankreich 1812. Beim Beginn des Befreiungskriegs blieb er als Präsident der Regierungskommission in Berlin. Als nach dem ersten Pariser Frieden Hardenberg die Leitung des Auswärtigen wieder übernahm, wurde G. Oberhofmarschall, hierauf 1816 Gesandter am Bundestage und 1817 Mitglied des Staatsrats. Nach seiner Abberufung vom Bundestage 1824 trat er wieder als Oberhofmarschall ein und starb 17. Jan. 1832. Aus der Linie Sortlack (Zweig Leissinen) sind Herm. Freiherr von der Goltz (s. d.) und sein Bruder Theod. Freiherr von der Goltz (s. d.) hervorzuheben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 181Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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