Gorgias, griech. Sophist und Rhetor zur Zeit des Sokrates, geb. zu Leontini in Sicilien, gebildet in den Rednerschulen des Korax und Tisias, kam 427 als Gesandter seiner Vaterstadt nach Athen, wo er durch seine blumenreiche Redekunst großes Aufsehen machte und längere Zeit verweilte, bis er nach Art der sophistischen Lehrer ein Wanderleben durch Griechenland antrat, welches er um 380 v. Chr., über 100 J. alt, in dem thessal. Larissa beschloß. Er zog, von den Lehren des Empedolles und der Cleaten stark beeinflußt, die nihilistischen Konsequenzen der Sophistik am rücksichtslosesten, indem er lehrte, es sei Nichts, und wenn Etwas wäre, sei es unerkennbar, und wenn es Erkenntnis gebe, sei sie nicht mitteilbar. Von seinem größern Werke «Über das Nichtseiende oder über die Natur » ist nichts erhalten. Dagegen sind unter seinem Namen noch zwei Reden vorhanden, das Lob der Helena und die Verteidigung des Palamedes, deren Echtheit jedoch stark bezweifelt worden ist. Sie sind, wenn auch in etwas steifem, doch in Hinsicht des Periodenbaues und des Ausdrucks gefälligem Stile abgefaßt und in den Sammlungen der griech. Redner abgedruckt. Vgl. Foß, «De Gorgia Leontino commentatiop (Halle 1828); Spengel, De Gorgia rhetores (Stuttg. 1828).