FeedGoltz (Bogumil)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Goltz (Bogumil), 9. 20,Miark1 und moralphilos. Schriftsteller, geb. 20. März 1801 zu Warschau, wo sein Vater damals Stadtgerichtsdirektor war, besuchte die Gymnasien zu Marienwerder und Königsberg und erlernte 1817 auf dem poln. Amte Ciechoein bei Thorn die Landwirtschaft. Ein inneres Bedürfnis nach wissenschaftlicher Ausbildung führte ihn 1821 auf die Universität Breslau, wo er sich in die theol. Fakultät einschreiben ließ, aber nur philos. und philol. Vorlesungen hörte; 1823 kaufte er das Gut Lissowo an der poln. Grenze, unweit Thorn. G. gab jedoch später den Gutsbesitz auf und übernahm Pachtungen in Polen und Preußen. Nachdem er auch hiervon sich wieder zurückgezogen, wandte er sich mit dem geringen Vermögen, das er gerettet, 1830 nach dem Städtchen Gollub, und lebte dort philos., histor. und ästhetischen Studien, siedelte aber 1847 nach Thorn über, wo er 12. Nov. 1870 starb. Seinem 4Buch der Kindheito (Frankf. 1847; 4. Aufl., Berl. 1877) folgten: Deutsche Entartung in der lichtfreundlichen und modernen Lebensarto (Frankf. 1847), «Das Menschendasein in seinen weltewigen Zügen und Zeichend (2 Bde., Erlangen 1850; 2. Aufl., Berl. 1868), (Ein Jugendleben. Biographisches Idyll aus Westpreußeno (3 Bde., Lpz. 1851; 2. Aufl., 4 Bdch., 1865) und Ein Kleinstädter in Agyptend (Verl. 1853; 3. Aufl. 1877). Ein Werk von großer Originalität und bleibendem Wert ist namentlich Der Mensch und die Leute⸗ (5 Hefte, Berl. 1858), in welchem er tieferfaßte und scharfgezeichnete Bilder der Rassen und Völker entwirft. An dasselbe schließen sich Die Deutschen⸗ (3 Bde., Berl. 1860; 2. Aufl. unter dem Titel: (Zur Charakteristik und Naturgeschichte des deutschen Geniuso, 1864). Als Früchte seines Studiums des Menschen veröffentlichte er 4Feigenblätter v (3 Bde., Berl. 1861—64), Zur Charakteristik und Naturgeschichte der Fraueno (Berl. 1859; 5. Aufl. 1874), (Typen der Gesellschafte (2 Bde., Grünberg 1860; 4. Aufl. 1867), Die Bildung und die Gebildetend (2 Bde., Berl. 1864; 2. Aufl. 1867), (Vorlesungend (2 Bde., Berl. 1869) und „Die Weltklugheit und die Lebensweisheit mit ihren korrespondierenden Studieno (2 Bde., Berl. 1869). G.“ Schilderungen und Erzählungen, namentlich wo diese Selbsterlebtes enthalten, sind wahr und lebendig. Bei Entwickelung seiner Ideen gibt sich jedoch nicht selten Mangel an künstlerischer Abrundung und innerer Skonomie kund, sodaß seine Darstellung erdrückend wird. Dennoch gewähren seine Schriften durch eine Fülle oft ungeordneter Gedankenmassen auch auf diesem Gebiete viel Treffendes, Schönes und Anregendes. Obwohl eine durchaus ideale Richtung verfolgend, schöpft er doch — Philosophie und Poesie aus der Beobachtung des wirklichen Lebens. Vgl. Gottschall, Bogumil G.» (in Unsere Zeitz, Lpz. 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 182Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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