Garve (Christian), deutscher Philosoph und Schriftsteller des 18. Jahrh., geb. zu Breslau 7. Jan. 1742, der Sohn eines Färbers, widmete sich + auf der Universität zu Frankfurt a. O. unter Baumgarten philos., dann zu Halle mathem. Studien und lebte hierauf, seit 1768 als Docent, in Leipzig, wo er sich besonders an Gellert und Weiße anschloß. Nach Gellerts Tode (1769) wurde er 1770 an dessen Stelle außerord. Professor der Philosophie in Leipzig; allein seine schwächliche Gesundheit bewog ihn, 1772 dieses Amt niederzulegen, worauf er wieder in seine Vaterstadt zurückkehrte. Nachdem er sich teils durch seine mit Anmerkungen bereicherten übersetzungen von Fergusons Moralphilosophier (Lpz. 1772), Burkes Schrift aliber den Ursprung unserer Begriffe über das Erhabene und Schöner (Riga 1773) u. s. w., teils durch eigene Abhandlungen in der philos. Welt immer bekannter gemacht hatte, wurde er durch Friedrich II., der ihn zu sich kommen ließ, zu einer libersetzung von Ciceros Schrift Von den Pflichten (6. Aufl., 4Bde., Bresl. 1819) aufgefordert, die er 1779 in Charlottenbrunn, einem schles. Gebirgsdorfe, begann und 1783 vollendete. Dies Werk begründete seinen schriftstellerischen Ruf. Er erhielt von König Friedrich eine Pension von 200 Thlrn. und wurde Mitglied der berliner Akademie der Wissenschaften. Er starb zu Breslau 1. Dez. 1798. Als Philosoph zeichnet sich G. durch feine Bemerkungen und anziehende Darstellung aus. Seine Philosophie war mehr Lebensphilosophie, aber im edlern Sinne des Wortes; seine Schreibart klar, einfach und gewählt. Unter seinen Schriften sind die Verbindung der Moral mit der Politik» (Bresl. 1788), aüber den Charakter der Bauern und ihr Verhältnis gegen den Gutsherrn und die Regierungy Bresl. 1786; 2. Aufl. 1796), cüber Gesellschaft und Einsamkeitv (2 Bde., Bresl. 1797—1800), die (Versuche über verschiedene Gegenstände aus der Moral, Litteratur und dem gesellschaftlichen Lebene (5Bde., 1792—1802) und die Fragmente zur Schilderung des Geistes, Charakters und der Regierung Friedrichs II.5 Bde., Bresl. 1798). Verdienstvoll sind auch seine Übersetzungen von Payleys 4Grundsätzen der Moral und Politik'‘ (2 Bde., Lpz. 1787) und von Smiths Untersuchungen über die Natur und Ursache des Nationalreichtums » (4 Bde., Bresl. 1794—96; 2. Aufl. 1799), sowie die nach seinem Tode erschienenen lübersetzungen der Ethike (2 Bde., Bresl. 1798 — 1801) und der «Politike (2 Bde., Bresl. 1799—1802) des Aristoteles. Seine Briefe an Weiße und Zollikofer gaben Manso und Schneider (2 Bde., Bresl. 1803 —4), die Briefe an seine Mutter K. Adolf Menzel (Bresl. 1830) heraus.